Im Oberbergischen Kreis hat die Frauen Union Oberberg eine spannende Veranstaltung ins Leben gerufen, die sich mit einem Thema beschäftigt, das so viele Frauen betrifft: finanzielle Sicherheit. Unter dem Titel „Zukunft ohne finanzielle Sorgen – was Frauen heute brauchen“ fand diese wichtige Zusammenkunft im Innovation Hub Gummersbach statt. Es war nicht einfach nur ein Event, sondern der Abschluss einer ganzen Reihe von Formaten, die sich mit der finanziellen Power für Frauen auseinandergesetzt haben. Vorangegangene Online-Formate hatten bereits Themen wie Vorsorge, Vermögensaufbau und die Herausforderungen bei Trennungen behandelt. Hier ging es um viel mehr als nur Zahlen und Statistiken – es ging um die Zukunft.

Die Keynote hielt die Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Sigrid Leitner, die eindringlich über die finanzielle Absicherung von Care-Arbeit referierte. Es war eine wirklich aufschlussreiche Stunde, in der man spüren konnte, wie wichtig diese Themen sind. In der anschließenden Talkrunde mit Dr. Carsten Brodesser, dem CDU-Bundestagsmitglied, Dr. Dagmar Wirthmann von der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach und der Wirtschaftspsychologin Caroline Terberger, wurde klar, dass es nicht nur um individuelle Verantwortung geht. Es ist auch eine Frage der gesellschaftlichen Strukturen und des politischen Handlungsbedarfs. Nicole Breidenbach, die Kreisvorsitzende der Frauen Union Oberberg, und Patricia Haarmann moderierten die Diskussion und schafften es, die Anwesenden zum Nachdenken zu bringen.

Finanzielle Bildung ist nicht genug

Ein zentrales Thema war die Sorgearbeit von Frauen. Breidenbach betonte, dass finanzielle Bildung und Eigenverantwortung allein nicht ausreichen, wenn die Rahmenbedingungen ungünstig sind. Denn Frauen in Deutschland beziehen im Schnitt rund 25% weniger Alterseinkünfte als Männer. Das ist nicht einfach nur eine Zahl, das bedeutet, dass über 60% der Menschen im Rentenalter, die unter der Armutsgefährdungsgrenze leben, Frauen sind. Alarmierend ist die Tatsache, dass jede fünfte Frau über 65 Jahre armutsgefährdet ist, und die Tendenz ist steigend. Die strukturellen Ursachen sind vielschichtig: Teilzeitjobs, Minijobs, längere Erwerbspausen für Kinder und Pflege, und der Gender Pay Gap sorgen dafür, dass Frauen im Alter oft mit weniger dastehen.

Die Rolle, die Frauen in der Kinderbetreuung und Pflege übernehmen, führt zu geringeren Rentenpunkten. Es ist fast wie ein Teufelskreis – Teilzeit und Minijobs drücken die Altersversorgung erheblich. Wenn wir uns die Zahlen anschauen, liegt der Gender Pension Gap bei etwa 25,8%. In Ostdeutschland ist die Situation etwas besser, da hier die Erwerbsquote von Frauen höher ist. Dennoch erhalten Männer im Durchschnitt mehrere Hundert Euro mehr Rente pro Monat als Frauen. Das ist nicht nur ungerecht, sondern auch eine Frage der Chancengleichheit.

Wichtige Schritte für die Zukunft

Doch es gibt Hoffnung. Die Bundesregierung hat die Plattform „Mit Geld & Verstand“ ins Leben gerufen, um Frauen bei Finanz- und Vorsorgeentscheidungen zu unterstützen. Auch die „Lebenskarte Eigenständigkeit“ des Fraunhofer IAO bietet wertvolle Hilfe. Es ist wichtig, dass Frauen ihre Erwerbsbiografie aktiv steuern, innerfamiliäre Finanzregeln festlegen und eigenständige Vermögensbildung betreiben. Frühzeitige Gespräche über Rollenverteilung und Arbeitszeitmodelle könnten vielleicht einen Unterschied machen. Schriftliche Vereinbarungen zum finanziellen Ausgleich bei Care-Arbeit sind ebenfalls zu empfehlen – das klingt vielleicht nach viel Bürokratie, aber es könnte sich lohnen.

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Ein weiterer Punkt, der zur Sprache kam, war der Gender Care Gap. Frauen verbringen im Durchschnitt 43,4% mehr Zeit mit unbezahlter Sorgearbeit als Männer. Das sind 76 Minuten Unterschied pro Tag! Wenn man bedenkt, dass Männer pro Woche knapp 20 Stunden und Frauen fast 29 Stunden mit dieser Arbeit verbringen, wird schnell klar, wie es zu den finanziellen Nachteilen kommt. Diese ungerechte Verteilung wirkt sich nicht nur auf die Entlohnung aus, sondern auch auf die beruflichen Chancen und die ökonomische Eigenständigkeit. Die letzte Zeitverwendungserhebung des Statistischen Bundesamtes hat gezeigt, dass sich der Gender Care Gap zwar verringert hat, aber das grundlegende Problem bleibt bestehen.

Die Veranstaltung der Frauen Union Oberberg hat gezeigt, dass es noch viel zu tun gibt. Es braucht kreative Lösungen und einen offenen Austausch über diese Themen. Der Weg zur finanziellen Unabhängigkeit ist ein wichtiger Schritt für Frauen, um Selbstbestimmung, Wahlfreiheit und Sicherheit in allen Lebensphasen zu erreichen.

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