Heute ist der 4.06.2026. In Paderborn gibt es derzeit einen regelrechten Schatz zu entdecken – und das in einem Ort, wo man das eigentlich nicht vermuten würde: in einer mittelalterlichen Latrine! Ja, du hast richtig gehört. Archäologen haben während der Bauarbeiten zum Neubau der Stadtverwaltung ein gut erhaltenes Notizbuch aus dem 13. bis 14. Jahrhundert gefunden. So etwas sieht man nicht alle Tage! Das Notizbuch, welches aus Leder, Holz und Wachs besteht, wird momentan in Münster restauriert und konserviert. Der Geruch, der dabei aufkam, war zwar nicht der angenehmste – aber hey, was tut man nicht für die Geschichte?
Das Notizbuch hat zehn Seiten, von denen acht doppelseitig beschrieben sind. Es ist in einer kleinen Ledertasche mit Deckel verpackt – sozusagen das mittelalterliche Pendant zur modernen Handtasche. Der Text wurde mit einem Griffel in Wachs geschrieben und hat die Jahrhunderte überstanden, als wäre er erst gestern verfasst worden. Barbara Rüschoff-Parzinger, die LWL-Kulturdezernentin, hat sogar erklärt, dass dieser Fund der einzige seiner Art in Nordrhein-Westfalen (NRW) ist. Vergleichbare Funde gibt es zwar in Lübeck und Lüneburg, aber nie zuvor wurde ein komplettes Buch gefunden.
Ein Blick in die Vergangenheit
Die Ausgrabungen, die vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) durchgeführt werden, zeigen deutlich, dass Latrinen oft als wahre Schatzkammern fungieren. Hier wurden nicht nur die Überreste von Nahrungsmitteln, sondern auch wertvolle Gegenstände wie Stoffreste, Gefäße oder sogar Messer gefunden. Das Notizbuch könnte einem gebildeten Bürger gehört haben – schließlich konnten im Mittelalter nur wenige Menschen lesen und schreiben. Der Einband mit eingeprägten Lilien deutet darauf hin, dass sein Besitzer wohlhabend war. Viele Experten vermuten, dass es sich um einen Kaufmann handelt.
Doch wie ist das Notizbuch eigentlich in die Latrine gelangt? Das bleibt vorerst ein Rätsel. Es gibt die Theorie, dass der Besitzer es vielleicht in seiner Eile, einen anderen Ort aufzusuchen, einfach dort gelassen hat oder dass es aus anderen Gründen dorthin gelangte. Die Entzifferung des Textes wird ein spannendes Unterfangen – ein aufwändiges Verfahren, das den Archäologen viel Geduld abverlangen wird.
Ein einzigartiger Fund
Die erste, die das Notizbuch zu Gesicht bekam, war LWL-Restauratorin Susanne Bretzel. Bei der Reinigung in der Restaurierungswerkstatt stellte sich der gute Zustand des Notizbuchs heraus. Der äußere Teil musste lediglich gereinigt werden, während die Innenseiten durch die enge Bindung sauber blieben. Einfach erstaunlich, wie die feuchte und luftdichte Umgebung der Latrine zur Erhaltung dieses historischen Artefakts beigetragen hat. Man könnte fast sagen, dass die Latrine ein Glücksgriff für die Geschichte war.
Nun bleibt nur zu hoffen, dass die Entschlüsselung des Textes bald gelingt und wir mehr über das Leben und die Gedanken des damaligen Besitzers erfahren können. Möglicherweise erwartet uns ein faszinierender Einblick in die Denkweise und alltäglichen Herausforderungen eines Menschen des Mittelalters. Wer weiß, vielleicht gibt es sogar eine kleine Liebesgeschichte, die darauf wartet, erzählt zu werden. Die Zeit wird es zeigen.