Im Krankenhaus Bethanien in Wesel gibt es einen frischen Wind, der die Flure belebt – Mareike Frenck, eine Expertin für Aromapflege, hat ihr neues Wissen und ihre Leidenschaft in die Behandlung von Patient:innen eingebracht. Die Aromapflege, wie sie sie praktiziert, ist mehr als nur eine nette Duftnote; sie setzt auf die Kraft ätherischer Öle, Fettpflanzenöle und Pflanzenwässer, um die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren. Das Ziel? Das Allgemeinbefinden der Patient:innen zu verbessern! Und das kommt nicht von ungefähr, denn Mareike hat eine zweieinhalbjährige Ausbildung an einem spezialisierten Institut in Süddeutschland hinter sich.
Als Stationsleitung der Station BC3 hat sie nicht nur das Ohr für die Anliegen der Patient:innen, sondern bietet auch individuelle Beratungen an. Rund 200 Patient:innen hat sie in diesem Jahr bereits beraten – ein klarer Beweis dafür, dass die Aromapflege auf großes Interesse stößt. Sie erstellt Riechstifte mit beruhigenden Düften, die besonders bei Unruhe oder Übelkeit – wie etwa bei Lavendel und Pfefferminze – helfen können. Und die Anwendung findet nicht nur in der Palliativpflege oder bei frischgebackenen Müttern statt, sondern auch in der Gefäßchirurgie. Hier wird deutlich, wie vielseitig und wertvoll diese Form der Pflege ist.
Aromapflege im Kontext der Forschung
Das Thema Aromatherapie wird auch in der wissenschaftlichen Welt immer mehr beleuchtet. Eine aktuelle Pilotstudie der Charité, veröffentlicht in der Fachzeitschrift „Supportive Care in Cancer“, widmet sich den positiven Effekten der Aromatherapie speziell bei gynäkologischen Krebspatientinnen. Die Annahme, dass ätherische Öle wie Lavendel und Bergamotte nicht nur das Schlafverhalten, sondern auch Unruhe und Angst lindern können, wird durch diese Forschung untermauert. In der Studie erhielten 18 Teilnehmerinnen über vier Wochen hinweg fünf ätherliche Ölprodukte. Die Ergebnisse waren vielversprechend: Beschwerden wie Übelkeit und Schlafstörungen konnten gelindert werden, und das allgemeine Wohlbefinden der Patientinnen verbesserte sich signifikant.
Die Aromatherapie ist also nicht nur eine nette Zusatzbehandlung, sondern zeigt, dass individuelle Anwendungen von ätherlichen Ölen echte Vorteile bringen können. Das ist eine wertvolle Erkenntnis, die auch im Krankenhaus Bethanien an Bedeutung gewinnt. Pflegedirektorin Angelika Linkner und Vorstand Dr. Ralf Engels stehen hinter der Etablierung der Aromapflege und setzen sich dafür ein, dass auf jeder Station eine Person den Grundkurs zur Aromapflege absolviert, um als Multiplikator:in zu fungieren. Eine spannende Entwicklung, die zeigt, wie moderne Pflege und traditionelles Wissen Hand in Hand gehen können.
Die Wissenschaft hinter den Düften
Es ist faszinierend, wie ätherische Öle – die kleinen Wunder der Natur – auf unser zentrales Nervensystem wirken können. Studien belegen, dass bestimmte Inhaltsstoffe wie Linalool und Linalylacetat anxiolytische, spasmolytische und sedative Wirkungen entfalten. Insbesondere Lavendelöl hat sich als entspannend erwiesen, während Zitrusöle stimmungsaufhellende Effekte bieten. Die chemische Struktur dieser Öle spielt dabei eine entscheidende Rolle: Längerkettige Ester wirken beruhigend und angstlösend, während kurzkettige Ester milde spasmolytische Effekte zeigen.
Durch Massagen, Inhalationen oder Streichungen können aromatische Essenzen ihre Wirkung entfalten. Studien belegen, dass individuelle Ölmischungen sogar bei pflegenden Angehörigen die subjektiven Angstwerte senken können. Bergamotteöl hat sich beispielsweise als effektiv bei der Reduktion von Kortisolwerten erwiesen. In der Palliativpflege zeigen Aromamassagen mit Römischer Kamille signifikante Resultate bei der Reduktion von Atem- und Herzfrequenz. Die Forschung zeigt, dass Aromatherapie eine wertvolle Unterstützung für das Wohlbefinden darstellt – und das nicht nur in der Nachsorge.
Die Zukunft der Aromapflege im Krankenhaus Bethanien sieht vielversprechend aus. Mareike Frenck und ihr Team tragen dazu bei, dass diese Form der Pflege weiter an Bedeutung gewinnt. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Kombination aus traditionellem Wissen und modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen weiter entwickelt. Wer weiß, vielleicht bringt die Zukunft noch mehr solcher erfrischenden Ansätze ins Gesundheitswesen.