Heute ist der 27.04.2026. Im Landgericht Verden hat der Prozess gegen die 67-jährige Daniela Klette begonnen, die sich wegen versuchten Mordes, versuchtem und vollendetem schweren Raub sowie unerlaubtem Waffenbesitz verantworten muss. Klette, die in Berlin festgenommen wurde, trägt einen schwarzen Pullover und dunkelblaue Jeans. Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen sie aufgrund von 13 Überfällen, die sie zusammen mit den mutmaßlichen ehemaligen RAF-Mitgliedern Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg begangen haben soll. Letztere sind weiterhin flüchtig und werden mit der Durchführung dieser Verbrechen in Verbindung gebracht.
Die Überfälle fanden zwischen 1999 und 2016 in verschiedenen Bundesländern, darunter Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein, statt. Klette soll während dieser Taten meist das Fluchtauto gefahren haben. Die Vorgehensweise der Verdächtigen war „arbeitsteilig und äußerst konspirativ“: Sie verkleideten sich mit Perücken, falschen Schnurrbärten sowie Sturmhauben und Tüchern und mieteten Fahrzeuge unter falschen Namen. Zudem spionierten sie Tatorte aus und planten die Verteilung der Beute im Voraus. Die Beute der Überfälle soll insgesamt 2,7 Millionen Euro betragen haben.
Die Überfälle und ihre Konsequenzen
Am 6. Juni 2015 stoppte das Trio einen Geldtransporter, wobei sie mehrere Schüsse abgaben. Glücklicherweise blieben die Geldboten unverletzt, doch die Staatsanwaltschaft sieht in diesem Vorfall einen bedingten Tötungsvorsatz, da der Tod eines Menschen nicht das Ziel war, aber in Kauf genommen wurde. Der Überfall wurde abgebrochen, und die Täter flohen ohne Beute. In Klettes Wohnung wurden zahlreiche Beweismittel sichergestellt, darunter eine täuschend echt aussehende Panzerfaust, ein Sturmgewehr, eine Maschinenpistole, ein Kilogramm Gold und über 240.000 Euro Bargeld. Zudem fanden die Ermittler Fotos, Skizzen und Aufzeichnungen von ausspionierten Supermärkten und Polizeiwachen.
Die Anklage umfasst nicht nur die Überfälle auf Geldtransporter und Supermärkte, sondern auch die Beteiligung an einem Haftbefehl wegen Verdachts der Mitwirkung an Terroranschlägen in den 1990er Jahren. Es ist unklar, wie die Halle, in der der Prozess stattfindet – ein umgebauter Gerichtssaal aus einer Reithalle, dessen Miete und Umbaukosten rund 3,6 Millionen Euro für zwei Jahre betragen – nach dem Verfahren genutzt werden soll. Hohe Sicherheitsvorkehrungen sind während des Prozesses getroffen worden, mit Justizbeamten und Polizisten, die mit Maschinenpistolen vor dem Gericht postiert sind.
Rechtslage und öffentliche Resonanz
Obwohl die Mitgliedschaft in der RAF verjährt ist, könnte Klette wegen drei Anschlägen zwischen 1990 und 1993 vor Gericht kommen. Ein weiterer Prozess vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main steht noch aus. Die Verteidigung kritisiert den Umgang mit Klette in der Untersuchungshaft und fordert ein faires Verfahren, während sie gesondert behandelt wird. Unterstützer der Angeklagten haben sich vor dem Oberlandesgericht Celle versammelt, was die öffentliche Resonanz auf diese aufsehenerregende Verhandlung unterstreicht.
In einem Prozess, der nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die gegenwärtige Sicherheitslage in Deutschland reflektiert, bleibt abzuwarten, wie sich die rechtlichen und gesellschaftlichen Konsequenzen entwickeln werden. Das Verfahren könnte weitreichende Implikationen für das Verständnis von Terrorismus und Kriminalität in der Bundesrepublik haben.