In einer spannenden Entwicklung haben sich acht bedeutende See- und Binnenhäfen zu einer Allianz zusammengeschlossen, die den Namen „Deutsche Seehäfen“ trägt. Zu den Mitgliedern dieser neuen Gemeinschaft zählen unter anderem Niedersachsen Ports (NPorts), die Hamburg Port Authority, Bremenports, der Rostock Port sowie die Lübeck Port Authority. Auch der Brunsbüttel Ports, der Seehafen Kiel und der Duisburger Hafen sind Teil dieser Initiative. Mit dieser Allianz wollen die Häfen als gemeinsame Ansprechpartner für Bund und Länder agieren, vor allem wenn es um Herausforderungen wie Energiewende, Infrastrukturmodernisierung, Resilienz und Sicherheit geht.
Die Forderungen der Allianz sind klar und deutlich. Sie verlangen, dass die Häfen als Infrastruktur von nationaler Bedeutung anerkannt werden, um eine stärkere finanzielle Unterstützung des Bundes zu erhalten – insbesondere für Bereiche wie Energie und Sicherheit. Auch schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren stehen auf der Wunschliste. Laut Schätzungen besteht ein Modernisierungsbedarf der Häfen von rund 15 Milliarden Euro. Ein erster öffentlicher Auftritt, bei dem die Positionen dieser Allianz präsentiert werden, findet am 10. Juni um 18.30 Uhr in der Hamburger Landesvertretung in Berlin statt. Tino Klemm, der CFO der Hamburg Port Authority, hebt hervor, wie wichtig verlässliche politische und finanzielle Rahmenbedingungen für die nationale Bedeutung der Häfen sind.
Häfen als Schlüsselakteure für die Zukunft
Die Allianz wird vom Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) unterstützt, der jedoch auch anmerkt, dass diese Initiative eine zeitlich begrenzte Maßnahme darstellt. In Anbetracht der gegenwärtigen Herausforderungen ist die Bildung dieser Allianz jedoch mehr als nur ein strategischer Schachzug. Moderne, nachhaltige See- und Binnenhäfen sind entscheidend für ein klimafreundliches Deutschland und eine starke Volkswirtschaft.
Der Koalitionsvertrag der 20. Legislaturperiode fordert die Entwicklung einer Nationalen Hafenstrategie, die am 20. März 2024 vom Bundeskabinett beschlossen wurde. Diese Strategie folgt auf das Nationale Hafenkonzept von 2015 und hat das Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit der Häfen angesichts von Herausforderungen wie dem Klimawandel, dem Ukraine-Konflikt, der Covid-19-Pandemie, dem Brexit und den Veränderungen im Welthandel zu stärken. Die Nationale Hafenstrategie umfasst fünf Handlungsfelder, darunter die Entwicklung der Häfen als nachhaltige Knotenpunkte für die Energiewende und die digitale Transformation.
Ein Blick in die Zukunft
Am 3. Juli 2023 fand in Berlin eine Statuskonferenz zur Nationalen Hafenstrategie statt. Diese Konferenz bot interessante Einblicke in den Erarbeitungsprozess und den aktuellen Stand der Dinge. Arbeitsgruppen wurden ins Leben gerufen, um die fünf Handlungsfelder weiter auszuarbeiten und die Herausforderungen der kommenden zwei Jahrzehnte zu untersuchen. So wird beispielsweise auch die Studie „Energiehäfen der Zukunft“ durchgeführt, um die spezifischen Herausforderungen für die See- und Binnenhäfen zu beleuchten.
Die Veröffentlichung der Nationalen Hafenstrategie ist ein wichtiger Schritt, um den Auftrag aus dem Koalitionsvertrag zu erfüllen. Diese Strategie soll als „living document“ betrachtet werden, das kontinuierlich aktualisiert und ergänzt werden kann. Langfristig gesehen könnte dies die Weichen für eine zukunftsfähige Hafenwirtschaft stellen, die den Anforderungen der modernen Welt gerecht wird. Die Häfen stehen also vor einer spannenden Zeit, und man darf gespannt sein, wie sich die Allianz „Deutsche Seehäfen“ und die Nationale Hafenstrategie in der Praxis entwickeln werden.