In der modernen Arbeitswelt hat sich ein merkwürdiger Trend etabliert: das sogenannte Stress-Bragging. Dabei handelt es sich um das Angeben mit Stress und Arbeitsbelastung, das in vielen Büros zum Ehrenabzeichen avanciert ist. Beschäftigte betonen häufig ihren Stress im Job, als wäre es eine Auszeichnung, die ihre Härte und Hingabe demonstriert. Doch diese Art des Prahlens hat nicht nur persönliche, sondern auch kollektive Konsequenzen. Der Arbeitspsychologe Hannes Zacher zitiert in einer aktuellen Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift «Personnel Psychology», dass Stress-Bragging zu einer Distanzierung von Kolleginnen und Kollegen führt. Es signalisiert häufig Überforderung und kann sogar die Teamdynamik belasten.

Die Studie zeigt zudem auf, dass übermäßige Kommunikation des Stresslevels negativ wahrgenommen wird. Kolleginnen und Kollegen empfinden es oft als unangenehm, sich mit einem gestressten Mitarbeiter auseinanderzusetzen, was zu einer verminderten Kompetenz- und Sympathiewahrnehmung führt. Die Unterstützung im Arbeitsalltag sinkt durch diese Art des Verhaltens, was letztlich auch das gesamte Team belastet. Es wird deutlich, dass Zuhörer stärker unter dem Stress anderer leiden, was eine gefährliche Spirale in der Arbeitsatmosphäre schaffen kann.

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass Stress in der Arbeitswelt weit verbreitet ist. Laut einer Erhebung fühlten sich im Jahr 2020 rund 25 % der Erwerbstätigen psychischen Belastungen ausgesetzt. Dabei handelt es sich um Selbst­ein­schätzungen, die nicht auf ärztlichen Diagnosen basieren. Die Ursachen für diese Belastungen sind vielfältig und reichen von einem belastenden Arbeitsumfeld über Zeitdruck bis hin zu negativen Einflüssen. Besonders Führungskräfte, Wissenschaftler und Techniker fühlen sich mit über 30 % überdurchschnittlich belastet, während Erwerbstätige in Handwerksberufen und Hilfskräfte mit 19 % beziehungsweise 14 % am wenigsten betroffen sind.

Ein erheblicher Teil der Erwerbstätigen, nämlich 14 %, gab Zeitdruck und Arbeitsüberlastung als stärksten Einfluss auf ihr Wohlbefinden an. Auch der Umgang mit schwierigen Kunden, Patienten oder Schülern wurde von 5 % als belastend empfunden. Weitere Faktoren wie schlechte Kommunikation und Zusammenarbeit innerhalb der Organisation trugen mit 3 % zur psychischen Belastung bei. Diese Daten stammen aus der Arbeitskräfteerhebung, die 2020 neugestaltet wurde, was die Vergleichbarkeit mit Vorjahren jedoch einschränkt.

Fazit und Ausblick

Die Erkenntnisse rund um das Stress-Bragging und die psychischen Belastungen am Arbeitsplatz werfen ein Licht auf eine Problematik, die in der heutigen Arbeitswelt oft unterschätzt wird. Es ist wichtig, ein Bewusstsein für die Auswirkungen von Stress und die Art und Weise, wie darüber gesprochen wird, zu schaffen. Nur so können Unternehmen und Mitarbeitende gemeinsam an einer positiven Arbeitsatmosphäre arbeiten, die sowohl das individuelle Wohlbefinden als auch die Teamdynamik fördert.

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