Heute ist der 3.06.2026 und in Mülheim an der Ruhr steht ein ganz besonderes Ereignis an. Die Premiere des Films „Verflucht normal“ von Kirk Jones wird gefeiert. Basierend auf der Lebensgeschichte des schottischen Aktivisten John Davidson, beleuchtet dieser Film die Herausforderungen und Kämpfe, die Menschen mit dem Tourette-Syndrom durchleben. Die Geschichte spielt in einer kleinen schottischen Stadt Anfang der 1980er Jahre und erzählt von einem Burschen, der ganz normal, aber eben verflucht anders ist.
John Davidson, gespielt von Scott Ellis Watson in seiner Kindheit und von Robert Aramayo als Erwachsener, entwickelt im zarten Alter von zwölf Jahren ausgeprägte Nerventicks. Diese werden erst Jahre später als Tourette-Syndrom diagnostiziert. Was für viele ein unauffälliges Leben bedeutet, wird für John zu einem ständigen Kampf. Anstatt Verständnis zu erhalten, muss er sich in der Schule und zu Hause Spott und Strafen gefallen lassen. Unkontrollierte Bewegungen und laute Ausrufe? Für die anderen ist das kein medizinisches Symptom, sondern ein Grund, ihn auszugrenzen. Und so lebt John 15 Jahre später noch immer bei seiner Mutter, gespielt von Shirley Henderson, und kämpft mit den Nebenwirkungen starker Medikamente. Ein Teufelskreis, der ihn gefangen hält.
Eine Wendung im Leben
Doch das Schicksal hat einen Plan. Eine zufällige Begegnung mit seinem früheren Klassenkameraden Murray und dessen Mutter Dottie (Maxine Peake) wird zum Wendepunkt in Johns Leben. Dottie, eine verständnisvolle Krankenschwester, erkennt Johns Qualen und nimmt ihn in ihre Familie auf. Sie gibt ihm nicht nur einen Platz zum Leben, sondern vermittelt ihm auch eine Anstellung als Assistent des Hausmeisters Tommy (Peter Mullan) im örtlichen Gemeindezentrum. In dieser neuen Umgebung blüht John auf. Die Freundschaft zu Tommy wird zu einer Stütze, die ihm hilft, sein Selbstbewusstsein zurückzugewinnen und seinen eigenen Weg zu finden. Wie wunderbar, wenn man in einem Meer von Verständnis und Unterstützung schwimmen kann!
Aber die Geschichte von John Davidson geht weit über den Film hinaus. Geboren am 1. Juni 1971 in Galashiels, Schottland, wurde er mit 16 Jahren durch die BBC-Dokumentation „John’s Not Mad“ bekannt. Seither ist er zu einem landesweit anerkannten Botschafter für das Tourette-Syndrom geworden. Seine Vorträge und Workshops, die er in Schulen und bei Polizeibehörden hält, bringen Licht ins Dunkel und helfen, das Stigma zu brechen, das mit dieser neurologischen Erkrankung verbunden ist.
Ein Leben für die Aufklärung
Mit Tics, Koprolalie, Echolalie und heftigen Körperbewegungen hat John nicht nur mit den Symptomen zu kämpfen, sondern auch mit einer ausgeprägten Zwangsstörung. Dennoch gelingt es ihm, eine Selbsthilfegruppe in den Borders zu gründen und ein Tourette-Camp zu organisieren. Seine Arbeit bleibt nicht unbemerkt: 2019 wurde er mit dem MBE für sein Engagement ausgezeichnet und trat dem Vorstand von Tourette Scotland bei. Und das ist erst der Anfang! Ein biographischer Spielfilm mit dem Titel „I Swear“ ist für 2024 angekündigt, wobei Robert Aramayo erneut die Hauptrolle übernehmen wird. In den USA ist der Kinostart für 2025 geplant, während wir hierzulande am 28. Mai 2026 in den Genuss von „Verflucht normal“ kommen.
Das Tourette-Syndrom, eine seltene neurologische Erkrankung, betrifft schätzungsweise 3.500 Menschen in Österreich. Es ist bemerkenswert, wie die Tragikomödie „Verflucht normal“ nicht nur Johns Leben, sondern auch das Leben vieler Betroffener und ihrer Angehörigen beleuchtet. In einer Gesellschaft, die oft für Stigmatisierung sorgt, wird es Zeit, das Verständnis zu fördern. Manuel Lugmeyer, ein 35-jähriger Mann, der ebenfalls am Tourette-Syndrom leidet, beschreibt das Gefühl vor einem Tic als „dumpfen Druck“ unter dem Solarplexus. Solche Einblicke sind wertvoll, denn sie helfen, die menschliche Seite dieser Krankheit zu zeigen.
Wenn wir heute Abend den Film genießen, denken wir an all die Menschen, die wie John kämpfen. Vielleicht können wir ein bisschen mehr Verständnis und Mitgefühl in die Welt tragen. Denn am Ende des Tages sind wir alle ein bisschen verflucht normal.