Heute ist der 18.05.2026 und in Willich tut sich etwas. Die Politik und Verwaltung haben beschlossen, sich intensiv mit dem Schutz von Frauen gegen geschlechtsspezifische und häusliche Gewalt auseinanderzusetzen. Ein Thema, das nicht nur in Willich, sondern im gesamten Kreis Viersen von großer Bedeutung ist. Bürgermeister Christian Pakusch von der CDU hat das Thema auf die Agenda gesetzt und wird beim nächsten Treffen mit den anderen Bürgermeistern die Möglichkeit eines weiteren Frauenhauses in Willich besprechen. Ein Schritt, der überfällig scheint!
Der Haupt- und Finanzausschuss hat bereits in einer Sitzung den Auftrag erteilt, sich mit dieser Thematik näher zu beschäftigen. Auslöser war ein Antrag der Willicher CDU, der die Prüfung eines Frauenhauses in Willich anstoßen wollte. Es ist bemerkenswert, dass das „Gewalthilfegesetz“ des Bundes einen bedarfsgerechten Ausbau der Plätze in Frauenhäusern von 2027 bis 2030 vorsieht. Ab 2032 besteht sogar ein Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung für Betroffene. Die Verwaltung hat hierzu eine Bedarfsberechnung nach der „Istanbul-Konvention“ aus dem Jahr 2017 erstellt. Für Willich ergibt sich ein rechnerischer Bedarf von rund 13 Schutzplätzen, während für den gesamten Kreis Viersen etwa 77 Plätze erforderlich wären. Aktuell gibt es im Kreis lediglich ein Frauenhaus mit 17 Plätzen, das konstant ausgelastet ist – ein Zustand, der kaum tragbar ist.
Handlungsoptionen und Herausforderungen
Die Verwaltung hat drei handlungsfähige Optionen vorgestellt. Eine davon ist die Einrichtung eines eigenen Frauenhauses, was allerdings mit erheblichem organisatorischen, personellen und finanziellen Aufwand verbunden ist. Alternativ könnten „Schutzwohnungen“ geschaffen werden, die zwar kurzfristiger realisierbar wären, allerdings keine durchgehende psychosoziale Betreuung bieten. Eine lokale Beratungsstelle könnte dagegen niedrigschwellige Unterstützung bieten, was sicherlich eine Erleichterung für viele Betroffene darstellen würde.
Paul Schrömbges von der CDU betonte, dass die fehlenden 77 Plätze im Kreis Viersen eine Katastrophe seien. Da kann man ihm nur zustimmen, denn die Notwendigkeit eines solchen Angebots ist mehr als offensichtlich. Unterstützung für diese Meinung kam auch von Lukas Maaßen (SPD), Hannes Zühlsdorff (FDP) und Christian Winterbach (Grüne). Schrömbges stellte klar, dass die CDU nicht unbedingt ein Frauenhaus für Willich fordert, sondern dass die Standorte von Frauenhäusern geheim bleiben sollten. Hier wird deutlich, dass es nicht nur um die Idee an sich geht, sondern auch um die Umsetzung und die damit verbundenen Herausforderungen.
Eine alarmierende Situation
Die Zahlen sind alarmierend: Die Organisation „One Billion Rising“ berichtete, dass allein in den ersten fünf Monaten des Jahres 2023 in Deutschland 47 Frauen und 2 Mädchen getötet wurden. Diese Statistiken sind nicht nur Zahlen – sie sind Schicksale, die hinter jeder Zahl stehen. Es ist unverzichtbar, dass wir als Gesellschaft darauf reagieren und die notwendigen Maßnahmen ergreifen. Ein Frauenhaus oder alternative Schutzangebote wären ein Schritt in die richtige Richtung.
So bleibt die Frage: Wie geht es weiter? Die Diskussion steht im Raum, und es wird spannend sein zu sehen, wie die politischen Entscheidungsträger diese Herausforderung angehen werden. Die Zeit drängt, und die Stimmen, die mehr Schutz und Unterstützung für Frauen und Kinder fordern, werden lauter. Es ist an der Zeit, den Worten Taten folgen zu lassen und den Schutz vor Gewalt ernst zu nehmen.