In der heutigen digitalen Welt ist es kaum zu übersehen: Soziale Medien haben einen tiefen Einfluss auf das Ernährungsverhalten junger Menschen. Eine aktuelle Broschüre des „Fonds Gesundes Österreich“, erstellt von Experten der AGES, warnt eindringlich vor den gesundheitlichen Folgen, die durch die Nutzung von Plattformen wie TikTok, YouTube und Instagram entstehen können. Der Fokus liegt dabei auf den Werbespots, versteckten Produktplatzierungen, Influencer-Inhalten und Ernährungstrends, die häufig ungesunde Lebensmittel bewerben.
Erstaunlicherweise bewirbt rund ein Viertel der Beiträge auf diesen Plattformen Lebensmittel und Getränke, wobei 70 Prozent dieser Produkte laut dem österreichischen Nährwertprofil nicht für Kinderwerbung geeignet sind. Schlimmer noch, nur 3 Prozent der beworbenen Inhalte sind klar als Werbung gekennzeichnet. Die Mehrheit der Werbung zielt auf ungesunde Produkte ab: Süßigkeiten, salzige Snacks, süße Getränke, Energydrinks und Fast Food stehen dabei im Vordergrund. Laut den Kriterien der WHO sollten sogar bis zu 93 Prozent der beworbenen Lebensmittel nicht an Kinder vermarktet werden, da sie zu viel Fett, Zucker oder Salz enthalten.
Die Auswirkungen auf Essgewohnheiten
Die Studie der Medizinischen Universität Wien, die den Einfluss sozialer Medien auf das Ernährungsverhalten von Kindern und Jugendlichen untersucht hat, zeigt alarmierende Ergebnisse. Ungeeignete Werbeinhalte erhöhen das Risiko für Übergewicht und Adipositas erheblich. Über ein Jahr hinweg wurden Werbebeiträge für Lebensmittel, Getränke und Produktdarstellungen von 61 großen Lebensmittelmarken sowie einflussreichen Influencer:innen in Österreich und Deutschland analysiert. Die Ergebnisse sind eindeutig: Etwa 50 Prozent der Online-Inhalte richten sich direkt an Kinder und Jugendliche, und über 70 Prozent dieser Lebensmittelwerbung ist für sie ungeeignet.
Besonders häufig beworbene Produkte sind Schokolade und Süßwaren (17 Prozent), Limonaden (11 Prozent) sowie Fertiggerichte und Convenience-Lebensmittel (10 Prozent). Bei Influencer:innen sind sogar 57 bis 73 Prozent der Produkte für Kinder ungeeignet. Die Werbung für Lebensmittel mit hohem Fett-, Zucker- und Salzgehalt hat nachweislich einen negativen Einfluss auf das Ernährungsverhalten von Kindern und Jugendlichen und kann zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen.
Der Einfluss von sozialen Medien
Langfristige Nutzung sozialer Medien kann nicht nur den Geschmack, sondern auch die Essgewohnheiten von Kindern gravierend beeinflussen. Mit zunehmender Nutzung steigt die Vorliebe für süße, fettige und salzige Lebensmittel, während die Akzeptanz für bittere Geschmäcker abnimmt. Bilder ungesunder Lebensmittel aktivieren sogar Gehirnregionen, die für Belohnung und Entscheidungsfindung zuständig sind, stärker als Bilder gesunder Alternativen. Kinder, die regelmäßig Werbung für ungesunde Lebensmittel sehen, konsumieren durchschnittlich 32 Prozent mehr Kalorien als ihre Altersgenossen ohne diese Werbekontakte.
Die Rolle von Eltern und Bezugspersonen ist hierbei nicht zu unterschätzen. Sie haben einen entscheidenden Einfluss auf das Essverhalten ihrer Kinder durch Vorbildfunktion und die Verfügbarkeit gesunder Lebensmittel. Die Broschüre „Social Media, Werbung und Ernährung bei Kindern und Jugendlichen“ bietet wertvolle Hintergrundinformationen, Beispiele und Tipps zur Förderung gesunder Ernährung und Medienkompetenz.
Angesichts dieser alarmierenden Entwicklungen fordern Experten Maßnahmen für ein ausgewogenes Werbeumfeld sowie die Förderung gesunder Ernährung für junge Zielgruppen. Die Ergebnisse dieser Studien und die gesammelten Daten unterstreichen die Notwendigkeit, Kinder und Jugendliche vor den negativen Einflüssen ungesunder Werbung in sozialen Medien zu schützen. Denn die Essgewohnheiten und Geschmacksvorlieben, die in der Kindheit geprägt werden, sind oft schwer zu ändern.