In Solingen Stöcken, genauer gesagt in den Bereichen Schrodtberg und Kohlfurt, brodelt es gewaltig. Die Anwohner stehen nicht grundsätzlich gegen die Ansiedelung von Unternehmen, schließlich hat das Gebiet eine lange Geschichte als Heimat für klassische Firmen wie Rasspe. Doch jetzt soll ein 10 Hektar großes Feld zum Gewerbegebiet erklärt werden – und das sorgt für ordentlich Unmut. Karola Pasquay, eine engagierte Anwohnerin, hat eine Demo vor der anstehenden Ratssitzung organisiert. Ihr Ziel? Die Zerstörung der Natur zu verhindern und auf die Bedeutung von Grünflächen aufmerksam zu machen.

Das Bündnis 90/Die Grünen hat bereits eine Petition ins Leben gerufen, die sich gegen neue Gewerbegebiete im Außenbereich richtet, insbesondere in den besagten Gebieten von Schrodtberg, Fürkeltrath II und Piepersberg. Die Online-Petition mit dem vielversprechenden Titel „Versiegelung Solingens stoppen“ hat bereits knapp 1.900 Unterstützer gefunden. Thilo Schnor, der Fraktionssprecher, sieht in diesen Unterschriften ein klares Zeichen: Die Bürger wehren sich gegen den Verlust ihrer Grünflächen.

Ein umstrittener Masterplan

Die SPD hat ihren Kurs geändert und unterstützt nun die Ausweisung neuer Gewerbegebiete. Der „Masterplan Arbeit und Wirtschaft“ soll nicht nur Neuansiedlungen ermöglichen, sondern auch die Vergrößerung bestehender Betriebe fördern. Ein konkreter Interessent für das besagte Feld steht bereits in den Startlöchern, er möchte einen Betrieb mit 50 Mitarbeitern nach Solingen verlagern. Die Pläne scheinen greifbar – doch die Sorgen der Anwohner sind nicht unbegründet. In den letzten 20 Jahren war das Gebiet um Schrodtberg und den alten Sportplatz Stöcken als Gewerbegebiet ausgewiesen, jedoch ungenutzt geblieben. Fast 4,8 Hektar der Fläche werden landwirtschaftlich genutzt, während der ehemalige Sportplatz von etwa 1,1 Hektar seit über 30 Jahren nicht mehr für Sport verwendet wird und sich in einen kleinen Naturraum verwandelt hat.

Umgeben von hohen Bäumen, die zwischen 10 und 20 Meter in den Himmel ragen, wird der Sportplatz zum Lebensraum für zahlreiche Tiere, inklusive Rotwild und verschiedenen Vogelarten. Diese Bäume tragen nicht nur zu einem angenehmen Klima in den angrenzenden Wohngebieten und Gewerbehallen bei, sie sind auch ein wichtiger Bestandteil des Klimaschutzes in Solingen, besonders in Regionen mit Baum- und Schattendefiziten. Die Anwohner und Unterstützer der Petition fordern daher, den geplanten Standort für das Unternehmen zu überdenken und stattdessen verfügbare Industriebrachen zu nutzen.

Kritik an der Ratsentscheidung

Die Entscheidung des Rates, die Ansiedlung eines unbekannten Unternehmens zu fördern, wurde am 3. Juli 2025 getroffen. Dabei wurde gegen die Abmachung verstoßen, zuerst die brachliegenden Gewerbeflächen zu vermarkten. In der Nähe liegt das 6,6 Hektar große Rasspe-Gelände, das einfach nicht berücksichtigt wurde – eine schmerzhafte Pille für die Anwohner. Kritiker der Ratsentscheidung sind sich einig: Schrodtberg wird als ökologisch nicht wertvoll angesehen, und die Entscheidung beruht auf Hörensagen, ohne ausreichende Informationen über den ökologischen Zustand vor Ort. Die Befürchtung wächst, dass die Erschließung des Sportplatzes der Anfang vom Ende für weitere landwirtschaftlich genutzte Flächen sein könnte.

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Unterstützung für die Forderung, die Umwandlung von Natur in Gewerbeflächen zu stoppen, kommt auch aus der Rheinischen Post, die am 23. September 2025 auf den Protest gegen die Umwandlung von Erdbeerfeldern hinweist. Anja Bierwirth vom Wuppertal Institut bringt es auf den Punkt: Unternehmen sollten sich im Bestand ansiedeln, denn der Expansionsgedanke gefährdet sowohl den Flächenschutz als auch die Klimaziele. Städte sollten mehr entsiegeln, als sie neu versiegeln, um sich an den Klimawandel anzupassen – das ist ein Appell, der in Solingen dringend gehört werden sollte.