Schweine gegen das Erdmandelgras: Ein innovatives Experiment aus Vechta
Heute ist der 24.07.2026 und wir blicken gespannt auf ein aufregendes Projekt, das gerade in unserer Region Vechta ins Rollen kommt. Die Universität Vechta hat sich ein ganz besonderes Experiment vorgenommen – das Forschungsprojekt „Mandelschwein“. Dabei geht es um nichts weniger als die Bekämpfung einer invasiven Pflanze, die den heimischen Ackerbau bedroht: das Erdmandelgras. Neun Schweine haben bereits ihr Zuhause auf einem Versuchsfeld in Bösel gefunden und scheinen die gesamte Vegetation mit Genuss zu vertilgen!
Das Erdmandelgras, das in Niedersachsen bereits 250.000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche in Mitleidenschaft zieht, ist nicht zu unterschätzen. Es hat eine Vorliebe dafür, tiefe Wurzelrhizome zu bilden, die bis zu 40 cm in die Erde ragen und selbst nach Trockenheit munter wieder aufkeimen. Isabelle Hennig-Pauka von der Tierärztlichen Hochschule Hannover hebt hervor, dass die Schweine tief wühlen müssen, um den Pflanzen den Garaus zu machen. In der Schweiz gab es bereits erste Erfolge mit ähnlichen Methoden, und der Freilandschweinezüchter Johannes Erchinger bringt stärkere, ältere Säue ins Spiel, um das Vorhaben effektiv zu unterstützen.
Ein ganzheitlicher Ansatz gegen invasive Pflanzen
Die Bekämpfung des Erdmandelgrases soll aus verschiedenen Maßnahmen bestehen. Schließlich sind die Schweine nur ein Baustein in einem größeren Konzept. Der Forschungsverbund Trafo-Agrar hat seit Jahren nach einem geeigneten Gegenmittel gesucht, doch Pestizide sind gegen diese fiese Pflanze bislang nicht zugelassen. Das Ziel des Projektes „Mandelschwein“ ist klar: Ein Acker, der vollständig von Erdmandeln befreit ist, auch wenn dafür der angebaute Mais als Futter für die Schweine verloren geht. Erste Kotproben zeigen bereits vielversprechende Ergebnisse – viele Erdmandeln wurden „angeknackst“ und sind somit nicht mehr keimfähig.
Natürlich sind invasive Arten wie das Erdmandelgras nicht nur ein lokales Problem. Sie verändern das Gleichgewicht in unseren Ökosystemen und stellen eine ernsthafte Bedrohung für die heimische Artenvielfalt dar. Die Landwirtschaft leidet enorm unter diesen Schädlingen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Der Japankäfer verursacht immense Schäden im Gartenbau und in der Landwirtschaft. Tatsächlich wird der wirtschaftliche Schaden durch invasive Arten in Deutschland seit 1960 auf über 8 Milliarden Euro geschätzt. Und die Prognosen zeigen, dass die Zahl der gebietsfremden Arten bis 2050 um ein Drittel steigen könnte!
Die Herausforderung der Biodiversität
Die Ursachen für die Ausbreitung invasiver Arten sind vielfältig – Globalisierung, weltweiter Handel und Klimawandel spielen eine entscheidende Rolle. In diesem Zusammenhang wird die Bedeutung von Frühwarnsystemen und gezielten Meldungen zur Eindämmung der Ausbreitung immer deutlicher. Invasive Arten sind gebietsfremde Arten, die sich in neuen Lebensräumen etablieren und die ursprüngliche Lebensgemeinschaft gefährden. Während wir uns hier in Vechta also um das Erdmandelgras kümmern, müssen wir uns gleichzeitig der globalen Herausforderung stellen, die mit invasiven Arten verbunden ist.
Wir dürfen nicht vergessen, dass auch die Landwirtschaft in der EU mehr als 14.000 gebietsfremde Arten umfasst, von denen 114 auf einer „Unionsliste“ als invasiv geführt werden. Das macht die Sache nicht einfacher. Und während wir also hier in Vechta mit den Mandelschweinen experimentieren, wird deutlich, dass wir alle zusammenarbeiten müssen, um die Biodiversität zu schützen und invasive Arten zu bekämpfen.
Das Forschungsprojekt „Mandelschwein“ hat das Potenzial, nicht nur für die Region, sondern für die gesamte Landwirtschaft von Bedeutung zu sein. Wir sind gespannt, wie sich die Schweine schlagen und welche Erkenntnisse wir aus diesem einzigartigen Ansatz gewinnen können!
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