Im Oberbergischen Kreis wird ein Thema behandelt, das viele von uns berührt, oft aber im Verborgenen bleibt: Schulabsentismus. Zu einer Veranstaltung, die genau dieses Thema aufgreift, haben die Schulpsychologische Beratungsstelle und das Schulreferat des Kirchenkreises an der Agger eingeladen. Rund 60 Vertreterinnen und Vertreter der Schulen kamen zusammen, um sich über die verschiedenen Facetten des Schulfehlens auszutauschen. Dabei geht es nicht nur um Schulangst oder das lästige Schwänzen – Schulabsentismus hat viele Gesichter und die Ursachen sind oft vielschichtig.

Das Problem, so wurde festgestellt, beginnt schleichend. Einmal nicht kommen, dann wieder – und ehe man sich versieht, hat sich ein dauerhaftes Vermeidungsverhalten etabliert. Schätzungen sprechen von 5-10% der Schüler in Deutschland, die regelmäßig dem Unterricht fernbleiben. Alarmierend ist der Anstieg der Schulabsentismusfälle in den letzten zehn Jahren, wie die Caritas berichtet. Die Veranstaltung zielte darauf ab, einen Überblick über Handlungsaspekte und Unterstützungsmöglichkeiten zu geben.

Ursachen und Dynamiken verstehen

Die Diskussionen zeigten deutlich, wie wichtig es ist, die Ursachen für Schulabsentismus zu erforschen. Angstbedingtes Fehlen steht hier ebenso im Raum wie nicht-angstbedingtes, wie das Schulschwänzen. Das Schleswig-holsteinische Bildungsministerium hat eine Studie in Auftrag gegeben, die die Situation in 186 Schulen untersucht. Erste Ergebnisse zeigen, dass fast jede zweite Neuntklässlerin und jeder zweite Neuntklässler im letzten Schulhalbjahr an mindestens 11 Tagen gefehlt hat. Besonders besorgniserregend sind die 8%, die mehr als 40 Tage nicht in die Schule gingen. Hier wird deutlich: Es gibt Handlungsbedarf!

Die Ursachen sind oft komplex – individuelle Faktoren wie Lernschwierigkeiten, soziale Ängste oder Mobbing spielen eine Rolle. Auch familiäre Umstände, wie mangelnde Unterstützung oder übermäßiger Leistungsdruck, tragen zur Problematik bei. Und dann sind da noch die schulischen Rahmenbedingungen: Über- oder Unterforderung, negative Beziehungen zu Lehrkräften oder unattraktive Lerninhalte können ebenfalls dazu führen, dass Schüler sich vom Unterricht abwenden.

Unterstützungsmöglichkeiten und Netzwerke

In der Veranstaltung herrschte Einigkeit darüber, dass schnelles Handeln notwendig ist. Im Oberbergischen Kreis gibt es bereits ein weitreichendes Netzwerk von Einrichtungen, die Unterstützung bei Schulabsentismus bieten. Eltern können sich beispielsweise an die Schulpsychologische Beratungsstelle des Oberbergischen Kreises wenden. Auch „Der Baumhof“ in Gummersbach, die „Herbstmühle“ in Wipperfürth oder das „Haus für Alle“ in Waldbröl stehen bereit, um zu helfen.

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Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Unterstützungsangebote wie Schulsozialarbeit, Erziehungs- und Familienberatungsstellen sowie den kinder- und jugendärztlichen Dienst. Auch Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie und die Jugendämter sind wichtige Anlaufstellen. Es wird klar, dass eine gute Vernetzung aller Beteiligten entscheidend ist, um betroffenen Schülern und ihren Familien die notwendige Hilfe zukommen zu lassen.

Die Herausforderungen sind groß, doch die Erkenntnisse aus der Veranstaltung und den Studien geben Hoffnung. Mit einem klaren Fokus auf die Ursachenforschung und individuelle Unterstützung können wir gemeinsam daran arbeiten, Schulabsentismus zu bekämpfen und jungen Menschen eine bessere Perspektive zu bieten. Bildung ist schließlich eine essentielle Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft. Und wer möchte nicht, dass unsere Kinder und Jugendlichen diese Chance ergreifen können?