Im Rhein-Sieg-Kreis wird Integration großgeschrieben. Die Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte (MBE) spielt eine zentrale Rolle dabei, Menschen wie Helda Kakos und ihre Familie auf ihrem Weg in ein neues Leben in Deutschland zu unterstützen. Helda kam 2002 mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern aus dem Irak nach Deutschland. In Dortmund angekommen, wurde ihre Familie nach Niederkassel zugewiesen. Die ersten Monate waren geprägt von Herausforderungen, insbesondere durch Sprachbarrieren und die Kälte des Winters. Doch der evangelische Pfarrer Christoph Eidmann ließ nicht locker und informierte die Familie über die verschiedenen Beratungsmöglichkeiten für Migranten.

Dank der Migrationsberatung konnte Helda Kakos Sprachkurse finden, einschließlich eines Integrationskurses, der eine Kinderbetreuung bot. Nach den abendlichen Routinearbeiten konnte sie sich in die deutsche Sprache vertiefen und so die ersten Schritte in die Gesellschaft wagen. Die Migrationsberatung im Rhein-Sieg-Kreis, die seit 20 Jahren existiert, wird von der Diakonie an Sieg und Rhein, der Kurdischen Gemeinschaft Rhein-Sieg und Bonn sowie dem Caritasverband Rhein-Sieg getragen. Ihr Ziel ist es, die Eigenständigkeit der Migranten zu fördern, Zukunftsperspektiven zu schaffen und die gesellschaftliche Teilhabe zu stärken.

Vielfalt der Klienten und Herausforderungen

Die Klienten der Migrationsberatung kommen aus verschiedenen Ländern, darunter Syrien, Afghanistan, die Ukraine, Irak, Iran und die Türkei. Die Themen, die in der Beratung behandelt werden, sind vielfältig: Arbeit, Ausbildung, Wohnraumsicherung, Lebensunterhalt, Integrationskurse und gesundheitliche Fragen stehen auf der Agenda. Helda Kakos und ihr Ehemann haben mittlerweile selbst die Seiten gewechselt und engagieren sich aktiv in der Geflüchtetenhilfe, indem sie Interkultur-Cafés in Niederkassel betreuen. Hier unterstützen sie andere Migranten, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen.

Ein weiteres Beispiel ist Mohammed Becar, der 2023 mit seiner Familie aus Syrien nach Deutschland kam. Er hebt die Bedeutung der Migrationsberatung hervor und hat bereits einen Integrationskurs mit dem Sprachlevel B1 abgeschlossen. Sein Ziel ist es, als Busfahrer zu arbeiten. Jinda Zelal Ataman von der Kurdischen Gemeinschaft beschreibt die Lebenslagen der Klienten als komplex und herausfordernd, was das Engagement der Migrationsberatung umso wichtiger macht.

Integrationskurse und rechtliche Rahmenbedingungen

Die Integrationskurse, die von der Migrationsberatung vermittelt werden, setzen sich aus einem Sprachkurs und einem Orientierungskurs zusammen. Letzterer vermittelt grundlegendes Wissen über die deutsche Rechtsordnung, Geschichte und Kultur. Laut § 44 Abs. 1 AufenthG haben anerkannte Schutzberechtigte Anspruch auf eine einmalige Teilnahme an einem Integrationskurs. Bestimmte Personengruppen, die eine Aufenthaltserlaubnis zu Erwerbszwecken haben, können ebenfalls an diesen Kursen teilnehmen.

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Allerdings wird es ab 2026 nicht mehr möglich sein, dass weitere Personen, wie etwa Asylbewerber, Duldungsempfänger oder aus der Ukraine geflüchtete Personen, im Rahmen verfügbarer Kursplätze zu Integrationskursen zugelassen werden. Für diejenigen, die keinen Anspruch auf Teilnahme haben, besteht die Möglichkeit, als Selbstzahlende in die Kurse aufgenommen zu werden. Das Aufenthaltsgesetz regelt zudem eine Verpflichtung zur Teilnahme, insbesondere bei noch zu erwerbenden Deutschkenntnissen oder „besonderem Integrationsbedarf“.

Die Finanzierung der Migrationsberatung ist jedoch aktuell unsicher, was die Kontinuität der Beratung gefährdet. Das Beratungsprogramm wird durch das Bundesministerium des Inneren gefördert, wobei die Mittel vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bewilligt werden. Es bleibt zu hoffen, dass die wertvolle Arbeit der Migrationsberatung auch in Zukunft gesichert werden kann, um den vielen Menschen, die in den Rhein-Sieg-Kreis kommen, eine Perspektive zu bieten.