In der beschaulichen Stadt Verden, unweit von Bremen, steht ein außergewöhnliches Gerichtsverfahren kurz vor dem Abschluss. Daniela Klette, eine ehemalige Terroristin der Roten Armee Fraktion (RAF), die über 30 Jahre im Untergrund lebte, wurde Ende 2024 in Berlin festgenommen. Der Prozess am Landgericht Verden, der ein Jahr nach ihrer Festnahme begann, zieht nun die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich, während die Staatsanwaltschaft am kommenden Dienstag ihr Plädoyer hält.
Klette sieht sich schweren Vorwürfen gegenüber: versuchter Mord aus Habgier, versuchter und vollendeter schwerer Raub als Mitglied einer Bande sowie unerlaubter Waffenbesitz. Die Anklage umfasst auch Verstöße gegen das Waffengesetz und das Kriegswaffenkontrollgesetz. Von 1999 bis 2016 soll sie gemeinsam mit ihren Komplizen Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg, die nach wie vor flüchtig sind, 13 Überfälle in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein begangen haben. Ihre Taktik war dabei auffällig konspirativ: Sie trugen Verkleidungen und planten die Überfälle bis ins kleinste Detail.
Die Beweislage und die Folgen einer Verurteilung
Im Zuge der Ermittlungen wurden in Klette’s Wohnung brisante Beweise sichergestellt, darunter Waffen, Gold und Bargeld. Auch DNA-Mischspuren in Fluchtautos könnten sie belasten, jedoch gibt es Zweifel an der Beweissicherung. Bei einer Verurteilung droht Klette eine mehrjährige Haftstrafe. Die Strafen für schweren Raub beginnen bei mindestens drei Jahren, während besonders schwerer Raub mit mindestens fünf Jahren geahndet wird. Auch der unerlaubte Waffenbesitz könnte sie in ernsthafte Schwierigkeiten bringen, da dieser mit Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und fünf Jahren, in schweren Fällen sogar bis zu zehn Jahren bestraft wird.
Zusätzlich könnte Klette wegen drei weiteren Anschlägen zwischen 1990 und 1993 vor Gericht kommen. Die Bundesanwaltschaft hat bereits Anklage wegen versuchten Mordes, Sprengstoffanschlägen und anderen Vergehen erhoben. Das Gericht, das für diesen Prozess extra aus einer Reithalle umgebaut wurde, hat Kosten von rund 3,6 Millionen Euro verursacht. Die Nutzung des umgebauten Gerichtssaals nach dem Verfahren bleibt unklar, der Vertrag läuft bis Mai 2027.
Ein Blick auf die Geschichte der RAF
Die Geschichte der RAF ist geprägt von Gewalt und Terror. Bereits 1970 kam es zur ersten Aktion der Gruppe mit der Baader-Befreiung. Die RAF führte zahlreiche Bombenanschläge und Überfälle durch, um ihre politischen Ziele zu verfolgen. Zu den bekanntesten Anschlägen zählt der Bombenanschlag auf den Terrace Club in Frankfurt am Main im Mai 1972, der mit 300 Schüssen und einer Festnahme von Mitgliedern endete. Die Haftbedingungen der RAF-Mitglieder wurden oft als „Isolationsfolter“ bezeichnet, was zu öffentlichen Protesten und Hungerstreiks führte.
Die Umstände rund um die RAF und die Verbrechen, die Klette begangen haben soll, werfen Fragen auf über die Gesellschaft, die sich mit den Schatten ihrer Vergangenheit auseinandersetzen muss. Während der Prozess gegen Klette seinen Lauf nimmt, bleiben die Erinnerungen an die Rote Armee Fraktion in der deutschen Geschichte unvergessen. Die aktuellen Ereignisse in Verden sind nicht nur eine juristische Auseinandersetzung, sondern auch ein Stück Erinnerung an eine Zeit, die viele geprägt hat und deren Nachwirkungen bis in die Gegenwart spürbar sind.