Im Herzen von Mülheim an der Ruhr lebt ein Mann, der nicht nur als „Mülheims letzter Weber“ bekannt ist, sondern auch als leidenschaftlicher Kämpfer gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt. Ralf-Erik Posselt, 77 Jahre alt, hat in seiner langen Lebenszeit so viel bewegt, dass es fast unvorstellbar ist, wie eine einzige Person so viel Einfluss haben kann. Seine Reise begann 1976, als er die ersten Anzeichen von Drogenproblemen bei Jugendlichen in seinem Unterricht bemerkte. Die Schulleitung wollte das Thema jedoch nicht ansprechen, was ihn letztlich zur Gründung eines Jugendzentrums in Duisburg-Rheinhausen bewegte. Dort fand er nicht nur einen Ort für die Jugendlichen, sondern auch die Möglichkeit, sich intensiver mit den Problemen von Gastarbeitern und deren Familien auseinanderzusetzen.

Im Jugendzentrum wurde ihm schnell bewusst, wie tief verwurzelter Alltagsrassismus die Kinder von Gastarbeitern belastete. Es war schockierend zu sehen, wie oft diese Kinder unter Erniedrigung und Gewalt litten. Doch Posselt gab nicht auf. Er suchte den Kontakt zu den Familien, initiierte Reisen in die Türkei und entdeckte die Tradition der Weberei. Diese Entdeckung führte zur Gründung von Webergruppen im Ruhrgebiet, in denen Deutsche und Türken gemeinsam Webstühle bauten. Ein wunderschönes Beispiel für interkulturellen Austausch und Freundschaft!

Ein Erbe der Toleranz

In den 90er Jahren initiierte Posselt das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, dem über 5000 Schulen in Deutschland beigetreten sind. Bis 2011 war er im Leitungsteam der Gewalt Akademie Villigst, wo Deeskalationstrainer für Polizei und Schulen ausgebildet wurden. Sein unermüdlicher Einsatz für Toleranz und Gerechtigkeit hat nicht nur lokale, sondern auch überregionale Wellen geschlagen. Aber auch die Herausforderungen blieben nicht aus. In einer Zeit, in der zwischen 1991 und 1994 die Bundesrepublik eine Welle rechtsextremer Gewalt gegen Zuwanderer erlebte, war sein Engagement wichtiger denn je. Die Übergriffe in Hoyerswerda, Rostock und Solingen sind furchtbare Erinnerungen, die uns alle an die Notwendigkeit erinnern, für ein friedliches Miteinander zu kämpfen.

Ralf-Erik Posselt hat in den letzten Jahrzehnten viel erreicht und dennoch kämpft er weiter. Jetzt plant er, seinen 250 Jahre alten Webstuhl an eine gemeinnützige Organisation abzugeben, um sicherzustellen, dass dieses Stück Geschichte und Handwerkskunst nicht in Vergessenheit gerät. Mögliche Standorte für den Webstuhl sind das Tersteegenhaus, das Historische Museum im Schloss Broich, das Rathaus oder die Grundschule an der Trooststraße. Der Webstuhl benötigt eine Grundfläche von vier mal vier Metern, und Posselt hat bisher keinen anderen Weber in Mülheim kennengelernt. Wer Interesse hat, kann sich gerne per E-Mail bei ihm melden – vielleicht wird ja die Tradition des Weberhandwerks in Mülheim wiederbelebt.

Ein Blick in die Zukunft

Das Erbe von Ralf-Erik Posselt geht über die Weberei hinaus. Es ist ein Erbe, das Toleranz und interkulturellen Dialog fördert. In einer Zeit, in der die Gesellschaft oft gespalten ist und rechtsextreme Ideologien wieder aufflackern, ist es umso wichtiger, sich für ein respektvolles Miteinander einzusetzen. Posselts Projekte und Initiativen sind ein leuchtendes Beispiel dafür, wie vielschichtig und tiefgreifend der Kampf gegen Rassismus und Gewalt sein kann. Der Nährboden für Rassismus, wie Arbeitslosigkeit und persönliche Enttäuschungen, ist nach wie vor präsent. Doch das Engagement von Menschen wie Posselt zeigt, dass Veränderung möglich ist.

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Wer weiß, vielleicht wird sein Webstuhl nicht nur ein Stück Geschichte bewahren, sondern auch eine Plattform für die nächste Generation von Webern und Künstlern, die sich für ein friedliches Miteinander einsetzen. In einer Welt, die oft so herausfordernd und unberechenbar erscheint, ist es wichtig, die Hoffnung nicht zu verlieren und gemeinsam für die Werte einzustehen, die uns verbinden.