Am Banter See in Wilhelmshaven herrscht reges Treiben. Die Flussseeschwalben sind zurück und haben sich von den düsteren Folgen der Vogelgrippe erholt. In diesem Jahr sind bereits 586 Küken geschlüpft, und die Kolonie zählt nun 334 Nester. Es ist ein wahrhaft „super Start in die Saison“, wie Stationsleiterin Dr. Nathalie Kürten begeistert berichtet. Der Rückkehr von 458 Vögeln steht ein gutes Nahrungsangebot gegenüber. Hering, Stint und Wittling – das sind die Hauptnahrungsquellen, die die gefiederten Eltern satt und glücklich machen.

Die Brut- und Schlupfzeit erstreckt sich bis Ende August, und das Wetter spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Leider sind bereits zehn Jungtiere aufgrund von schlechtem Wetter verloren gegangen. Starkregen, kalter Wind und die drohende Kälte können den kleinen Küken ganz schön zusetzen. Um die Gesundheit der Vögel zu überwachen, wurden 119 Blutproben gesammelt, um Antikörper gegen die Vogelgrippe zu überprüfen. Auch das Monitoring von Quecksilber und Plastik gehört zur täglichen Routine, denn die Natur hat genug zu kämpfen.

Forschung für die Zukunft

Interessanterweise fließen in die Forschung über die Flussseeschwalben auch Erkenntnisse über die Nahrungsnetzbeziehungen zwischen diesen Vögeln und den Fischen in der Jade. Ein Forschungsbericht von Dr. Andreas Dänhardt und Peter H. Becker legt offen, wie entscheidend die Versorgung mit kleinen Schwarmfischen für die Flussseeschwalben ist. Von der Eiablage über das Kükenwachstum bis hin zum Jagdverhalten – alles hängt eng zusammen. Die Daten stammen aus der Kolonie am Banter See sowie aus einer Langzeituntersuchung von pelagischen Fischen im Jadebusen, die von der Nationalparkverwaltung durchgeführt wurde.

Die Ergebnisse zeigen eine klare Korrelation: Je mehr junge Nordseeheringe es gibt, desto besser ist der Bruterfolg der Seeschwalben. Hohe Beutedichte, milde Winde ohne Regen und Wassertemperaturen unter 22°C fördern die Reproduktion. Und das ist nicht nur wichtig für die Vögel selbst, sondern auch für die gesamte Region. Schließlich haben diese kleinen Geschöpfe eine transkontinentale Zugroute, die sich über das Wattenmeer hinaus erstreckt.

Eine bedrohte Art

Die Flussseeschwalbe steht auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Vögel. Das Bewusstsein für ihren Schutz wächst, und die Forschungsarbeit ist daher von entscheidender Bedeutung. Ein Projekt zur Langzeitstudie über die Auswirkungen der Vogelgrippe bei der Flussseeschwalbe zeigt, wie ernst die Lage ist. Die hochpathogene Vogelgrippe, die seit Mai 2022 für Massensterben bei Seevögeln sorgt, ist eine große Bedrohung. Klimawandel und Umweltverschmutzung setzen den Tieren zusätzlich zu. Der Schutz ihrer natürlichen Umgebung ist also unerlässlich.

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Die Forschungsmethoden sind vielfältig: Von Abstrichen zur Feststellung von Vogelgrippe bei Altvögeln und Küken über die Transpondermarkierung zur Überwachung der Reproduktionsleistung bis hin zu Blutprobenentnahmen, um den Antikörperspiegel zu überprüfen. Außerdem werden Geolokatoren angebracht, um das Verhalten der Vögel außerhalb der Brutsaison zu analysieren. Dabei wird natürlich darauf geachtet, dass das natürliche Verhalten der Vögel nicht beeinträchtigt wird – ein wichtiger Punkt für den Tierschutz.

Besucher haben die Möglichkeit, die Flussseeschwalben und die spannende Forschungsarbeit im angrenzenden Infozentrum zu beobachten. Am 28. Juni finden zudem besondere Führungen im Rahmen des Tags des Denkmals statt. Ein Highlight für alle Natur- und Tierliebhaber! Und vielleicht hast du ja auch eine Idee für einen Namen für eines der 76 Küken, die 2024 geschlüpft sind. Die Flussseeschwalben-Kolonie am Banter See ist eine der letzten großen in Niedersachsen – ein Ort, der nicht nur die Vögel, sondern auch das Herz seines Publikums erobert.