Heute ist der 29.05.2026 und in Mülheim an der Ruhr brodelt es. Klimaaktivisten haben sich entschlossen, ein Zeichen zu setzen und blockieren die Werke des Panzerbauers KNDS sowie eines Pipeline-Herstellers. Rund 200 Menschen haben sich an dieser Aktion beteiligt – die Polizei spricht von 120. Ein bunter Haufen, der in weißen Maleranzügen daherkommt, um Einheitlichkeit zu demonstrieren. Das ist schon ein Bild! Die Zugangskontrollen zur ehemaligen Friedrich-Wilhelms-Hütte sind dicht, und der Schichtwechsel der Arbeiter wird kurzerhand verhindert. Während die Nachtschicht das Werk kurz vor fünf Uhr verlassen konnte, bleibt die Frühschicht draußen und schaut in die Röhre.
Ein paar Aktivisten haben sich sogar aus einem Klimacamp in Hamm aufgemacht, wo gegen neue Gaskraftwerke protestiert wird. Ihr Ziel? Ein Umdenken in der Energiepolitik und ein klares Zeichen gegen fossile Energieträger! NRW-Innenminister Herbert Reul hat sich mit einem Appell an die friedlichen Demonstranten gewandt. „Passt auf, bleibt friedlich“, ruft er, während er die Legitimität des Klimaschutzes betont, jedoch ohne Gewalt oder Sabotage. Die Sprecherin von Ende Gelände hat ebenfalls die Nutzung fossiler Energieträger für die Stahlproduktion in den Fokus genommen. Banner mit Aufschriften wie „Another World is possible“ flattern im Wind.
Der Druck auf die Stahlindustrie wächst
Die Stahlproduktion zählt zu den ganz großen Verursachern von Treibhausgasemissionen weltweit. Es ist ein schmutziges Geschäft, und die Emissionen entstehen entlang der gesamten Prozesskette – von der Kohlenförderung bis zur Weiterverarbeitung. Die Frage, die sich stellt, ist: Wie kann man das ändern? Um Emissionen zu senken, bedarf es einer grundlegenden Umstellung des Produktionsprozesses. Auch wenn die Elektrostahlroute nicht emissionsfrei ist, gibt es vielversprechende Ansätze. Verzicht auf Kohle in der Hochofenroute – das könnte die Lösung sein. Hier kommt die Direktreduktion ins Spiel, bei der klimafreundlicher Wasserstoff als Reduktionsmittel verwendet wird.
Aber ganz ehrlich, Wasserstoff allein ist derzeit noch nicht in ausreichender Menge verfügbar. Daher dürfen Erdgas oder Gasgemische nicht ganz außer Acht gelassen werden. Die Zeit drängt, denn bis 2030 müssen etwa die Hälfte der deutschen Hochöfen ersetzt werden. Das bedeutet, wir brauchen ausreichend erneuerbaren Strom, Wasserstoff und eine passende Infrastruktur. Es ist kein Geheimnis, dass die Klimaneutralität der Stahlindustrie ein langer Weg ist, der viel Durchhaltevermögen und stabile wirtschaftliche sowie politische Rahmenbedingungen erfordert.
Proteste und der Weg zur Transformation
Die Proteste in Mülheim sind Teil eines größeren Bildes. Aktivisten ziehen auch zum Werk der Firma Europipe, wo 200 Menschen die Gleise blockieren – die Polizei bestätigt, dass die Mitarbeitenden das Werk betreten konnten, die Blockade galt nur für die Schienen. Zudem drangen rund 200 Aktivisten in ein Kraftwerksgelände in Gelsenkirchen ein. Es ist eine Welle des zivilen Ungehorsams, die von einem Klimacamp mobilisiert wird, das gegen neue Gaskraftwerke kämpft. Am Freitagmorgen zogen etwa 300 Menschen vom Klimacamp in Hamm in die Innenstadt. Der Demozug startete zwar verspätet wegen eines Vermummungsverbots, aber die Stimmung war friedlich und entschlossen.
Und hier kommt Greta Thunberg ins Spiel! Sie war ebenfalls am Klimacamp in Hamm anwesend. Ob sie an weiteren Aktionen teilgenommen hat, bleibt unklar, aber ihre Anwesenheit allein bringt noch mehr Schwung in die Sache. Die Klimaschützer haben auch die gerichtlichen Auflagen der Polizei für eine geplante Großdemonstration im Visier – das zeigt, wie ernst es ihnen ist.
Die DLR-Studie, die sich mit der Transformation des Energiesystems und dem Fokus auf Eisen- und Stahlproduktion beschäftigt, gibt einen weiteren Einblick. Stahlproduktion verursacht zwischen 1,6 und 2,2 Tonnen CO2 pro Tonne Stahl. Das ist kein Pappenstiel! Hierbei wird deutlich, dass CCS (Abscheiden und Speichern von CO2) allein nicht ausreicht, um die Klimaziele langfristig zu erreichen. Wasserstoffbasierte und elektrifizierte Technologien könnten die Schlüsseltechnologien der Zukunft sein.
Die Prognosen sind düster, denn die Stahlindustrie verursacht rund 9% der globalen Treibhausgasemissionen. Dazu kommt, dass die weltweite Stahlproduktion bis 2060 auf über 2.600 Millionen Tonnen ansteigen könnte. Wer hätte das gedacht? Um die jährlichen Treibhausgasemissionen bis 2060 um bis zu 67% zu reduzieren, braucht es mehr als nur gute Absichten. Die Notwendigkeit einer schnelleren und drastischeren Defossilisierung ist unübersehbar, und der Bedarf an erneuerbarem Strom wird sprunghaft ansteigen – bis zu 15-fach bis 2050.
Die Zukunft der Stahlindustrie steht auf der Kippe, und es bleibt spannend, wie sich die Proteste und der Druck auf die Industrie weiterentwickeln werden. Die Zeit für Veränderungen drängt, und der Kampf um eine nachhaltige Zukunft hat gerade erst begonnen.