Am 2. März 2026 veröffentlichte Dana Kessler in Tel Aviv einen eindringlichen Artikel mit dem Titel „Under Rocket Fire“. Dieser Artikel beleuchtet die alarmierenden Herausforderungen, mit denen die israelische Bevölkerung konfrontiert ist, insbesondere in Anbetracht der jüngsten Ereignisse, die mit einem Sirenenalarm begannen, der zwei Tage zuvor um 8 Uhr morgens die Menschen aus dem Schlaf riss. Inmitten dieser angespannten Lage thematisieren auch andere Artikel und Vorträge des Monats März 2026 wichtige Aspekte des jüdischen Lebens und der gesellschaftlichen Herausforderungen in Israel und darüber hinaus.
So fand am 22. Februar 2026 ein Vortrag von Alexander Yakobson im Van Leer Jerusalem Institute statt, der sich mit der Förderung eines gemeinsamen israelischen Identitätsgefühls auseinandersetzte. Jonathan Myers behandelte in seinem Artikel „Bipolar Antisemitism: The contradictory logic of Jew-Hate“ die komplexen und oft widersprüchlichen Facetten des Antisemitismus. Sam Shube beleuchtet in „Despair is not an option | Thoughts from the Gaza Envelope“ die Resignation unter Israelis und Diaspora-Juden. Zudem wird die Krise der europäischen Juden und die Herausforderungen, mit denen diese konfrontiert sind, in einem Artikel von Dov Maimon thematisiert.
Antisemitismus im Wandel
Der Kontext des Antisemitismus hat sich in den letzten Jahren dramatisch verändert. Nach den verheerenden Hamas-Angriffen auf Israel am 7. Oktober 2022 kam es zu einem anhaltenden Krieg in Gaza, was nicht nur zu einem Anstieg der Gewalt führte, sondern auch die antisemitischen Vorfälle weltweit in die Höhe schnellen ließ. In den USA verdreifachten sich antisemitische Straftaten in der Woche nach den Angriffen, während im Vereinigten Königreich die Vorfälle um 1.353% anstiegen. In Australien wurden in derselben Zeit 37 antisemitische Vorfälle gemeldet – ein dramatischer Anstieg im Vergleich zur Vorwoche.
Die Debatte über Antisemitismus ist komplex und vielschichtig. Der Begriff „neuer Antisemitismus“ wird von verschiedenen Autoren wie Shalom Lappin verwendet, der argumentiert, dass dieser Anstieg im Kontext von wachsender Ungleichheit und Anti-Globalisierungsbewegungen verstanden werden muss. Lappin identifiziert drei Strömungen des Antisemitismus: von der Rechten, der Linken und dem radikalen Islam. Kritisch wird auch die Rolle populistischer autoritärer Bewegungen betrachtet, die mit einem Wiederaufleben des Antisemitismus in mehreren westlichen Ländern, insbesondere in Europa, einhergeht.
Kritik an Israel: Ein zweischneidiges Schwert
Die Frage der Kritik an Israel ist ein besonders heikles Thema. Kritik an Israel ist nicht per se antisemitisch, doch die Überschneidungen zwischen Antisemitismus und Feindseligkeit gegenüber dem jüdischen Staat sind nicht zu ignorieren. Lappin plädiert für eine Differenzierung und erkennt die gleichwertigen Ansprüche der Palästinenser auf Anerkennung und Souveränität an. Zudem fordert er eine neue progressive Politik zur Bekämpfung der Ursachen des Antisemitismus.
Im politischen Diskurs sind die beiden Definitionen des Antisemitismus, die IHRA-Definition und die Jerusalemer Erklärung (JDA), von zentraler Bedeutung. Während die IHRA-Definition bestimmte Aussagen über Israel als potenziell antisemitisch einstuft, versucht die JDA, Antizionismus vom Verdacht des Antisemitismus freizusprechen. Diese Kontroversen verdeutlichen die Notwendigkeit, dass in der deutschen Debatte über Israel und Antisemitismus Expertise und differenzierte Ansichten gefordert sind.
Die Bedeutung einer differenzierten Diskussion
Eine sachkundige Auseinandersetzung mit dem Israel-Palästina-Konflikt ist elementar, um die komplexen historischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge zu verstehen. Die Debatte um Antisemitismus erfordert eine sorgfältige Analyse und das Vermeiden von Missbrauch der Definitionen, die sowohl in der IHRA-Definition als auch in der JDA zu finden sind. Es ist wichtig, ein friedliches und gleichberechtigtes Zusammenleben beider Völker als zentralen Imperativ jeder Lösungsidee zu betrachten.
Insgesamt steht die Welt vor der dringenden Herausforderung, den Antisemitismus zu bekämpfen und gleichzeitig die legitimen Anliegen aller Beteiligten im Israel-Palästina-Konflikt zu berücksichtigen. Nur durch Verständnis, Dialog und eine differenzierte Sichtweise können wir hoffen, eine friedliche Koexistenz zu erreichen.