Die Situation im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) wird zunehmend angespannt. Seit Jahren erleben wir einen besorgniserregenden Anstieg von Gewaltvorfällen, die sich vor allem gegen das Service- und Kontrollpersonal richten. Im Jahr 2022 wurden laut den Daten der Deutschen Bahn mehr als 3000 Mitarbeitende angegriffen. Das Statistische Bundesamt bestätigt diesen Trend und zeigt einen kontinuierlichen Anstieg von Gewaltdelikten. Diese alarmierenden Zahlen werfen ein grelles Licht auf die Herausforderungen, vor denen das Personal im ÖPNV steht.
Ein Großteil der Beschäftigten ist aufgrund der Gewaltübergriffe so verunsichert, dass viele über einen Berufswechsel nachdenken. Eine Sicherheitsumfrage der Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaft ergab, dass fast ein Drittel der Befragten mit dem Gedanken spielt, die Branche zu verlassen. Zwei Drittel fühlen sich im Job unsicher – jeder Zweite hat in der Vergangenheit körperliche Angriffe erlebt. Die Situation ist brisant: Ganze 85 Prozent der rund 4000 Befragten berichten von verbalen Übergriffen. Ein erschreckendes Bild, das dringend nach Lösungen verlangt.
Schutzmaßnahmen und Schulungen
Um den Mitarbeitenden im ÖPNV einen gewissen Schutz zu bieten, sind Schulungen in deeskalierender Kommunikation und Selbstschutz unerlässlich. Viele Unternehmen, wie die RSVG, setzen mittlerweile auf externes Kontrollpersonal, weil die eigenen Angestellten nicht ausreichend geschult sind. Zudem wird in RSVG-Fahrzeugen auf den Einsatz von Waffen oder Kameras durch das Kontrollpersonal verzichtet, was die Situation nicht unbedingt einfacher macht. Die Einführung von Bodycams hat jedoch in einigen Fällen bereits zu einer spürbaren Reduktion tätlicher Angriffe geführt.
Die RVK hat 2023 Bodycam-Westen eingeführt, die Vorgänge datenschutzkonform aufzeichnen. Zudem werden die Mitarbeitenden regelmäßig in Deeskalation und Selbstverteidigung geschult. Ein Schritt in die richtige Richtung, könnte man meinen! Die Stadtwerke Bonn verzeichnen ebenfalls eine konstant hohe Zahl an Gewaltvorfällen – im Jahr 2024 wurden 27 Vorfälle gemeldet, während es 2023 insgesamt 26 waren. Die SWB hingegen informiert bei Übergriffen sofort die Leitstelle, die umgehend die Polizei benachrichtigt. Alle Busse und Bahnen sind zudem mit Kameras ausgestattet, um die Sicherheit zu erhöhen.
Gesellschaftlicher Druck und weitere Herausforderungen
Die steigende Gewalt im öffentlichen Sektor ist nicht nur ein Problem für den ÖPNV. Eine Studie zur Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst zeigt alarmierende Zahlen: Jeder vierte Mitarbeitende hat Gewalt erlebt, jeder achte sogar mehrfach innerhalb eines Jahres. Besonders betroffen sind Polizei, Ordnungsämter und Justizvollzug. Der gesellschaftliche Druck – ausgelöst durch die Pandemie, Inflation und sogar den Krieg in Europa – trägt zur erhöhten Gewaltbereitschaft bei. Die Statistiken sprechen eine deutliche Sprache. 126.349 Frauen wurden Opfer häuslicher Gewalt, und über 96.000 Polizeibeamte erlitten Verletzungen im Dienst.
In Zeiten wie diesen sind Deeskalationsstrategien wichtiger denn je. Vorträge und Schulungen bieten wertvolle Ansätze, um Mitarbeitende besser zu schützen. Inhalte wie Körpersprache zur Gefahreneinschätzung, gewaltfreie Kommunikation und Nachsorge sind Teil des Programms. Ronald Mikkeleitis, ein erfahrener Referent, bietet praxisnahe Vorträge an, um den Teilnehmenden das nötige Rüstzeug mit auf den Weg zu geben. Diese Initiativen sind ein Lichtblick, um den Mitarbeitenden im ÖPNV ein sicheres Gefühl zurückzugeben und die stetig wachsende Gewalt in den Griff zu bekommen.