Die Soester Kirchen stehen vor einer entscheidenden Wende. Am 26. und 27. Juni findet ein Symposium statt, dessen Einladungen bereits verschickt wurden. Hierbei versammeln sich nicht nur Pfarrer Kai Hegemann und Architekt Dirk Pieper, sondern auch Superintendent Dr. Manuel Schilling. Gemeinsam wollen sie neue Nutzungskonzepte für sechs historische Kirchen in Soest entwickeln. Das ist dringend nötig, denn die aktuelle Nutzung ist aufgrund der sinkenden Mitgliederzahlen nicht mehr tragbar. Nur rund 100 Menschen besuchen sonntags die evangelischen Gottesdienste in der Innenstadt. Das weckt Fragen und lässt uns nicht kalt.
Vor zwei Jahren hat der Kirchenkreis Soest-Arnsberg bereits auf die Erhaltungsprobleme hingewiesen. Die Gemeinden sind schlichtweg nicht in der Lage, die Kirchen alleine zu unterhalten. Interessant ist, dass diese Kirchen vor 800 Jahren von der Soester Bürgerschaft errichtet wurden – eine lange Geschichte, die nicht einfach verloren gehen sollte. Superintendent Schilling lehnt alternative Nutzungsmöglichkeiten wie Kletterhallen oder Möbelhäuser ab. Stattdessen haben die Kirchen, jede für sich, ein eigenes Thema erhalten: von sozialer Diakonie in Alt St. Thomä über Bildung und Kultur in Neu St. Thomä bis hin zur Trauerarbeit in der Pauli-Kirche. Hier wird nicht nur über die Vergangenheit nachgedacht, sondern auch über die Zukunft.
Öffentliche Diskussion und neue Perspektiven
Ein Highlight des Symposiums wird die öffentliche Podiumsdiskussion am 27. Juni ab 14:45 Uhr in Neu St. Thomä sein. Dort werden Vertreter der Kirchengemeinden, Dr. Adelheid Ruck-Schröder, Bürgermeister Marcus Schiffer und viele weitere Experten über die Zukunft der Kirchen diskutieren. Spannend wird es zu hören sein, wie Pfarrer Hegemann die Neugestaltung der Kirchen in einem Jahrzehnt sieht. Das klingt nach einer langen Reise, aber vielleicht ist es genau das, was wir brauchen – einen mutigen Aufbruch, der neue Wege eröffnet.
Die Herausforderungen sind nicht neu. Eine Studie des Forschungszentrums Generationenverträge der Albert-Ludwig-Universität Freiburg in Zusammenarbeit mit der EKD prognostiziert, dass sich bis 2060 die Zahl der Kirchenmitglieder und damit auch das Kirchensteueraufkommen halbieren wird. Dies ist der demografische Wandel in seiner reinsten Form – aber auch andere Faktoren wie Tauf-, Austritts- und Aufnahmeverhalten spielen eine Rolle. Die Notwendigkeit, bestehende Strukturen zu überprüfen und die Anzahl der Mitarbeitenden und Kirchengebäude zu reduzieren, wird immer deutlicher. Umso wichtiger ist es, junge Erwachsene mit ansprechenden Angeboten zu erreichen. Vielleicht ist der Ansatz, die Themen der Kirchen an die Bedürfnisse der Menschen anzupassen, genau der richtige Weg.
Die Soester Kirchen sind mehr als nur Gebäude. Sie sind Teil unserer Geschichte, unserer Gemeinschaft. Ein Wandel ist nötig, aber vielleicht kann dieser Wandel auch neue Möglichkeiten eröffnen. Manchmal braucht es einen frischen Wind, um die alten Mauern zum Leben zu erwecken. Und so blicken wir gespannt auf das Symposium und die Ideen, die dort geboren werden. Der Weg ist noch lang, aber er könnte voller Überraschungen sein.