Heute ist der 30.06.2026 und wir blicken auf die Stadt Wuppertal, wo sich die Diskussion über eine geschlechtergerechte Stadtplanung immer weiter entfaltet. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die Art und Weise, wie Frauen und Männer städtische Räume nutzen, stark voneinander abweicht. Frauen ziehen es oft vor, sicherere, wenn auch längere Wege zu wählen. Das ist nicht nur eine Frage des Komforts, sondern auch der Sicherheit. Immer wieder wird in Berichten betont, dass Frauen in bestimmten Bereichen, wie zum Beispiel dunklen Fußgängerunterführungen, ein Gefühl der Bedrohung empfinden. Die ehemalige Bundestagsabgeordnete Anja Liebert hat dies bei einem Spaziergang durch Wuppertal-Barmen eindrucksvoll demonstriert, als sie verschiedene Routen zum Bahnhof aufzeigte. Männer hingegen neigen dazu, riskantere, direktere Wege zu wählen. Statistiken belegen, dass Frauen häufig öffentliche Verkehrsmittel nutzen und kürzere, vernetzte Strecken zurücklegen.

Doch was steckt hinter diesen unterschiedlichen Nutzungsmustern? Frauen sind oft für Sorgearbeit zuständig: Kinder zur Kita bringen, Einkäufe erledigen oder Angehörige betreuen. Männer hingegen sind häufig mit dem Auto auf dem Weg zur Arbeit. Vor vier Jahrzehnten wurde bereits festgestellt, dass Frauen Städte vor allem für reproduktive Arbeit nutzen. Und erstaunlicherweise hat sich seitdem wenig geändert. Diese Ungleichheiten in der Stadtplanung sind nicht nur ein Wuppertaler Phänomen. Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) hat das Thema Geschlechtergerechtigkeit mittlerweile ganz oben auf die Agenda gesetzt. Das Ziel: Gleichstellung von Frauen und Männern im öffentlichen Raum aktiv umsetzen.

Städte für alle

In der Stadtentwicklung sind zahlreiche Herausforderungen zu bewältigen. Vierspurige Straßen mit schmalen Fußwegen, die oft nicht barrierefrei sind, sind nur eine der Hürden. Betroffen sind vor allem Personen, die Sorgearbeit leisten, sowie Fußgänger. Das BMWSB strebt an, lebenswerte und zugängliche Räume zu schaffen und dabei bislang vernachlässigte Perspektiven zu berücksichtigen. Frauen, Kinder, ältere Menschen und pflegende Angehörige müssen in die Planung einbezogen werden. Um dies zu erreichen, wurden Leitlinien für eine faire, inklusive und sorgende Stadt entwickelt, die unter anderem die Sichtbarkeit und Teilhabe im öffentlichen Raum fördern sollen.

Ein weiteres Beispiel für gelungene Stadtplanung ist Wien, das als Vorreiter in Sachen Gender-Mainstreaming gilt. Projekte wie die Seestadt Aspern haben gezeigt, dass es möglich ist, Parks, Spielplätze und Wohnquartiere so zu gestalten, dass sie mehr Sicherheit und Teilhabe bieten. Wien hat sich damit nicht nur einen Namen gemacht, sondern zeigt auch, dass durchdachte Stadtplanung mehr Lebensqualität für alle bedeutet. Hier in Wuppertal gibt es zwar Initiativen, die sich für ein geschlechtergerechtes Stadtbild einsetzen, dennoch bleibt viel zu tun. Die Kritik, dass Stadtplanung oft auf männliche Standards ausgerichtet ist, ist laut und deutlich. Architektin Isabella Rosenkaymer hat diesen Punkt jüngst scharf kritisiert.

Ein Blick in die Zukunft

Es wird spannend zu sehen, wie die Diskussionen über gendergerechte Stadtplanung weitergeführt werden. Das Symposium „Frauengerechte Stadtplanung“ in Berlin wird sicherlich viele interessante Perspektiven hervorbringen. Dunkle Unterführungen und Angsträume wie die an der Greifswalder Straße sind nicht nur ein Wuppertaler, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem. Dabei ist es wichtig, die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Alltag zu berücksichtigen. Frauen, die mehr Sorgearbeit leisten und öffentliche Räume als unsicherer empfinden, müssen auch in der Stadtplanung Gehör finden. Die Konzepte, die bereits in den 1980er Jahren entstanden sind, müssen endlich systematisch umgesetzt werden.

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In Berlin gibt es bereits einige positive Beispiele für gendergerecht gestaltetes Bauen, wie den Letteplatz in Reinickendorf, der durch vielfältige Angebote, gute Beleuchtung und barrierefreie Wege überzeugt. Auch der Maxplatz in Berlin-Mitte zeigt, wie Aufenthaltsmöglichkeiten für ältere Menschen und Spiel- sowie Sportflächen für Kinder geschaffen werden können. Die Idee der „15-Minuten-Stadt“, bei der alle wichtigen Alltagsorte in fußläufiger Nähe liegen, wird in Städten wie Paris und Wien erprobt – und könnte auch für Wuppertal eine interessante Perspektive sein. Hier ist das Potenzial durch ein dichtes ÖPNV-Netz und lebendige Kieze vorhanden, aber aktuell klaffen noch Defizite in der Planung.

Die Herausforderungen sind groß, aber es gibt auch viele engagierte Menschen, die sich für die Belange aller Bürgerinnen und Bürger einsetzen. Die Diskussion über eine gerechtere Stadt für alle Menschen ist längst überfällig. Es bleibt zu hoffen, dass wir in Zukunft in Städten leben, die nicht nur funktional sind, sondern auch die Lebensrealitäten aller Menschen berücksichtigen.

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