Am 23. August 2024 erschütterte ein Terroranschlag das Solinger Stadtfest und hinterließ nicht nur Trauer, sondern auch viele Fragen. Drei Menschen verloren ihr Leben, und zehn wurden zum Teil schwer verletzt. Issa al Hasan, ein 28-jähriger Syrer, war der Mann, der mit einem Messer um sich stach. Das Besondere an diesem Anschlag? Er war der erste seiner Art in Deutschland seit der schrecklichen Attacke auf den Weihnachtsmarkt in Berlin im Jahr 2016, zu dem sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannt hatte.
Die Ermittlungen nach dem Anschlag sind alles andere als abgeschlossen. Die Bundesanwaltschaft hat die Fährte von drei mutmaßlichen Unterstützern des Attentäters aufgenommen. Diese drei Kontaktleute hatte al Hasan wenige Wochen vor der Tat in Telegram-Gruppenchats kennengelernt. Es ist erschreckend zu hören, dass einer dieser Kontakte, Abu Faruq al-Jihadi, ein IS-Rekrutierer war – und das, ohne unter Beobachtung zu stehen! In den Chats schien al Hasan die Unterstützung seiner Kontakte für den Anschlagsort einzufordern und kündigte den Angriff sogar einen Tag vorher an. Die Reaktion seiner Unterstützer? Wie die ermittelnde Staatsanwältin berichtet, war sie „sehr positiv“.
Die Rolle der Landesregierung und der Untersuchungsausschuss
Ein weiterer Aspekt, der die Situation rund um den Anschlag noch komplizierter macht, ist die Rolle der Landesregierung. Insbesondere die NRW-Fluchtministerin Josefine Paul, die im Januar 2026 zurücktrat, steht in der Kritik für ihr Krisenmanagement im Nachgang zum Anschlag. Auch Innenminister Herbert Reul (CDU) wird nicht gerade mit Lob überschüttet. Ein Untersuchungsausschuss im Landtag von Nordrhein-Westfalen hat sich bereits formiert, um mögliche Fehler und strukturelle Defizite bei Abschiebungen zu untersuchen. Denn al Hasan hätte, so die EU-Dublin-Regeln, bereits ein Jahr zuvor nach Bulgarien zurückgeführt werden müssen – ein Vorhaben, das kläglich gescheitert ist.
Was die Ermittlungen anbelangt, bleibt es spannend. Details zu den Identitäten der Unterstützer, die al Hasan halfen, werden von den Ermittlern weitgehend geheim gehalten. Berichten zufolge soll einer der Kontaktleute, „Mikhal“, eine Person aus Deir as-Surr sein, während ein anderer, „Anfaq“, Gelder für IS-Mitglieder sammelte. Das wirft Fragen auf, die dringend beantwortet werden müssen.
Die Bedrohung durch den Islamismus in Deutschland
Die Bedrohung durch islamistischen Terrorismus in Deutschland bleibt unvermindert hoch. Laut dem Verfassungsschutz gibt es im Jahr 2024 rund 28.280 Personen mit einem Islamismuspotenzial. Davon sind 9.540 gewaltorientiert. Die Gefährdungslage hat sich dabei besonders nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 weiter verschärft. Jihadistische Organisationen wie der IS und al-Qaida haben ihr Augenmerk verstärkt auf Anschläge im Westen gerichtet. Besonders der IS stellt eine große Bedrohung in Deutschland dar – mit sowohl geschulten Gruppen für komplexe Anschläge als auch Einzeltätern, die einfach nur zuschlagen.
Die Ereignisse in Solingen sind nicht isoliert. Weitere Anschläge in Mannheim und Solingen von mutmaßlichen IS-Sympathisanten haben bereits die Alarmglocken läuten lassen. Mehrere geplante Anschläge konnten glücklicherweise verhindert werden, doch die Gefahr bleibt bestehen. Besonders besorgniserregend ist die zunehmende Radikalisierung von Minderjährigen, die in Europa und Deutschland zu beobachten ist. Einige Jugendliche aus Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg wurden erst kürzlich festgenommen, weil sie Anschläge auf christliche und jüdische Einrichtungen planten.
Die Komplexität und Tragik der Situation um den Terroranschlag in Solingen zeigt uns, wie wichtig es ist, wachsam zu bleiben und die Ursachen des Extremismus anzugehen. Denn der Nahostkonflikt bleibt ein zentraler Agitationspunkt für islamistische Gruppen, die auch in Deutschland ihre ideologischen Fäden ziehen.