In Gelsenkirchen gibt es einen Ort, an dem queere Menschen ganz sie selbst sein können – die queere Beratungsstelle unter der Leitung von Jasmin Babbe. Sie ist ein Lichtblick in einer Stadt, die, wie viele andere, nicht immer ein offenes Ohr für die Belange der LGBTQ+ Community hat. Hier wird Hilfe angeboten für eine Vielzahl an Anliegen: seien es überforderte Eltern von queeren Jugendlichen, Menschen mit Fluchthintergrund, die Angst vor Abschiebung haben, oder auch Schwule und Lesben, die nach langen Beziehungen ihre Identität hinterfragen. Trans* Personen finden hier ebenfalls Unterstützung, wenn es um Informationen zur Geschlechtsangleichung geht. Ein breites Spektrum also, das zeigt, wie wichtig diese Beratungsstelle für die Region ist.
Die Anfragen sind zahlreich und oft mit persönlichen Krisen sowie Diskriminierung verbunden. Das Jugendzentrum „Together“ fungiert als zentraler Anlaufpunkt für die queere Community in Gelsenkirchen. Die Sprechzeiten der Beratungsstelle, dienstags von 11 bis 20 Uhr und freitags von 11 bis 16 Uhr, bieten ausreichend Gelegenheit, um Hilfe zu suchen und zu finden. Die Gründung dieser wichtigen Einrichtung wurde durch einen politischen Antrag der Grünen-Fraktion im städtischen Haushalt 2025 mit 50.000 Euro unterstützt, und auch für 2026 wurde sie mit weiteren 35.000 Euro bezuschusst. Diese finanzielle Unterstützung ist entscheidend, um die wertvolle Arbeit fortzusetzen.
Die persönliche Note der Beratung
Jasmin Babbe bringt nicht nur ihre fachliche Expertise mit, sondern auch eine persönliche Geschichte, die ihre Arbeit prägt. Aufgewachsen in einem ultrarechten Umfeld, versteht sie die Herausforderungen, die viele ihrer Ratsuchenden erleben. Sie beschreibt sich als pansexuell und hat eine klare Vision: Die Identität der Ratsuchenden soll akzeptiert werden, ohne kritische Hinterfragung. Das ist gerade für trans, inter und nicht-binäre Personen von großer Bedeutung, die oft mit zusätzlichen Schwierigkeiten konfrontiert sind, insbesondere wenn sie Migrations- oder Fluchthintergrund haben. Es ist ermutigend zu sehen, dass in einer Zeit, in der queerfeindliche Straftaten in Nordrhein-Westfalen mehr als dreimal zugenommen haben, solche Orte wie die Beratungsstelle existieren.
Die Herausforderungen sind vielfältig und die politische Debatte in Gelsenkirchen zeigt Spannungen zwischen rechten und linken Positionen zur geschlechtlichen Vielfalt. Die Unsicherheit ist allgegenwärtig, so wurde beispielsweise der Christopher Street Day (CSD) in Gelsenkirchen 2025 möglicherweise wegen einer islamistischen Drohung abgesagt. In solchen Zeiten ist es umso wichtiger, dass es Anlaufstellen gibt, die Menschen in Krisen unterstützen und ihnen ein Gefühl von Sicherheit und Zugehörigkeit geben.
Ein Netzwerk von Unterstützung
Die queere Beratungsstelle ist Teil eines größeren Netzwerks von sieben vom Land geförderten psychosozialen Beratungsstellen für LSBTIQ* in Nordrhein-Westfalen. Diese Stellen bieten nicht nur Unterstützung bei aktuellen Lebenskonflikten, Coming-out-Hilfen und Krisenbewältigung, sondern auch eine Vielzahl von Themen an, die von sexueller Identität bis hin zu rechtlichen Fragen reichen. In Gelsenkirchen ist die Beratungsstelle eine wichtige Anlaufstelle, während andere Städte wie Bochum, Dortmund und Köln ebenfalls ihre Expertise in der LSBTIQ-Beratung anbieten.
Die Beratungsstellen arbeiten nach hohen Qualitätsstandards und übernehmen eine Lotsenfunktion, insbesondere bei spezifischen Fachthemen rund um Trans und Inter. Zwei landesgeförderte Spezialberatungsstellen, die Rosa Strippe e.V. in Bochum und Rubicon e.V. in Köln, bieten zudem psychosoziale Unterstützung für queere Menschen mit internationaler Geschichte und Fluchthintergrund sowie für LSBTIQ, die Opfer von Gewalt wurden.
In dieser komplexen und oft herausfordernden Welt ist es wichtig, dass Menschen die Unterstützung bekommen, die sie benötigen. Die queere Beratungsstelle in Gelsenkirchen ist ein Beispiel dafür, wie lokale Initiativen helfen können, Vielfalt zu fördern und Menschen in Krisen zu unterstützen. Und das ist in der heutigen Zeit mehr denn je notwendig.