Am 27. Mai 2026 wurde im Landgericht Verden ein Urteil gefällt, das die Gemüter bewegt. Daniela Klette, eine 67-jährige ehemalige RAF-Terroristin, soll für 13 Jahre ins Gefängnis. Die Vorwürfe, die wie ein Schatten über ihrem Leben liegen, sind nicht ohne: besonders schwerer Raub in gleich sechs Fällen, erpresserischer Menschenraub und Verstöße gegen das Waffengesetz. Klette selbst bestreitet jedoch vehement, an den Überfällen zwischen 1999 und 2016 beteiligt gewesen zu sein. Ein schmaler Weg führt nun zur Berufung, die ihre Verteidigung eingelegt hat, und das Oberlandesgericht prüft die Klage der Bundesanwaltschaft, die sie mit einem Sprengstoffanschlag auf die Justizvollzugsanstalt (JVA) Weiterstadt im Jahr 1993 in Verbindung bringt.
Die Verstrickungen von Klette in die dunkle Geschichte der Roten Armee Fraktion (RAF) sind nicht zu übersehen. Ihre Mitgliedschaft, die mittlerweile verjährt ist, gehört zur dritten Generation der RAF. Für die Zeit zwischen 1990 und 1993 wird ihr eine lange Liste von Verbrechen vorgeworfen. Ein besonders brisanter Vorfall ist der gescheiterte Sprengstoffanschlag auf ein Verwaltungsgebäude der Deutschen Bank in Eschborn, bei dem 45 Kilogramm Sprengstoff im Kofferraum eines VW-Golf abgestellt wurden. Glücklicherweise versagte die Zündvorrichtung, und die Explosion blieb aus – ein Wunder, denn drei Sicherheitskräfte hätten dabei getötet werden können.
Die dunkle Vergangenheit
Im Januar 1991, ein weiteres Kapitel ihrer kriminellen Laufbahn, feuerte Klette mit zwei Komplizen mindestens 250 Schüsse auf die US-Botschaft in Bonn ab. Dabei trafen mindestens 57 Projektile das Gebäude – zwanzig Menschen waren in akuter Gefahr. Und dann, im März 1993, war sie an einem weiteren Sprengstoffanschlag beteiligt, bei dem RAF-Mitglieder Wächter in der JVA Weiterstadt überwältigten und entführten. Es wurden mehrere Sprengsätze gezündet, die einen Schaden von etwa 63 Millionen Euro verursachten, jedoch glücklicherweise keine Gefangenen trafen, da zu diesem Zeitpunkt niemand im Gefängnis war.
Was Klette besonders interessant macht, ist das Leben, das sie nach ihrer Flucht führte. Unter dem Namen „Claudia“ lebte sie in Berlin-Kreuzberg und wurde von ihren Nachbarn als freundliche Nachhilfelehrerin wahrgenommen. Die Enttarnung im Februar 2024 kam überraschend. In ihrer Wohnung fanden die Ermittler Pistolen, Munition und sogar Kriegswaffen. Eine beunruhigende Entdeckung, wenn man bedenkt, dass Klette und ihr mutmaßlicher Komplize Burkhard Garweg seit 1999 an Überfällen auf Supermärkte und Geldtransporter beteiligt gewesen sein sollen. Garweg selbst ist nach wie vor auf der Flucht.
Ein schmaler Grat zwischen Recht und Unrecht
Das aktuelle Urteil ist noch nicht rechtskräftig, und die Entscheidung über die Revision könnte bis zum Winter 2026 auf sich warten lassen. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, könnte dies auch Auswirkungen auf ein zweites Verfahren in Frankfurt haben, das möglicherweise eingestellt werden müsste. Die Höchststrafe für Klette beträgt 15 Jahre. Das wirft Fragen auf – wie viel Verantwortung trägt jemand für Taten, die in einer anderen Zeit begangen wurden? Und wie geht die Gesellschaft mit den Überbleibseln einer Ära um, die von Gewalt und Terror geprägt war?
Die RAF hat historische Verbindungen zum Rhein-Main-Gebiet, und die Spuren ihrer Taten sind noch immer spürbar. Der Tod des ehemaligen RAF-Mitglieds Rolf Heißler im Mai 2023 in Offenbach hat die Diskussion um die Folgen und Nachwirkungen dieser gewalttätigen Vergangenheit neu entfacht. Die Gesellschaft steht vor der Herausforderung, die Geschichte aufzuarbeiten und gleichzeitig mit den realen Konsequenzen der Taten umzugehen, die bis ins Hier und Jetzt reichen. Klette ist nur eine von vielen Figuren in einem komplexen Drama, das sich über Jahrzehnte erstreckt.