In Verden, Niedersachsen, wird es spannend. Daniela Klette, eine 67-jährige Frau, die einst Teil der Roten Armee Fraktion (RAF) war, steht vor Gericht. Angeklagt ist sie wegen versuchten gemeinschaftlichen Mordes sowie schweren bandenmäßigen Raubes mit Waffen. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Haftstrafe von 15 Jahren. Klette soll zusammen mit zwei mutmaßlichen Komplizen, den flüchtigen Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg, zwischen 1999 und 2016 insgesamt 13 Überfälle begangen haben. Eine ganz schöne Zahl, oder? Die Taten machten Schlagzeilen und brachten eine Welle der Empörung mit sich.
Die Überfälle, die sich über Niedersachsen und Schleswig-Holstein erstreckten, waren gut geplant und teils brutal. Klette soll bei den Überfällen als Fahrerin des Fluchtautos agiert haben. Die Bande hatte mehr als zwei Millionen Euro erbeutet und dabei nicht davor zurückgeschreckt, maskiert und schwer bewaffnet Geldtransporter und Supermärkte zu überfallen. In der Wohnung von Klette in Berlin fanden die Ermittler Waffen, Bargeld und sogar eine Panzerfaust-Attrappe – ein bisschen viel für eine Frau, die sich selbst als Opfer des Systems sieht.
Das Verfahren und die Vorwürfe
Der Prozess, der am 27. Mai mit dem Urteil enden soll, hat bereits zahlreiche Wendungen genommen. Klette selbst äußert sich nur vage zu den Vorwürfen, kritisiert jedoch das Verfahren als politisch motiviert. Die Verteidigung fordert in acht Fällen einen Freispruch, da sie keine Beweise für Klettes direkte Beteiligung an den Raubüberfällen sieht. Ein Anwalt der Nebenklage fordert elf Jahre Haft wegen eines Überfalls in Stuhr im Jahr 2015. Der Fahrer des Geldtransporters, der bei diesem Überfall schwer traumatisiert wurde, ist bis heute nicht arbeitsfähig. Ein Schicksal, das die Grausamkeit der Taten unterstreicht.
Ungeachtet der Beweislage bleibt Klette bei ihrer Aussage. Sie erkennt das Leid der Opfer an und zeigt Bedauern über die fortdauernden Traumata. Gleichzeitig verteidigt sie die Überfälle als notwendige Mittel zur Finanzierung ihres Lebens im Untergrund. Ein schwieriges Thema, das viele Fragen aufwirft. Klette sieht sich nicht als Verbrecherin, sondern als jemand, der aus einer politischen Überzeugung heraus gehandelt hat. Das wird wohl nicht jeder nachvollziehen können.
Die Beweislage und weitere Verfahren
In Klettes Wohnung wurden zudem Fotos, Skizzen und Aufzeichnungen von ausspionierten Supermärkten und Polizeiwachen sichergestellt. DNA-Mischspuren in den Fluchtautos könnten möglicherweise auf Klette hinweisen, doch die Verteidigung bezweifelt die Qualität dieser Beweiserhebung. Die Diskussion über die Beweise wird sicherlich ein zentrales Thema im weiteren Verlauf des Prozesses sein. Außerdem könnte Klette auch wegen drei Anschlägen zwischen 1990 und 1993 vor Gericht kommen. Die Bundesanwaltschaft hat bereits Anklage erhoben, und das Oberlandesgericht Frankfurt am Main muss über den weiteren Prozessverlauf entscheiden.
Es ist bemerkenswert, dass der Gerichtssaal aus einer umgebauten Reithalle entstanden ist. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 3,6 Millionen Euro. Ein finanzieller Aufwand, der die Bedeutung dieses Verfahrens unterstreicht. Während die Staatsanwaltschaft eine klare Linie verfolgt, zeigt sich Klette als komplexe Figur, die in ihrer Welt zwischen Opfer und Täter schwankt. Es bleibt abzuwarten, wie das Urteil ausfallen wird und welche Folgen es für die Betroffenen haben wird. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt, und die Verteidiger wollen das Schlusswort halten. Es wird spannend!