Am kommenden Sonntag, den 14. Juni, wird in der Gelsenkirchener Schauburg ein Dokumentarfilm gezeigt, der viele zum Nachdenken anregen wird: „Martin Luther King – Ein Staatsverbrechen“ von Claus Bredenbrock. Der Regisseur aus Gelsenkirchen-Buer hat sich auf die Suche nach der Wahrheit über die Ermordung des legendären Bürgerrechtlers gemacht. Es ist ein Thema, das nicht nur historisch relevant ist, sondern auch heute noch viele Fragen aufwirft.
Martin Luther King wurde am 4. April 1968 in Memphis durch einen gezielten Kopfschuss getötet. Die offizielle Version besagt, dass James Earl Ray der alleinige Täter war. Doch Bredenbrock und sein Co-Regisseur Pagonis Pagonakis sind sich sicher, dass mehr hinter diesem Verbrechen steckt. Im Jahr 1999 fand ein öffentliches Gerichtsverfahren statt, in dem Geschworene zu dem Urteil kamen, dass King Opfer eines Mordkomplotts war – und zwar mit Beteiligung der Polizei von Memphis sowie Regierungsinstitutionen. Diese Erkenntnisse wurden in den USA jedoch weitestgehend ignoriert.
Ein Regisseur mit einer Mission
Claus Bredenbrock, Jahrgang 1947, hat eine besondere Beziehung zur Schauburg. Für ihn ist es das schönste Kino aus seiner Kindheit. Er hat am Leibniz-Gymnasium in Buer Abitur gemacht und zunächst Rechts- und Sozialwissenschaften studiert, bevor er als Lehrer arbeitete. Seit den 1980er-Jahren ist er als Filmemacher und Journalist bekannt. Vor seiner Karriere als Regisseur war Bredenbrock beim WDR tätig und hat sich über die Jahre hinweg für geschichtliche Themen interessiert, die er gerne filmisch verarbeitet. Die Gelegenheit, Material eines ABC-Mitarbeiters zu nutzen, der während des Prozesses gefilmt hatte, gab ihm den Anstoß, tiefer in die Materie einzutauchen.
Nach der Filmvorführung wird Bredenbrock für Fragen des Publikums zur Verfügung stehen. Das dürfte spannend werden, denn die Thematik ist komplex. James Earl Ray, der als Mörder Kings gilt, hatte eine bewegte Biografie. Geboren am 10. März 1928 in Alton, Illinois, wurde er bereits früh straffällig. Er verließ die Schule mit 12 Jahren und war nach dem Zweiten Weltkrieg für kurze Zeit Soldat. Sein Leben war geprägt von zahlreichen Verhaftungen, unter anderem wegen Raubüberfällen und Betrugs. Im Jahr 1967 floh er aus dem Gefängnis und mietete sich in einem Zimmer gegenüber dem Lorraine Motel ein, wo er King schließlich erschoss.
Die Kontroversen um den Mord
Die Umstände von Kings Ermordung werfen bis heute Fragen auf. Ray wurde zwar überführt und gestand die Tat, widerrief jedoch drei Tage später seine Aussage und behauptete, Opfer einer Verschwörung zu sein. Eine rätselhafte Figur namens „Raoul“ tauchte immer wieder in seinen Erzählungen auf, angeblich derjenige, der ihn zum Mord angestiftet habe. Interessanterweise besuchte Dexter King, der Sohn von Martin Luther King, Ray im Gefängnis und stellte sich hinter dessen Unschuldsansprüche. Die King-Familie selbst glaubte lange Zeit nicht an Rays Schuld und unterstützte sogar Forderungen nach einer Wiederaufnahme des Verfahrens.
1999 kam es schließlich zu einem Gerichtsverfahren, das die Möglichkeit eines Komplotts untersuchte. Eine Jury entschied, dass Kings Ermordung Teil einer Verschwörung war, an der Mafia-Mitglieder und Regierungsinstitutionen beteiligt waren. Diese Erkenntnisse sind bis heute ein heiß diskutiertes Thema. Der öffentliche Diskurs um die Tat und die Verwicklungen von Ray sind nach wie vor lebendig – der Fall bleibt ein schlagendes Beispiel dafür, wie komplex und vielschichtig die Wahrheit sein kann.
Für Bredenbrock sind die Fragen um Martin Luther King nicht nur Teil seiner Recherchen, sondern auch eine persönliche Mission, die Geschichte neu zu beleuchten. Seine Leidenschaft für die Schauburg und seine unermüdliche Suche nach Antworten machen die bevorstehende Filmvorführung zu einem besonderen Ereignis. Wer sich für Geschichte und die Wahrheiten hinter den Kulissen interessiert, sollte sich diesen Termin nicht entgehen lassen.