Heute ist der 1. Mai 2026, der Tag der Arbeit. Ein Anlass, um die Vielfalt und die Bedeutung der Arbeit in unserem Leben zu würdigen. In Duisburg gibt es einen Mann, der mit seiner Lebensgeschichte ein eindrucksvolles Beispiel für den Wert von Arbeit liefert: Wolfgang Traud. Nach einer langen Karriere im Steinkohlenbergbau, in der er bis zum Bergwerksdirektor aufstieg, hat er seine Leidenschaft für die Menschen nicht verloren. Heute leitet er ehrenamtlich Beerdigungen in seiner Gemeinde und bietet damit Trost in schweren Zeiten.
Wolfgang Traud erinnert sich an seinen ersten Kontakt mit dem Bergbau, der während eines Berufsorientierungstags stattfand. Eine Grubenfahrt im Bergwerk Walsum öffnete ihm die Augen für die besondere Welt unter Tage, geprägt von Dunkelheit, Hitze und langen Schichten. In einem Podcast des Bistums Münster mit dem Titel „kannste glauben“ reflektiert er über seinen Lebensweg und die Bedeutung von Arbeit. Traud beschreibt, dass gute Arbeit für ihn mehr bedeutet als nur Leistung; es geht um Zufriedenheit und ein gutes Gefühl bei der Arbeit.
Von der Dunkelheit ins Licht
Die Arbeit im Bergbau war für Traud geprägt von Teamarbeit und Zusammenhalt. „Bergmannsarbeit ist Teamarbeit – keiner arbeitet allein“, betont er. Diese Erfahrung hat ihn geprägt, nicht nur in seiner Funktion als Führungskraft, in der er Verantwortung für viele Menschen übernehmen musste, sondern auch in seiner heutigen ehrenamtlichen Rolle. Als er gefragt wurde, ob er Beerdigungen begleiten wolle, zögerte er zunächst. Doch die Wichtigkeit des Vertrauens und des Zuhörens, die er in seiner neuen Aufgabe sieht, überzeugten ihn, das Angebot anzunehmen.
„Mit einem hörenden Herz den Menschen zuzuhören – das ist ja auch schon Glaube“, sagt Traud. Diese Fähigkeit, die er als zentral für seine Arbeit erachtet, kommt nicht nur den Angehörigen zugute, die in schweren Lebensphasen Unterstützung suchen, sondern bereichert auch sein eigenes Leben. Die Verbindung zwischen seiner Vergangenheit im Bergbau und seiner aktuellen ehrenamtlichen Tätigkeit wird durch die Werte von Zusammenhalt und Menschlichkeit gestärkt.
Die Geschichte des Bergbaus
Wolfgang Trauds Lebensweg ist Teil einer größeren Geschichte, die im Ruhrgebiet tief verwurzelt ist. Die industrielle Vergangenheit lässt sich noch heute an Fördergerüsten, Bergehalden und Wasserwegen ablesen. Trotz der Veränderungen, die der Steinkohlenbergbau seit den 1950er-Jahren erlebt hat, bleibt das Bild der Bergleute oft klischeehaft und reduziert auf stereotype Darstellungen. Dabei waren im Ruhrbergbau damals rund 500.000 Menschen beschäftigt, eine Zahl, die die immense Bedeutung dieser Branche für die Region unterstreicht.
Das Oral History-Projekt „Menschen im Bergbau“ dokumentiert die Erfahrungen von Bergleuten und gibt einen Einblick in die verschiedenen Hierarchieebenen der Bergbauindustrie. Diese Perspektiven zeigen, dass die Arbeitswelt unter Tage nicht nur von Kameradschaft, sondern auch von Hierarchie und Autoritätsdenken geprägt war. Die Veränderungen im Betriebsklima seit den 1950er-Jahren verdeutlichen, wie wichtig die gesetzliche Stärkung der Betriebsräte für eine gerechtere Arbeitsumgebung war.
Wolfgang Traud ist ein lebendiges Zeugnis dafür, wie Arbeit Menschen prägt und wie der Wandel in der Arbeitswelt individuelle Lebenswege beeinflusst. Sein Engagement in seiner Gemeinde ist ein Lichtblick und erinnert uns an die Werte, die uns in der Arbeit und im Leben wichtig sind. Die komplette Podcast-Folge mit seinen Erlebnissen und seiner Sicht auf Arbeit ist auf www.kannste-glauben.de sowie auf Plattformen wie Spotify, Apple Podcasts, Deezer und YouTube verfügbar.