Am 2. Juni 2026 war es endlich soweit: Das Museum Wilhelm Morgner in Soest feierte sein 10-jähriges Bestehen! Bei strömendem Regen und einem Gewitter, das die Luft aufzuladen schien, strömten Kunstliebhaber in die Hallen des Museums. Man könnte sagen, trotz der Widrigkeiten war das Fest ein voller Erfolg. Es gab viel zu entdecken – Ausstellungen, Vorträge und eine Menge Kuchen, Würstchen und Getränke. Wer hätte gedacht, dass ein solches Fest selbst bei schlechtem Wetter so einladend sein kann?
Thomas Drebusch, Designer und Vorsitzender des Museums-Fördervereins, eröffnete die Feierlichkeiten mit einem Rückblick auf den „Soester Kunststreit“ von 1969, der für die Vergabe des Wilhelm-Morgner-Preises an die Künstlerin Renate Weh von Bedeutung war. Ihre Ausstellung war an diesem Tag ein echtes Highlight. Eine Künstlerin, die in der internationalen Kunstszene bekannt war, aber leider auch mit den Herausforderungen der 60er-Jahre konfrontiert wurde. Sexistische Diskriminierung ließ sie Mitte der 70er-Jahre ihre künstlerische Tätigkeit aufgeben. Wenn man bedenkt, wie oft solche Geschichten in der Kunstgeschichte unter den Tisch fallen, ist es umso wichtiger, dass wir darüber reden.
Ein Blick auf Renate Weh
Elke Gruhn, Kuratorin und Autorin eines Buches über Renate Weh, hielt einen bewegenden Vortrag über die Künstlerin und die Schwierigkeiten, mit denen Frauen in der Kunstwelt zu kämpfen hatten. Man spürte, dass ihre Worte die Zuhörer berührten. Renate Weh war nicht nur eine talentierte Künstlerin, sondern auch ein Symbol für all die Frauen, die oft im Schatten ihrer männlichen Kollegen standen. Diese Diskrepanz in der Kunstgeschichte ist ein Thema, das auch Ingrid Pfeiffer, Kunsthistorikerin und Kuratorin an der Schirn-Kunsthalle in Frankfurt, eindringlich behandelt. Sie hat sich intensiv mit dem Beitrag von Frauen in der Kunst beschäftigt und plant eine umfassende Ausstellung, die die Rolle von Künstlerinnen über die Jahrhunderte hinweg beleuchten soll. Ein Vorhaben, das in der Kunstszene sicher auf großes Interesse stoßen wird.
Das Museum selbst, ein von Architekt Rainer Schell 1962 entworfener Mehrzweckbau, wurde vor zehn Jahren nach einem Umbau ausschließlich der bildenden Kunst gewidmet. Es ist beeindruckend zu sehen, wie Orte wie dieses Museum nicht nur Kunst präsentieren, sondern auch das Gespräch über Kunst und die damit verbundenen Themen fördern. Bürgermeister Marcus Schiffer ermutigte die Besucher, den Tag in den Ausstellungen zu verbringen, und das taten sie auch – die Räume waren gefüllt mit lebhaften Diskussionen und neugierigen Augen.
Perspektiven der Kunstszene
Eine Diskussionsrunde mit Kunstmanagern und -förderern bot frische Perspektiven auf das Museum und die Rolle der Kunst in der Gesellschaft. Selbst bei Gewitter und dem Ausfall der beliebten Hüpfburg – die Kinder mussten das wohl als Schicksal hinnehmen – war die Stimmung ausgelassen. Die Ausstellungen „I’m Calling“ und „Experiment ´69“ wurden gleichzeitig eröffnet und zogen viele Interessierte an. Es ist schon faszinierend, wie Kunst Menschen zusammenbringt, egal wie das Wetter ist. An solchen Tagen zeigt sich, dass die Liebe zur Kunst ein starkes Band knüpfen kann.
Der Tag im Museum Wilhelm Morgner war nicht nur eine Feier des Bestehens, sondern auch ein Schritt in die Zukunft. Es ist ein Ort, der nicht nur die Werke großer Künstler zeigt, sondern auch die Geschichten der Menschen dahinter erzählt. Und während wir über Renate Weh und ihre Herausforderungen sprechen, dürfen wir nicht vergessen, dass es auch heute noch viele Künstlerinnen gibt, deren Geschichten erzählt werden müssen. Wie Ingrid Pfeiffer feststellt, gibt es seit der Antike Kunst von Frauen – und es ist an der Zeit, diese Stimmen zu hören und zu würdigen.