Radfahren im Regen: Düsseldorf zeigt, wie Critical Mass für eine grüne Zukunft kämpft
Die Critical Mass (CM) in Düsseldorf hat wieder einmal bewiesen, dass es kein schlechtes Wetter für Radbegeisterte gibt. Am Freitag, den 12. Juni, versammelten sich rund 30 Radlerinnen am Fürstenplatz, bereit, die Straßen der Stadt zu erobern. Mit regensicheren Outfits und einem unerschütterlichen Enthusiasmus ging es auf eine etwa 20 Kilometer lange Tour, die durch den Hafen und über den Volmerswerther Deich führte. Es war ein Anblick der besonderen Art: Die Fahrräder schimmerten im Nieselregen, während die Soundbikes mit einer internationalen Playlist für Stimmung sorgten – von niederländischen über spanische bis hin zu ukrainischen und französischen Klängen.
Die Teilnehmerinnen waren ein bunt gemischter Haufen, der sich nicht von den Wetterbedingungen abhalten ließ. Einige von ihnen sorgten an den Kreuzungen für die Sicherheit der Gruppe, während andere einfach nur die Freiheit auf zwei Rädern genossen. Es ist ein faszinierendes Phänomen: Wenn mindestens 15 Radlerinnen zusammenkommen, gilt das bereits als Critical Mass. Und das bedeutet, dass sie gemäß Paragraph 27 der Straßenverkehrszulassungsordnung nebeneinander fahren dürfen, ohne sich um den fließenden Verkehr zu kümmern. Der letzte Radler hat sogar die Erlaubnis, bei Rot über die Ampel zu fahren, solange der erste bei Grün gefahren ist. Das hat schon etwas Rebellisches, nicht wahr?
Ein Teil einer weltweiten Bewegung
Critical Mass ist weit mehr als nur ein Radlerinnen-Treffen. Es ist eine Bewegung, die weltweit Menschen zusammenbringt, um Aufmerksamkeit auf den Radverkehr als nachhaltige Form des Individualverkehrs zu lenken. Mit ähnlichen Veranstaltungen in Städten wie Hamburg, Köln und Berlin zeigt Düsseldorf, dass auch hier der Wunsch nach einer Verkehrswende und einer fahrradfreundlichen Stadt stark ausgeprägt ist. Die Teilnehmerinnen erobern temporär den öffentlichen Raum zurück und setzen ein Zeichen für umweltverträgliche Mobilität.
In Marburg beispielsweise trifft sich die CM jeden dritten Donnerstag im Monat am Firmaneiplatz, wo mehr als 15 Radlerinnen durch die Innenstadt fahren. Dort, wie auch hier in Düsseldorf, wird sichtbar, dass der motorisierte Verkehr nicht die einzige Möglichkeit ist, sich fortzubewegen. Mit der Critical Mass wird nicht der Verkehr blockiert, sondern vielmehr wird bewiesen, dass Fahrradfahren Teil des Verkehrs ist – und das auf eine ganz eigene, charmante Art und Weise.
Umweltfreundliche Fortbewegung
Radfahren hat nicht nur einen sozialen Aspekt, sondern auch einen enormen ökologischen Nutzen. Denn während der Verkehr im Jahr 2023 für über 22 % der bundesweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich war, verursacht das Radfahren keine schädlichen Klimagase. Eine Person, die täglich nur 5 Kilometer mit dem Rad zur Arbeit fährt, kann jährlich etwa 365 kg CO2-Emissionen einsparen. Das macht das Fahrrad zu einem idealen Verkehrsmittel, besonders für kürzere Strecken – über 40 % der Autofahrten sind kürzer als 5 Kilometer.
Außerdem ist der Platzbedarf von Fahrrädern deutlich geringer als der von Autos. Auf einem einzigen Autoparkplatz können etwa acht Fahrräder abgestellt werden. Betrachtet man die Verkehrsflächen in Deutschland, wird schnell klar, dass der motorisierte Straßenverkehr den Großteil beansprucht. Eine Verlagerung hin zu Rad- und Fußverkehr könnte nicht nur Luftschadstoffe verringern, sondern auch die Lebensqualität in den Städten verbessern. Verkehrslärm, ein oftmals unterschätztes Übel, könnte dadurch ebenfalls reduziert werden. Es liegt also in unserer Hand, die Städte lebenswerter zu gestalten, und die Critical Mass ist ein kleiner, aber wichtiger Schritt in diese Richtung.
