In Leverkusen hat sich ein beunruhigendes Szenario in der Realschule Am Stadtpark entfaltet. Bei einer Untersuchung wurden hohe Konzentrationen von Halb- und Schwermetallen – darunter die gefürchteten Stoffe Blei und Arsen – in einem Raum der Schule entdeckt. Die Stadtverwaltung gab dies am Dienstagnachmittag in einer Pressekonferenz bekannt. Dies war nicht einfach eine Routineüberprüfung; vielmehr war es eine Orientierungsuntersuchung, die im Zuge der möglichen Wiedereröffnung eines bisher gesperrten Kunst- und Nebenraums ins Leben gerufen wurde.
Die alarmierenden Ergebnisse stammen von Experten, die bereits im März Stäube untersucht hatten. Dabei stießen sie auf hohe Werte von Metallen wie Antimon, Kupfer und Zink, und auch Arsen und Zinn waren nicht ganz ohne. Die Ärztin Mirja Stevens vom Medizinischen Dienst der Stadt stellte klar, dass es derzeit ungewiss ist, ob die Schüler tatsächlich einer Gesundheitsgefährdung ausgesetzt waren. Ein mulmiges Gefühl bleibt dennoch bei den Eltern, Jugendlichen und dem Kollegium, die alle über die Situation informiert wurden. In der kommenden Woche stehen weitere Analysen an, und die Ergebnisse werden frühestens in 14 Tagen erwartet.
Ursachen und Hintergründe
Die Entdeckung des Schadstoffs war kein Zufall. Der Vorgang nahm seinen Anfang im letzten November, als eine Lehrerin von auffälligen Befunden berichtete. Die Schule handelte umgehend und schloss den Kunstraum für den Unterricht, nachdem die Lehrerin diesen als mögliche Ursache für ihre gesundheitlichen Beschwerden vermutete. Ein Keramikbrennofen, der seit über 15 Jahren nicht mehr genutzt wurde, steht in dem Raum. Experten vermuten, dass der Einsatz von schwermetallhaltigen Glasuren beim Brennen von Keramik zur Kontamination beigetragen haben könnte. Die Stadtverwaltung schloss jedoch eine missbräuchliche oder versehentliche Nutzung des Brennraums aus.
Interessant ist, dass die hohen Werte möglicherweise mit einer Baustelle auf dem Schulgelände in Zusammenhang stehen könnten. Die Stadt hatte die Orientierungsuntersuchung sowie eine Reinigung durch eine Fachfirma im März veranlasst. Dr. Stevens äußerte sich überrascht über die Werte und stellte fest, dass diese möglicherweise auf die Einstellung der täglichen Reinigung nach der Schließung des Raums zurückzuführen sein könnten. Ein besorgniserregendes Bild, das hoffentlich bald geklärt wird.
Das Risiko von Schwermetallen
Schwermetalle sind ein ernstzunehmendes Thema. Sie sind nicht nur in der Schule ein Problem. Farbige Glasuren von Keramikgeschirr können beispielsweise gefährliche Mengen an Blei und Cadmium enthalten. Diese Stoffe können beim Kontakt mit Nahrungsmitteln in unterschiedlichem Maße aus der Keramik herausgelöst werden. Die europäische Richtlinie zur Abgabe von Blei und Cadmium wird zurzeit überarbeitet, was auf die steigenden Gesundheitsbedenken hinweist.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat die geltenden Höchstmengen überprüft. BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel warnt vor den Gesundheitsgefahren durch extreme Bleiaufnahmen über Lebensmittel in bleilässigen Keramikgefäßen. Selbst wenn die Regelungen eingehalten werden, können unter bestimmten Umständen unsichere Schwermetallmengen in Lebensmittel abgegeben werden. Besonders Kinder sind gefährdet, da sie empfindlicher auf Blei reagieren. Die Folgen können gravierend sein, von irreversiblen Nervenschäden bis hin zu akuten Vergiftungen mit schwerwiegenden Symptomen.
Ein Blick auf die Umwelt
Die Problematik zieht sich weiter durch die Umwelt. Schwermetalle sind natürliche Bestandteile der Erdkruste, doch nicht alle sind harmlos. Lebensnotwendige Schwermetalle wie Zink und Eisen stehen den schädlichen Stoffen wie Blei und Cadmium gegenüber. Viele gelangen durch industrielle Verfahren, Autoverkehr oder sogar durch das Ausbringen von Klärschlamm in die Umwelt. Diese Metalle können über Pflanzen und das Fleisch von Weidetieren in die Lebensmittel gelangen, und die Anreicherung ist nicht zu unterschätzen.
In Leverkusen bleibt es nun abzuwarten, wie die weiteren Untersuchungen ausgehen werden. Die Stadt hat bereits Gespräche angeboten, damit bis zu 20 Schüler auf Wunsch untersucht werden können. Bislang ist die Nachfrage jedoch eher gering. Die kommenden Tage sind entscheidend, um Licht ins Dunkel zu bringen und die Gesundheit der Kinder zu schützen. Bleiben wir optimistisch, dass die Experten bald die Antworten liefern, die alle Beteiligten so dringend benötigen.