Gelsenkirchen, 13. Juni 2026 – In den letzten Tagen hat die politische Landschaft rund um Gelsenkirchen und darüber hinaus mal wieder für Aufregung gesorgt. Der offene Antisemitismus in Düsseldorf und die provokanten Parolen der AfD in Gelsenkirchen stehen im Fokus der Diskussion. Man fragt sich: Wo führt das alles hin? Vor allem die Äußerungen der AfD-Politikerin Enxhi Seli-Zacharias, die mit ihrem Aufruf zu einem „Bürgerkrieg“ und zur „männlichen Erhebung“ keinen Raum für Missverständnisse ließ, haben viel Kritik auf sich gezogen. Ihre Rhetorik erinnert an autoritäre und faschistische Bewegungen des 20. Jahrhunderts – ein düsterer Vergleich, der nicht ohne Grund gewählt wird.

Am 19. August plant der AfD-Kreisverband Gelsenkirchen eine Kundgebung auf dem Heinrich-König-Platz, die von etwa 300 Personen besucht werden soll. Der Hauptredner, Irfan Peci, hat eine bewegte Vergangenheit: Als Jugendlicher war er in extremistischen Kreisen aktiv, hat dann aber als V-Mann für den Verfassungsschutz gearbeitet und engagiert sich heute für Präventionsarbeit gegen Extremismus. Peci, der mittlerweile bekennender Christ ist, wird zusammen mit Seli-Zacharias über die angebliche „Unterwerfung“ durch den Islam sprechen. Ein Auftritt, der sicher für reichlich Zündstoff sorgen wird.

Gegenprotest und gesellschaftliche Reaktionen

Es bleibt spannend, denn auch der Gegenprotest kommt nicht zu kurz. Jan Specht, OB-Kandidat der Wählergruppe AUF, hat eine Gegenveranstaltung organisiert, die unter dem Motto „Alle zusammen gegen den Faschismus“ steht. Der Protest beginnt bereits um 14:30 Uhr und wird mit einem offenen Mikrofon und der Einladung an Chöre und Sänger zum Rudelsingen gegen die AfD begleitet. Bisher sind rund 50 Teilnehmer bei der Polizei angemeldet – ein Anfang, der Hoffnung macht. Das Gelsenkirchener Aktionsbündnis gegen Rassismus und Ausgrenzung ruft zur Teilnahme auf, auch wenn sie keine eigene Veranstaltung angemeldet haben.

Die gesellschaftlichen Spannungen sind nicht zu übersehen. Antisemitismus und Rassismus sind nicht nur Probleme der extremen Rechten, sondern durchdringen die gesamte Gesellschaft. Eine Studie, die im April 2025 veröffentlicht wurde, zeigt, dass eine relative Mehrheit der Befragten einen sogenannten „Schlussstrich“ unter die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit befürwortet. Das ist alarmierend. Der Antisemitismus wird oft als unbedeutendes Problem wahrgenommen, während er in Wirklichkeit ein zentrales Element der extremen Rechten ist und auch von anderen politischen Lagern nicht ausreichend thematisiert wird. Es ist verrückt, wie sich solche Denkweisen in der Gesellschaft verfestigen können.

Ein Blick in die Zukunft

Die Sicherheitslage für jüdische Gemeinden in Deutschland hat sich in den letzten Jahren verschärft. Die Abhängigkeit von staatlichem Schutz wächst, und es gibt immer wieder Berichte über antisemitische Inhalte in Polizeichats. Das lässt einen schon nachdenklich zurück. Die antisemitische Gewalt hat zugenommen und wird durch die Verbreitung von Hassbotschaften in sozialen Medien noch befeuert. Es ist ein Teufelskreis. Jüdische Gemeinschaften fordern zu Recht mehr Schutz und ein stärkeres Engagement gegen den Rechtsextremismus. In einer Zeit, in der der Schutz demokratischer Werte wichtiger denn je ist, müssen wir alle zusammenhalten.

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Die Frage bleibt: Wie gehen wir als Gesellschaft mit diesen Herausforderungen um? Die kommenden Monate werden zeigen, ob wir die nötige Stärke aufbringen, um dem Hass entgegenzutreten und die Werte, die uns verbinden, zu verteidigen. Bleiben wir wachsam und engagiert, denn das ist der einzige Weg, um den dunklen Schatten des Antisemitismus und Rassismus in unserer Mitte zu vertreiben.