In der kleinen Stadt Verden geht es zurzeit hoch her. Die mutmaßliche Serienräuberin Daniela Klette, einst Mitglied der berüchtigten Rote Armee Fraktion (RAF), steht seit März 2025 vor dem Landgericht Verden. Die Staatsanwaltschaft hat es auf sie abgesehen und wirft ihr bewaffnete Raubüberfälle mit einer Beute von über zwei Millionen Euro vor. Am Mittwoch könnte das Urteil verkündet werden. Eine spannende und zugleich erschreckende Geschichte, die die Bewohner und die Medien in Atem hält.
Die Angeklagte, die über 30 Jahre im Untergrund lebte, trägt schlichte, gepflegte Kleidung und wirkt im Gerichtssaal erstaunlich entspannt. Sie lächelt, winkt ihren Unterstützern zu und hat ein inniges Verhältnis zu ihren Anwälten, Lukas Theune und Undine Weyers. Es ist schwer, sich vorzustellen, dass diese Frau, die in einer umgebauten Reithalle am Stadtrand von Verden vor Gericht steht – einem Hochsicherheitstrakt, der mit 3,6 Millionen Euro renoviert wurde – für so viele Verbrechen verantwortlich sein soll.
Ein Leben im Untergrund
Klette und ihre mutmaßlichen Komplizen, Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg, gehörten zur RAF, die in den 70er Jahren für ihre gewaltsamen Aktionen bekannt war. Die Gruppe wurde 1998 aufgelöst, doch Klette blieb bis zu ihrer Festnahme im Februar 2024 in Berlin auf der Flucht. In ihrer Wohnung wurden Waffen, Munition, Geld und sogar eine täuschend echt aussehende Panzerfaust gefunden. Ein Leben im Untergrund, geprägt von falschen Identitäten und ständiger Angst vor Entdeckung.
Im Gericht spricht Klette über die Raubüberfälle, die zwischen 1999 und 2016 stattfanden. Sie räumt zwar kein direktes Mitwirken an den Taten ein, äußert jedoch Bedauern über das Leid der Opfer, darunter Geldboten und Kassenpersonal. Die Staatsanwaltschaft verlangt eine 15-jährige Haftstrafe, während ein Opferanwalt elf Jahre Haft fordert, aber die Tat nicht als versuchten Mord bewertet. Der Mandant des Anwalts, ein Fahrer eines Geldtransporters, leidet bis heute unter den Folgen eines Überfalls, bei dem er beschossen wurde.
Politische Botschaften im Gerichtssaal
Klette nutzt den Prozess, um ihre politischen Ansichten kundzutun. Sie kritisiert den Kapitalismus, das Vorgehen Israels im Gazastreifen und den US-Militäreinsatz in Venezuela. Ihre Verteidigungsrede dauert über eine Stunde und bietet einen Einblick in ihre Sicht auf die Welt und die Vorwürfe. Komischerweise scheint sie sich selbst als Opfer des politischen Systems zu sehen, was Fragen aufwirft, ob die Raubüberfälle tatsächlich nur aus finanziellen Nöten begangen wurden oder ob es tiefere Überzeugungen sind, die sie antreiben.
Die Sicherheitsvorkehrungen im Gericht sind enorm. Zuschauer und Journalisten müssen strenge Kontrollen über sich ergehen lassen, inklusive Ausweisfotografie und Schuhüberprüfung. Klette hingegen darf sich im Saal ohne Hand- oder Fußfesseln bewegen, was ihr eine gewisse Freiheit gibt. Bei der Ankunft wird sie von einem Konvoi aus gepanzerten Polizeifahrzeugen zum Gericht gebracht, was die Ernsthaftigkeit der Lage unterstreicht.
Die RAF, der Klette einst angehörte, ist für ihre gewaltsamen Aktionen in der deutschen Geschichte bekannt. Gegründet in den frühen 70er Jahren, führte die Gruppe zahlreiche Überfälle durch, um im Untergrund zu bleiben und ihre politischen Ziele zu finanzieren. Die Verbindung zwischen Klette und dieser düsteren Vergangenheit wirft einen Schatten auf die aktuelle Gerichtsverhandlung und lässt die Frage aufkommen, welche Rolle Ideologie in ihrem Handeln spielt.