In den letzten Monaten hat der Irankrieg die globalen Landwirtschaftssysteme in den Fokus gerückt und die Abhängigkeit von fossilen Energien schonungslos offenbart. Besonders deutlich wird dies in der Produktion von Düngemitteln, die auf Erdöl und Erdgas angewiesen ist. Da die Energiepreise steigen, stockt die Düngemittelproduktion weltweit, was nicht nur die Preise in die Höhe treibt, sondern auch die Versorgungssicherheit gefährdet. Im Schnitt sind die Preise für Dünger um bis zu 50 Prozent gestiegen, was sich bald in den Lebensmittelpreisen niederschlagen könnte, insbesondere im Globalen Süden, wo die Menschen ohnehin oft am Existenzminimum leben.

Die Situation wird zusätzlich durch die Blockade der Straße von Hormus verschärft, einem strategischen Wasserweg, den rund ein Drittel des global gehandelten Düngers passieren muss. Derzeit stecken Schiffe mit über einer Million Tonnen Düngemittel fest. Laut Christiane Grefe von der ZEIT ist es notwendig, die Ernährungssysteme krisenfester und unabhängiger von fossilen Energien zu machen, um zukünftige Engpässe zu vermeiden.

Europäische Landwirte in der Zwickmühle

Auch in Europa sind die Sorgen groß. Der CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM), der im Januar 2023 in Kraft trat, sorgt für zusätzliche Unsicherheiten. Der europäische Bauernverband COPA-COGECA fordert eine vollständige Aussetzung dieses Mechanismus, da er die Einfuhr von Düngemitteln weiter verteuert. Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zeigt sich auch hier deutlich: Zwischen September 2021 und September 2022 stiegen die Preise für Stickstoffdünger in Europa um unglaubliche 149 %. Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass die Importe russischer Düngemittel von 17 % im Jahr 2022 auf etwa 30 % im Jahr 2025 ansteigen werden.

Die neun größten Düngemittelunternehmen haben im Jahr 2022 ihre Gewinnmargen um 36 % gesteigert, während gleichzeitig die Import-Rückgänge von 80 % im Januar 2023 zu verzeichnen waren. Dennoch lagen die Importe im Vormonat über dem Vorjahresniveau. Die Blockade der Straße von Hormus hat die Düngemittelexporte ebenfalls beeinträchtigt, was zu einem Anstieg des Harnstoffpreises um mehr als 45 % seit Kriegsbeginn führte. In Frankreich, der größten Agrarmacht der EU, werden 80 % der Düngemittel importiert, und das Landwirtschaftsministerium setzt auf kurzfristige Maßnahmen, wie gestundete Sozialversicherungsbeiträge, um die Landwirte zu entlasten.

Die Notwendigkeit einer Transformation

Die Herausforderungen der Düngemittelproduktion verdeutlichen die strukturellen Defizite in Deutschland und anderen EU-Mitgliedstaaten, die unter Druck stehen, die Nitratbelastung zu reduzieren. Politische Maßnahmen in Polen konzentrieren sich derzeit auf kurzfristige Unterstützung, ohne eine langfristige Strategie zu verfolgen. Auch wenn die EU-Kommission das Ziel ausgegeben hat, synthetische Düngemittel um 20 % zu reduzieren, blieben wirksame Maßnahmen aus. Bauernproteste in den Niederlanden verdeutlichen, dass es einen großen Widerstand gegen zentrale Regulierungsvorhaben gibt.

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Die Abhängigkeit von Düngemitteln ist nicht nur ein Problem der Landwirtschaft, sondern betrifft direkt die Ernährungssicherheit von etwa 8 Milliarden Menschen weltweit. Laut der FAO stieg die weltweite Produktion von Grundnahrungsmitteln zwischen 2000 und 2022 um 56 %. Diese Entwicklung verdanken wir zum Teil der höheren Pflanzenproduktivität, die durch einen Anstieg des Kohlendioxidgehalts, steigende Temperaturen und den zunehmenden Einsatz von Düngemitteln bedingt ist. Stickstoffdünger sind entscheidend für die Pflanzenproduktion und unterstützen 42 % der weltweiten Geburten im letzten Jahrhundert.

Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen in der Düngemittelproduktion, insbesondere durch das Haber-Verfahren, das Erdgas nutzt, stellt eine ernsthafte Bedrohung für die zukünftige Nahrungsmittelproduktion dar. In Indien etwa betreibt man 32 Produktionsanlagen für Harnstoff, die auf Kohlenwasserstoffen basieren. Die Stilllegung solcher Anlagen könnte katastrophale Folgen für die Nahrungsmittelproduktion haben. Es ist höchste Zeit, dass wir handeln und die Weichen für eine nachhaltigere Landwirtschaft stellen, um die Ernährung von uns allen zu sichern.