Im Rhein-Sieg-Kreis tut sich etwas Wundervolles – ein Lichtblick in dunklen Zeiten. Der Verein Glücksfaden, unter der Leitung von Kerstin Çebe, bringt Hoffnung und Trost für Eltern von Frühchen und Sternenkindern. In einer Welt, in der das Thema Tod und Trauer oft als Tabu gilt, engagiert sich Çebe mit Herzblut für die kleinen Seelen, die viel zu früh gehen mussten.
Kleider für Neugeborene beginnen oft erst ab Größe 38, was für viele Frühchen und Sternenkinder einfach zu groß ist. Das ist nicht nur eine Zahl – es ist ein echtes Problem, das viele Eltern vor eine große Herausforderung stellt. Manchmal benötigen die kleinsten Wesen sogar Kleidung in Größe 32, die einfach nicht erhältlich ist. Hier kommt der Verein ins Spiel: Kerstin Çebe hat selbst ein Sternenkind zu Welt gebracht und weiß, wie wichtig es ist, diesen kleinen Wesen einen würdevollen Abschied zu bereiten. Ihre Arbeit bringt nicht nur praktische Lösungen, sondern auch emotionale Unterstützung.
Ein kreatives Handwerk mit Herz
Der größte Abnehmer ihrer handgenähten Kleidungsstücke ist die Frühchenstation der Asklepios-Kinderklinik in Sankt Augustin. Mit über 100 Mitgliedern, die aus dem Rhein-Sieg-Kreis und ganz Deutschland stammen, hat der Verein ein starkes Netzwerk aufgebaut. Auch wenn nicht alle Mitglieder aktiv für Sternenkinder nähen – das ist schließlich ein sehr emotionales Thema – so wird das Handwerk von vielen geschätzt. Çebe bezieht die Eltern aktiv in den Nähprozess ein und achtet dabei auf Farben und Materialien, die den Bedürfnissen der kleinen Seelen gerecht werden. Jedes Stück ist nicht nur Kleidung, es ist ein Symbol für wichtige Lebensereignisse, die oft zu kurz gekommen sind.
„Die Haut von Sternenkindern ist sehr empfindlich“, sagt Çebe und verwendet deshalb ausschließlich hochwertige Materialien. Ihre Kleidungsstücke sind die letzten, die ein Kind tragen wird. Eltern wünschen sich, ihr verstorbenes Kind warm und behütet zu sehen, und diese liebevoll genähten Outfits erfüllen genau diesen Wunsch. Oft werden kleine Sternenkinder in Schlafsäcken oder Einschlagtüchern gewickelt – eine sanfte Umarmung für den letzten Weg. Ein Körbchen für die Kleinen hilft den Eltern, sich behutsam ihrem Kind zu nähern und Abschied zu nehmen.
Ein Prozess voller Emotionen
Çebe beschreibt ihre Arbeit als eine Art Therapie. Auch wenn sie dabei alte Wunden aufreißt, spürt sie die Bedeutung jeder Naht. Rückmeldungen von Eltern zeigen, wie sehr diese Kleidung geschätzt wird. Sie berichten von einem Gefühl der Verbundenheit, das durch die liebevoll gestalteten Kleidungsstücke entsteht. „Es ist wichtig, dass wir über den Tod sprechen“, meint sie. In der Gesellschaft wird oft gemieden, was schmerzlich ist. Zu oft hören betroffene Eltern aufmunternde Sätze wie „Zeit heilt alle Wunden“, die wenig Trost spenden. Aufrichtiges, wertungsfreies Mitgefühl wird hingegen als hilfreicher empfunden – ein kleiner Lichtstrahl in der dunklen Zeit.
Die Finanzierung des Vereins erfolgt durch Geld- und Sachspenden, insbesondere durch Stoffe. Çebe investiert mehr Zeit in ihre ehrenamtliche Tätigkeit als in einen Vollzeitjob. Ihren früheren Beruf in der Gastronomie hat sie aufgegeben, um sich um ihre Tochter mit besonderen Bedürfnissen zu kümmern. Und der Einsatz lohnt sich: Der Verein bietet Eltern von Frühchen eine komplette Erstausstattung, die nur die Versandkosten kostet. Outfits für Sternenkinder werden sogar kostenlos angefertigt, inklusive Versand.
Der Weg zu einem würdevollen Abschied
In einer Welt, in der Trauer oft allein getragen wird, setzen sich viele Ehrenamtliche, wie die Mitglieder von Glücksfaden, für einen würdevollen Umgang mit Sternenkindern ein. Sie schaffen Erinnerungsstücke, die Eltern bei sich behalten können, selbst wenn das Kind nicht mehr bei ihnen ist. Kliniken können kostenlos Kleidung und Ausstattung für Sternenkinder bestellen – ein wichtiger Schritt, um den Eltern den Abschied zu erleichtern.
In diesem Sinne gibt es auch zahlreiche andere Initiativen, die sich in diesem Bereich engagieren, wie der Verein Sternenzauber & Frühchenwunder, der regelmäßig Kreativtreffen veranstaltet. Diese Treffen bieten eine Plattform für den Austausch von Erfahrungen und die Schaffung neuer Kleidungsstücke, die so dringend benötigt werden. In einer Gesellschaft, die oft Schwierigkeiten hat, über den Tod zu sprechen, sind solche Initiativen unbezahlbar.
Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Trauer ein individueller Prozess ist. Jeder Mensch verarbeitet den Verlust auf seine eigene Weise. Unterstützung durch Freunde und Familie, sei es durch praktische Hilfe oder einfach nur durch das Angebot, gemeinsam das Grab des Kindes zu besuchen, kann den Eltern helfen, ihren eigenen Weg zu finden. Der Verein Glücksfaden ist ein Beispiel dafür, wie Gemeinschaft und Mitgefühl in schweren Zeiten einen Unterschied machen können. Hier wird aus Schmerz Hoffnung geschaffen – und das ist etwas, das wir alle brauchen können.