Zehn Jahre nach dem Brexit: Ein Blick auf die gespaltene Nation und den Wunsch nach Rückkehr
Heute, am 23. Juni 2026, jährt sich das Brexit-Referendum zum zehnten Mal. Vor genau zehn Jahren, am 23. Juni 2016, entschieden sich 51,9 Prozent der wahlberechtigten Briten für den Austritt aus der Europäischen Union. Ein knappes Ergebnis, das ein politisches Chaos nach sich zog, das bis heute nachwirkt. Nach dem Referendum folgten sieben Premierminister, und viele Briten fragen sich mittlerweile, ob der Austritt nicht doch ein „katastrophaler Fehler“ war, wie es der ehemalige Gesundheitsminister Wes Streeting formulierte.
Die Wogen der Spaltung zwischen den „Remainers“ und den „Leavers“ sind nicht geglättet. Umfragen zeigen, dass mittlerweile mehr als die Hälfte der britischen Bevölkerung – konkret 53 bis 56 Prozent – für einen Wiedereintritt in die EU plädiert. Besonders unter den Jüngeren, den 16- bis 24-Jährigen, sind es sogar 83 Prozent, die eine Rückkehr in die Gemeinschaft wünschen. Ein erstaunlicher Meinungsumschwung, wenn man bedenkt, dass der Brexit mit dem Versprechen beworben wurde, die Kontrolle über Grenzen und Gesetze zurückzugewinnen.
Wirtschaftliche Folgen und das Versprechen der Kontrolle
Doch die Realität sieht anders aus. Der Brexit hat Großbritannien wirtschaftlich geschadet, und man schätzt, dass die Wirtschaftskraft um rund vier Prozent gesunken ist. Das britische Bruttoinlandsprodukt liegt schätzungsweise drei bis acht Prozent niedriger als ohne den EU-Austritt. Und die erhoffte Kontrolle über die Migration? Naja, die Netto-Zuwanderung nach Großbritannien hat in den zwölf Monaten bis Mitte 2023 über 900.000 Menschen erreicht. Eine ironische Wendung, wenn man bedenkt, dass viele für den Brexit stimmten, um die Einwanderung zu reduzieren.
Die Handelsbeziehungen zur EU litten erheblich. Die Exporte von EU-Staaten nach Großbritannien sind um 14,1 Prozent gesunken im Vergleich zu 2019. Trotz eines Freihandelsabkommens bleibt der Handel belastet. Viele Mittelständler überdenken ihre Geschäftsstrategien, und die versprochenen Freihandelsabkommen mit den USA sind bis dato ausgeblieben. Ein Freihandel, der nicht wirklich stattfindet, könnte man sagen. Komischerweise führt das alles zu einem Anstieg der Lebensmittelpreise, und eine Studie der London School of Economics hat das teilweise dem Brexit zugeschrieben.
Politische Landschaft im Umbruch
Die politische Landschaft hat sich seit dem Referendum grundlegend verändert. Die Labour-Partei hat an Unterstützung verloren, während die Konservativen und die rechtspopulistische Reform UK an Stimmen gewonnen haben. Nigel Farage und seine Partei versprechen, die illegale Einwanderung zu stoppen und soziale Vorteile für gebürtige Briten zu verbessern. Es ist ein schwieriges Spiel, das Premier Keir Starmer spielt, denn er muss sowohl proeuropäische als auch Brexit-skeptische Wähler ansprechen. Eine Gratwanderung, die nicht einfach ist und die sich in der Partei selbst widerspiegelt.
In Schottland, Nordirland und Wales sind die Unabhängigkeitstendenzen gestiegen. Man fragt sich, ob der Brexit nicht mehr gespalten hat, als er zusammengebracht hat. Es gibt Stimmen, die laut darüber nachdenken, wie eine Rückkehr in die EU aussehen könnte, und die Diskussion darüber wird lauter. Das Bild, das sich abzeichnet, ist alles andere als klar – und doch scheint der Wunsch nach einer Rückkehr in die EU unter den Briten zu wachsen. Vielleicht ist es die Sehnsucht nach dem Vertrauten, nach Stabilität in einer Zeit voller Unsicherheiten.
So betrachtet man heute in Herford, aber auch weit über die Stadtgrenzen hinaus, die Folgen des Brexit mit einem gemischten Gefühl. Ein Schritt, der viele Hoffnungen weckte, hat viele Menschen ins Nachdenken gebracht. Wo stehen wir nach zehn Jahren? Wäre es nicht besser gewesen, die Dinge anders zu regeln? Die Antwort bleibt ungewiss, aber eines ist sicher: Die Debatte um den Brexit und die EU wird uns noch lange beschäftigen.
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