In der Stadt Hürth, im Rhein-Erft-Kreis, gibt es aktuell keinen Anlass zur Freude für die Verkehrssicherheitsaktivisten. An der Kreuzung Frechener Straße/Theresienhöhe wird vorerst kein Ampelblitzer zur Überwachung von Rotlichtverstößen installiert. Der Rhein-Erft-Kreis hat den Antrag auf eine solche Maßnahme abgelehnt. Diese Entscheidung kommt nach einem tragischen Verkehrsunfall im Juni, bei dem die zehnjährige Schülerin Avin und ihr 25-jähriger Schulbegleiter Luis von einem Auto erfasst wurden und später im Krankenhaus starben. Der Fahrer des Fahrzeugs, ein 20-Jähriger, soll bei Rot über die Ampel gefahren sein und wird sich ab Mitte Mai vor dem Landgericht Köln wegen fahrlässiger Tötung verantworten müssen.
Der tödliche Unfall hat eine Welle der Betroffenheit ausgelöst. Mehr als 10.000 Menschen unterstützten eine Online-Petition, die sich für die Verbesserung der Verkehrssicherheit einsetzt, insbesondere für die Einführung von Tempo 30 auf der Frechener Straße. Als direkte Konsequenz aus diesem Vorfall beantragte die Stadt Hürth eine automatische Rotlichtüberwachung. Doch Landrat Frank Rock lehnte diesen Antrag in einem Schreiben an Bürgermeister Dirk Breuer ab, da er keine rechtliche Grundlage für die Einrichtung sah. Weder die Unfallkommission noch ein Sicherheitsaudit empfahlen die Maßnahme. Stattdessen schlägt das Sicherheitsaudit andere Wege zur Verbesserung der Verkehrssicherheit vor, wie etwa die Einführung von Tempo 50 in bestimmten Abschnitten sowie eine Anpassung der Ampelschaltung an der Theresienhöhe.
Verkehrssicherheit im Fokus
Im Ausschuss für Planung, Umwelt und Verkehr, der am 28. April tagt, wird das Thema erneut behandelt. Neben der Diskussion über die abgelehnten Rotlichtblitzer wird auch die mögliche Ausweitung der Tempo-50-Regelung auf einen längeren Abschnitt der Frechener Straße erörtert. Die Stadtverwaltung hält diese Ausweitung jedoch für rechtlich nicht umsetzbar, da die Voraussetzungen laut Straßenverkehrsordnung nicht erfüllt sind. Die Verwaltung empfiehlt daher, dem Antrag nicht zu folgen.
Doch was würde ein Ampelblitzer überhaupt bewirken? Laut dem ADAC können Rotlichtverstöße hohe Bußgelder nach sich ziehen. Überfährt ein Fahrzeugführer eine rote Ampel, die länger als eine Sekunde rot war, muss er mit Bußgeldern zwischen 90 und 360 Euro rechnen. Zusätzlich kann es zu einem einmonatigen Fahrverbot kommen. Ampelblitzer nutzen verschiedene Technologien, wie Induktionsschleifen in der Fahrbahn und Kameras, um Verstöße zu dokumentieren. Bei Überfahren der Haltelinie wird ein erstes Foto gemacht, bei dem Überfahren der zweiten Induktionsschleife ein weiteres, das den Rotlichtverstoß festhält.
Ein Blick auf die bundesweite Situation
Ein Blick auf die bundesweite Verkehrssituation zeigt, dass das Thema Rotlichtverstöße von großer Bedeutung ist. Im Jahr 2023 verzeichnete das Kraftfahrtbundesamt insgesamt 327.230 Rotlichtverstöße, die zu rund 10.000 Verletzten oder Toten führten. Der ADAC führte eine Untersuchung in mehreren Großstädten durch und stellte fest, dass E-Scooter-Fahrer rote Ampeln am häufigsten missachten. Trotz möglicher Sanktionen ignorieren viele Verkehrsteilnehmer das Rotlicht. Dies zeigt, wie dringend Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit erforderlich sind.
Das Projekt „Ampel der Zukunft“ könnte hier eine Lösung bieten, indem es Einsatzfahrzeuge priorisiert und die Grünphasen für Fußgänger und Radfahrer optimiert. Der ADAC empfiehlt zudem, rote Ampeln zu beachten und ein Vorbild für Kinder zu sein. Denn letztlich liegt es an jedem Einzelnen, Verantwortung im Straßenverkehr zu übernehmen und die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten.