In Düsseldorf wird mit viel Kreativität und einem Schuss Humor gegen die Lebensmittelverschwendung angekämpft. Chantal Theisen von der Initiative Foodsharing hat sich zur Mission gemacht, die schmackhaften, aber nicht mehr verkaufsfähigen Lebensmittel aus Supermärkten, Discountern und Bäckereien zu retten. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die so viel bewirken können. Wer hätte gedacht, dass schrumpelige Karotten oder welkes Gemüse noch wahre Gaumenfreuden bereithalten? Oft reicht es schon, die betroffenen Stellen zu entfernen, und schon kann ein feiner Salat oder eine köstliche Vinaigrette gezaubert werden – wie bei Theisen, die aus Fenchel, Orangen und Mairübchen etwas Einfaches, aber Leckeres kreiert hat.

Es ist eine traurige Bilanz, dass jeder Mensch in Deutschland jährlich im Schnitt 74,5 kg Lebensmittel wegwirft. Laut Umweltbundesamt landen die meisten dieser Abfälle nicht nur in der Tonne, sondern auch in der Geselligkeit – bei Schnippeldiscos, wo gerettete Lebensmittel gemeinsam zubereitet werden. Ein bisschen wie ein Koch-Event, nur dass es hier um Nachhaltigkeit und Kreativität geht. Und wer sich fragt, warum man nicht einfach nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MDH) urteilen sollte: Ein dreifacher Test aus Aussehen, Geruch und Geschmack kann oft Wunder wirken und uns vor unnötigen Abfall bewahren.

Der kreative Umgang mit Resten

Jacqueline Alfers, eine Food-Bloggerin, hat noch mehr Tipps parat, wie man mit den Resten aus dem Kühlschrank kreativ umgehen kann. Sie empfiehlt, zuerst die Reste zu verwenden, bevor man neue Zutaten kauft. Das ist nicht nur nachhaltig, sondern auch eine wunderbare Möglichkeit, um die eigene Kreativität in der Küche zu fördern. Ob eine leckere Pastasauce aus Gemüseresten, die mit Dosentomaten und Gewürzen verfeinert wird, oder ein asiatisches Stir-Fry mit Zwiebeln, Knoblauch und allerlei Gemüse – die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt. Und altbackenes Brot? Das wird einfach zu Bruschetta oder knusprigen Croutons verarbeitet.

Die Idee, Lebensmittel zu retten und kreativ zu verarbeiten, ist nicht nur auf private Haushalte beschränkt. Raphael Fellmer, Mitgründer des Berliner Startups SIRPLUS, hat eine größere Vision. Sein Unternehmen rettet überschüssige Lebensmittel und verkauft diese über einen Online-Shop. Mehr als 5 Millionen Kilogramm konnten bereits gerettet werden. Zudem hat SIRPLUS über 1 Million Mahlzeiten für Menschen in Not gespendet. Fellmer sieht sich als Galionsfigur der Lebensmittelrettung im deutschsprachigen Raum und setzt sich dafür ein, das Bewusstsein für Lebensmittelverschwendung in der Gesellschaft zu schärfen.

Politik und Strategie gegen die Verschwendung

Doch nicht nur Einzelpersonen und Startups kämpfen gegen die Verschwendung. Im Februar 2019 hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eine Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung vorgestellt. Ziel ist es, die Lebensmittelabfälle in Deutschland bis 2030 um 30% zu reduzieren. Jährlich entstehen nämlich etwa 10,8 Millionen Tonnen Abfälle, die aus allen Bereichen stammen – von der Produktion über den Handel bis zu den privaten Haushalten. Dies ist ein enormes Potenzial, das es zu nutzen gilt!

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Mit verschiedenen Initiativen und Dialogforen, wie dem neuen Dialogforum private Haushalte 2.0, wird an Lösungen gearbeitet. Der Pakt gegen Lebensmittelverschwendung, den das Bundesministerium mit Unternehmen des Lebensmittelgroß- und Einzelhandels geschlossen hat, zielt darauf ab, die Abfälle in diesen Bereichen um 30% bis 2025 und um 50% bis 2030 zu reduzieren. Das zeigt, wie wichtig es ist, dass alle Akteure an einem Strang ziehen.

In einem Land, in dem so viel Essen weggeworfen wird, ist es inspirierend zu sehen, wie viele kreative Köpfe und engagierte Menschen sich zusammentun, um einen Unterschied zu machen. Ob im kleinen Rahmen einer Schnippeldisco oder in großen Initiativen, die das Bewusstsein für Lebensmittelrettung fördern – jeder Schritt zählt. Und wer weiß, vielleicht wird das nächste große Rezept aus den Resten von gestern geboren!

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