Heute ist der 12.05.2026 und in Verden bleibt die Erinnerung an Franz Goldmann lebendig, auch wenn sein Grab in diesem Jahr ungeschmückt bleibt. Die Goldmann-Stiftung, die seit 1818 dieses Andenken pflegt, hat eine besondere Tradition: Jedes Jahr wird das Grab von einer sogenannten „Goldmann-Braut“ geschmückt. Doch in diesem Jahr fand sich leider keine Braut, die diese ehrenvolle Aufgabe übernehmen wollte. Ein bisschen schade, oder? Denn die Tradition hat nicht nur einen nostalgischen Charme, sie ist auch ein Teil der Stadtgeschichte.
Die vorgesehenen 30 Thaler, die normalerweise als Belohnung an die Braut gehen, fließen nun in den Fachbereich Straßen und Stadtgrün. Bürgermeister Lutz Brockmann übergab symbolisch eine digitale Überweisung an Kevin Klinge und Pascal Lange – die Summe von etwa 45 Euro wird zur Straßenunterhaltung genutzt. Pascal erwähnte, dass das Geld insbesondere für die Ausbesserung von Schlaglöchern verwendet werden kann. Nach einem harten Winter mit vielen Frostschäden ist das auch dringend notwendig.
Ein Blick in die Geschichte
Der Todestag von Franz Goldmann, der am 11. Mai 1818 bei einem Jagdunfall verstarb, ist für die Stadt ein wichtiger Gedenktag. Auf dem Domfriedhof fand er seine letzte Ruhestätte. Sein Vater schloss mit dem Bürgermeister eine Vereinbarung, die besagt, dass eine „unbescholtene und tugendhafte Braut“ sein Grab schmücken soll. Diese Braut hat die Aufgabe, am Vortag ihrer Hochzeit ein stilles Gebet zu verrichten. Eine schöne, ehrwürdige Tradition, wenn man darüber nachdenkt.
Die 1000 Thaler, die Goldmann senior stiftete, existieren heute nicht mehr – die Stadt verwendete sie 1823 zur Begleichung von Kriegsschulden. Die Braut erhielt damals 30 Thaler, die aber erst neun Monate nach der Hochzeit ausgezahlt wurden, sofern kein Nachwuchs geboren wurde. Und ja, die Stadt ließ sich etwas einfallen: Nach der Grabschmückung gab es sogar ein Hochzeitsgeschenk für die Braut! Ein wirklich netter Brauch, der zeigt, wie sehr die Gemeinschaft zusammenhält.
Weckruf zur Tradition
Angelika Revermann, die Abteilungsleiterin für Stadtmarketing, kümmert sich um diese Tradition und hofft, dass sich vielleicht 2028 wieder eine Goldmann-Braut findet. Ihr Optimismus ist ansteckend. Die Vorbereitungen für die Domweih, die in etwa zwei Wochen beginnen, könnten auch dazu beitragen, das Interesse an dieser besonderen Tradition zu wecken. Vielleicht gibt es ja unter den zukünftigen Bräuten jemanden, der sich in den nächsten Jahren für diese ehrenvolle Aufgabe meldet.
Es ist schön zu sehen, wie die Stadt sich um ihre Traditionen bemüht und gleichzeitig pragmatisch mit den Herausforderungen des Alltags umgeht. Traditionspflege und moderne Bedürfnisse – das ist kein Widerspruch, sondern eine spannende Balance. Die Straßen müssen in Schuss gehalten werden, und gleichzeitig darf der Geist von Franz Goldmann nicht in Vergessenheit geraten. Ein bisschen wie im Leben: Man muss beides im Blick haben.