Heute ist der 25. Mai 2026 und in Mülheim an der Ruhr steht ein besonderes Kinoereignis an. Der Film „Rose“ hat nicht nur das Publikum begeistert, sondern auch auf der Berlinale 2026 den Silbernen Bären für die beste schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle für Sandra Hüller gewonnen. Wow! Das ist echt bemerkenswert. Der Film wird als ein „seltenes, tief berührendes Kinoereignis“ beschrieben, und Kritiken aus der Filmwelt loben ihn als großartig und meisterhaft inszeniert, wie zum Beispiel der Hollywood Reporter. Wenn das nicht für einen Kinobesuch spricht, weiß ich auch nicht.
Die Handlung von „Rose“ spielt im 17. Jahrhundert in einem abgelegenen protestantischen Dorf in Deutschland. Ein mysteriöser Soldat taucht auf, entstellt durch eine Narbe, und gibt sich als Erbe eines verlassenen Gehöfts aus. Mit einem Dokument in der Hand, das seinen Anspruch untermauern soll, gewinnt er das Vertrauen der Dorfbewohner, die ihre Zweifel schnell beiseite schieben. Doch was niemand ahnt: Sein Wunsch nach Zugehörigkeit basiert auf einer Lüge. Die wahre Geschichte, die dem Film zugrunde liegt, dreht sich um eine Land- und Leutebetrügerin, die als Frau geboren wurde und sich wie ein Mann verhielt. Diese Mischung aus Identität und Betrug ist nicht nur packend, sondern regt auch zum Nachdenken an.
Ein Blick in die Geschichte
Die Figur im Film erinnert stark an eine historische Persönlichkeit: Catharina Margaretha Linck, die zwischen 1687 und 1721 lebte. Linck, auch bekannt als Anastasius Lagrantinus Rosenstengel, ist ein faszinierendes Beispiel für „Cross-Dressing“ und den Wechsel der Geschlechtsidentität. Ursprünglich als Prophetin unterwegs, diente sie mehrere Jahre als Soldat und arbeitete später als Baumwolldruckerin – und das alles in der Rolle eines Mannes! Ihre Geschichte ist tragisch, denn sie heiratete sogar erneut als Mann unter dem Namen Catharina Margaretha Mühlhahn. Doch die Enthüllung ihrer wahren Identität durch ihre Schwiegermutter führte zu einer Anzeige und schließlich zu ihrer Verhaftung. 1721 wurde sie wegen Unzucht enthauptet. Es ist schockierend, wie erbarmungslos die Gesellschaft mit solchen Identitätswechseln umging.
Die gesellschaftlichen Reaktionen auf Frauen, die männliche Kleidung trugen, waren über die Jahrhunderte hinweg oft brutal. Während vom Spätmittelalter bis zur Moderne Frauen für das Tragen von Männerkleidung verfolgt und bestraft wurden, gab es auch immer wieder Ausnahmen, in denen solche Lebensweisen für kurze Zeit akzeptiert wurden. Magnus Hirschfeld, ein Pionier der Sexualwissenschaft, sammelte Anfang des 20. Jahrhunderts Berichte über Personen, die die Geschlechtergrenzen überschritten. Sein Werk „Die Transvestiten“ beleuchtet die Herausforderungen und die Verfolgung, die diese Menschen erlebten. Die gesellschaftliche Ordnung des Mittelalters, die strengen Hierarchien und die Regulierung von Kleidung nach Geschlecht, standen dem individuellen Ausdruck oft im Weg.
Ein Phänomen der Vergangenheit
Die Geschichte von Catharina Margaretha Linck ist nicht die einzige, die zeigt, wie Frauen, die als Männer lebten, oft verfolgt oder gar hingerichtet wurden. Ihre Geschichte reiht sich ein in eine lange Liste von Fällen, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen. Auch die Fälle von Hannah Snell und Eleonore Prochaska, die als Männer lebten und in Kriegen kämpften, illustrieren das Phänomen des weiblichen Crossdressings. Eine gewisse Toleranz war auf militärischer Ebene manchmal gegeben, doch im Großen und Ganzen blieb das Leben in einer anderen Identität für Frauen äußerst riskant. Im 18. und 19. Jahrhundert nahm das Crossdressing unter Frauen zwar zu, doch die gesellschaftlichen Normen blieben hartnäckig bestehen. Der Wandel in der Wahrnehmung von Geschlecht und Identität wurde durch die Säkularisierung und die Aufklärung allmählich beeinflusst, aber die Schatten der Vergangenheit blieben nicht ohne Folgen.
So wird „Rose“ nicht nur zu einem filmischen Erlebnis, sondern auch zu einem Fenster in eine komplexe, oft tragische Geschichte von Identität und Zugehörigkeit. Wer weiß, vielleicht regt dieser Film in Mülheim an der Ruhr nicht nur zum Schmunzeln an, sondern auch zum Nachdenken über die eigene Identität und die Geschichten, die uns umgeben. Und das ist ja das Schöne am Kino – es ist nicht nur Unterhaltung, sondern auch eine Möglichkeit, etwas über uns selbst zu lernen.