Am 2. Mai 2026 wird im Heimatverein Altes Stadtarchiv in Viersen eine bemerkenswerte Ausstellung eröffnet, die sich mit der Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinde in dieser Stadt auseinandersetzt. Unter dem Titel „Was geblieben ist“ lädt die Veranstaltung dazu ein, die Spuren jüdischen Lebens im Stadtbild und im kollektiven Gedächtnis zu entdecken. Die Eröffnung beginnt um 16 Uhr und wird vom Bürgermeister Christoph Hopp feierlich eröffnet.

Die Ausstellung ist ein wichtiges Projekt des Vereins für Heimatpflege Viersen und bietet nicht nur historische Einblicke, sondern auch persönliche Schicksale. Die Ursprünge der jüdischen Gemeinde in Viersen reichen bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für die Integration ist die Geschichte des Metzgers Josef Cleffmann, der nicht nur als frühes Mitglied der Viersener Feuerwehr bekannt war, sondern auch als Hornist im Brandfall die Alarmglocken läutete. Ein historischer Feuerwehrhelm von Cleffmann wird in der Ausstellung zu sehen sein.

Eine Reise durch die Geschichte

Die Grundlage dieser Ausstellung bildet das Buch „Spuren – eine Zeitreise durch die Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinde Viersens“ von Beatrix Wolters, die auch die Ausstellung konzipierte. Wolters hat zahlreiche Gegenstände, Fotos und Schriftstücke zusammengetragen, die den Besuchern einen lebendigen Eindruck von der Geschichte und dem Alltag der jüdischen Bürger in Viersen vermitteln. Die Eröffnung wird durch eine Einführung von Beatrix Wolters ergänzt, die die Gäste in das Thema einführt.

Die Ausstellung hat nicht nur historische Bedeutung, sondern soll auch zur Auseinandersetzung mit der lokalen Geschichte anregen. Die Besucher sind eingeladen, die Ausstellung sonntags von 14 bis 16 Uhr zu besuchen, sowie bei besonderen Veranstaltungen und Führungen, die im Verlauf der Ausstellung angeboten werden. Bei der Eröffnung wird es zudem die Möglichkeit geben, bei einem Glas Wein den Abend ausklingen zu lassen und sich mit anderen Gästen auszutauschen.

Einblick in die jüdische Vergangenheit Viersens

Die jüdische Geschichte in Viersen hat ihre Wurzeln tief in der Vergangenheit. Dokumente aus dem 18. Jahrhundert belegen die Existenz von Juden in der Stadt, wobei die erste urkundliche Erwähnung bereits aus dem Jahr 1712 stammt. Im Jahr 1802 gab es wieder Belege für jüdisches Leben, und bis 1812 zählte die Gemeinde bereits 22 Mitglieder. Die jüdische Bevölkerung lebte vor allem in der „Judengasse“ und war im Handel und Gewerbe aktiv. Besonders auffällig ist, dass von 1857 18 der 25 Juden das Metzgerhandwerk ausübten.

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Im Laufe der Jahre erlebte die jüdische Gemeinde in Viersen sowohl Höhen als auch Tiefen. Während des Ersten Weltkriegs engagierten sich die Juden gleichmäßig an der Kriegsanstrengung, doch die Zeit nach der nationalsozialistischen Machtübernahme brachte gewaltsame Ausschreitungen und schließlich Deportationen mit sich. Bis 1942 wurden die letzten Juden aus Viersen nach Theresienstadt deportiert, und nach dem Krieg kehrten nur drei Überlebende zurück.

Die Ausstellung „Was geblieben ist“ bietet somit nicht nur einen wertvollen Rückblick auf die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Viersen, sondern auch einen Anstoß zur Reflexion über die Bedeutung von Erinnerungskultur und Identität in der heutigen Gesellschaft. Das Buch „Spuren – eine Zeitreise durch die Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinde Viersens“ ist ebenfalls erhältlich und bietet auf etwa 400 Seiten eine umfassende Dokumentation dieser wichtigen Thematik, die für 22 Euro im Lädchen des Vereins erworben werden kann.