In einem unscheinbaren Garten an der Langen Gasse in Soest haben Archäologen während der Umbauarbeiten eines unter Denkmalschutz stehenden Hauses eine spannende Entdeckung gemacht. Anna und Maximilian Hellmich, die Bauherren, wollten ursprünglich nur ein wenig an ihrem Garten werkeln, doch was sie fanden, war mehr als nur Erde und Steine – sie stießen auf mittelalterliche Mauern, die auf das 14. Jahrhundert datiert werden. Ein echter Glücksgriff, könnte man sagen!
Die Mauern, aus Grünsandstein gefertigt, waren einst Teil eines Kellers. Stadtarchäologin Julia Ricken, die die Ausgrabungen begleitet, vermutet, dass es sich hier um eine wohlhabende Bauherrenfamilie gehandelt hat. Das könnte auch eine Verbindung zum historischen St.-Walburgis-Stift erklären, einem Kloster, das vor 1166 gegründet wurde und das seine Nonnen in Kriegszeiten in einem steinernen Haus innerhalb der Stadtmauern schützte. Ein bisschen wie ein Rückzugsort, könnte man sagen – und das in einer Stadt, die für ihre bewegte Geschichte bekannt ist.
Der Schatten der Soester Fehde
Die Entdeckung wirft auch einen faszinierenden Schatten auf die Geschichte Soests. Die Soester Fehde, die von 1444 bis 1449 tobte, hatte massive Auswirkungen auf die Stadt. Damals kämpfte Soest um seine Freiheit gegen Erzbischof Dietrich von Köln. Der Konflikt brachte Plünderungen und Brandschatzungen mit sich – eine ungemütliche Zeit für die Bewohner. Am 5. Juni 1444 wählte Soest sogar Johann I. von Kleve-Mark als neuen Landesherrn. Ein mutiger Schritt, der aber auch zur Reichsacht von Kaiser Friedrich III. führte. Die Stadt erlangte schlussendlich mehr Freiheiten, verlor jedoch langfristig ihre wirtschaftliche Stärke und wurde zu einer Landstadt.
Das Kloster St. Walburgis, zu dessen historischen Wurzeln die neu entdeckten Mauern möglicherweise gehören, wurde 1447 während der Fehde weitgehend zerstört. Schriftliche Quellen deuten darauf hin, dass das Haus, in dem die Mauern entdeckt wurden, genau an der Stelle lag, die im Zusammenhang mit dem Kloster steht. Ein kleiner Teil von Soests Geschichte, der nun wieder ans Licht kommt! Und was die Bauherren betrifft – trotz der Verzögerungen und der zusätzlichen Kosten sind Anna und Maximilian Hellmich begeistert von ihren Funden.
Die Rolle der Stadtarchäologie
Soest hat eine lange Tradition in der Archäologie, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Die Stadtarchäologie wurde 1990 unter Walter Melzer etabliert und hat seitdem zahlreiche bedeutende Fundstätten erschlossen. Darunter auch das merowingerzeitliche Gräberfeld am Lübecker Ring und die jungsteinzeitliche Siedlung der Rössener Kultur. Diese Ausgrabungen bieten nicht nur einen Blick in die Vergangenheit, sondern auch in die Entwicklung der Stadt. Die jüngsten Funde im Garten der Hellmichs sind ein weiteres Puzzlestück, das dazu beiträgt, die Geschichte Soests lebendig zu halten.
Die Grabungsleiter Tristan Altenhoff und sein Team sind auf der Suche nach interessierten Grabungshelfern. Wer also Lust hat, ein Stück Geschichte mitzugestalten, kann sich bei der Stadtarchäologie melden. Es ist eine Gelegenheit, die Vergangenheit hautnah zu erleben – und vielleicht ein Stück Geschichte in den Händen zu halten. Wer weiß, was noch ans Licht kommt, während die Stadtarchäologie weiterhin das verborgene Erbe Soests erforscht?