Heute ist der 6.05.2026, und hier in Verden dreht sich alles um ein Thema, das viele Menschen betrifft: die Honorarkürzungen für Psychotherapeuten. Seit diesem Monat müssen die Psychotherapeuten in Deutschland mit 4,5 Prozent weniger Honorar auskommen. Das hat der erweiterte Bewertungsausschuss (E-BA) beschlossen, ein Gremium, in dem Vertreter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und des GKV-Spitzenverbandes sitzen. Die KBV hat sich zwar gegen diese Kürzungen ausgesprochen, aber das hat nicht geholfen – die Entscheidung wurde überstimmt.

Die Begründung für die Honorarkürzung ist, dass die Honorare in den letzten Jahren überproportional gestiegen sind. Doch viele Psychotherapeuten und ihre Verbände sehen das anders. Sie warnen vor den Gefahren, die diese Entscheidung mit sich bringt, insbesondere für die Versorgung psychisch erkrankter Menschen. Die Sorgen sind nicht unbegründet – in den letzten Wochen gab es bundesweite Proteste, unter anderem in Hannover, Ulm und Berlin. Psychotherapeuten in Verden berichten von finanziellen Einbußen von mehreren Hundert Euro pro Monat. Besonders problematisch sind die steigenden Kosten für technische Ausrüstung wie Telematikinfrastruktur und elektronische Patientenakten. Wer kann sich das alles leisten?

Ein Beruf in der Krise

Die Anforderungen an Psychotherapeuten steigen, während gleichzeitig die Rahmenbedingungen immer herausfordernder werden. Die geforderten 36 Behandlungsstunden pro Woche werden von vielen als unrealistisch angesehen. Da bleibt oft wenig Raum für Akutfälle – und die gibt es nun mal auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten. Es ist frustrierend, denn die Gehaltskürzung wird als kurzfristig gedacht bezeichnet. Langfristig gesehen könnte eine gute psychotherapeutische Versorgung sogar Kosten für Krankenkassen senken, aber das wird anscheinend nicht berücksichtigt.

Die finanzielle Belastung wird immer größer. Allein die Krankenversicherung schlägt mit 1200 Euro zu Buche. Zunehmend wird der Beruf des Psychotherapeuten als weniger attraktiv wahrgenommen, was zu einem Mangel an Nachwuchs führen könnte. Das ist besonders bitter, wenn man bedenkt, dass Patienten teilweise bis zu zwei Jahre auf einen Therapieplatz warten müssen. Man fragt sich: Wo soll das alles hinführen?

Warnung vor negativen Folgen

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) hat die Honorarkürzungen ebenfalls scharf kritisiert. Sie warnen, dass diese Kürzungen ein falsches Signal setzen, besonders in Zeiten, in denen die psychischen Belastungen in der Bevölkerung steigen. Prof. Dr. Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank, die Präsidentin der DGPPN, weist darauf hin, dass vor allem psychisch erkrankte Menschen die Leidtragenden dieser Entscheidung sind. Es ist alarmierend, dass die psychische Gesundheit nicht als wichtiger Bestandteil des Gesundheitssystems angesehen wird und stattdessen als Sparposten betrachtet wird.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die DGPPN hebt hervor, dass Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen, die intensive und langfristige Behandlungen brauchen, bereits Schwierigkeiten haben, Zugang zu geeigneten Therapieangeboten zu bekommen. Die finanziellen Kürzungen schwächen die ambulanten Strukturen und könnten fatale Folgen haben. Daher fordert die DGPPN eine sinnvolle Steuerung der Ressourcen anstelle von Kürzungen – schließlich sollten die, die am dringendsten Hilfe benötigen, auch die Unterstützung bekommen, die sie verdienen.

In einer Zeit, in der psychische Gesundheit so wichtig ist, könnte man sich wünschen, dass mehr Aufmerksamkeit auf die Bedürfnisse der Betroffenen gelegt wird, anstatt einfach zu kürzen. Die aktuellen Entwicklungen lassen uns hoffen, dass sich bald etwas ändern wird – für die Therapeuten und vor allem für die Patienten.