Heute ist der 12.05.2026, und in Salzgitter gibt es Grund zur Freude. Der Salzgitter-Konzern hat im ersten Quartal 2026 ein starkes Ergebnis erzielt, und das, obwohl die Märkte alles andere als rosig sind. Geopolitische Unsicherheiten, wie die Spannungen rund um den Iran-Krieg, setzen der Stahlindustrie ganz schön zu. Dennoch: Die Segmente Stahlerzeugung, Handel und Technologie haben sich wacker geschlagen und positive Resultate erwirtschaftet. Wie der Finanzvorstand Birgit Potrafki strahlend verkündet, hat das Effizienzprogramm P28 sage und schreibe 43 Millionen Euro zur Ergebnisverbesserung beigetragen!
Der Außenumsatz bleibt stabil bei 2,3 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr. Das ist durchaus bemerkenswert und zeigt, dass der Konzern trotz aller Widrigkeiten nicht aufgibt. Das EBITDA vor Sondereffekten hat sich von 78,6 Millionen Euro auf 279,7 Millionen Euro gesteigert! Und noch beeindruckender: Das Vorsteuerergebnis hat sich von minus 27,3 Millionen Euro auf plus 179,1 Millionen Euro verbessert. Ein echter Ergebnissprung, der auch den hohen Gewinnbeitrag der Beteiligung an Aurubis mit 147 Millionen Euro (Vorjahr: 48 Millionen Euro) widerspiegelt. Da kann man nur sagen: Hut ab!
Herausforderungen und Chancen
Doch so schön das auch klingt, die Herausforderungen bleiben. Die Branche klagt über hohe Kosten und sieht sich einem unfairen Wettbewerb mit asiatischen Rivalen gegenüber. In Asien wird fast drei Viertel des globalen Rohstahls produziert, und die EU kommt nur auf 14 Prozent. Deutschland kämpft ernsthaft mit der Situation; die Rohstahlproduktion sank im ersten Halbjahr 2025 um fast 12 Prozent auf 17,1 Millionen Tonnen. Das ist auf dem Niveau der Finanzkrise 2009! Die Bau- und Automobilindustrie, die als wichtige Abnehmer gilt, zeigen eine schwache Inlandsnachfrage. Hier könnte man fast von einem Teufelskreis sprechen.
Die hohen Kosten der energieintensiven Produktion setzen der Branche ganz schön zu, gerade in Deutschland, wo die Strompreise einen Wettbewerbsnachteil darstellen. Das hat auch die IG Metall erkannt und warnt vor dem Verlust von Zehntausenden Arbeitsplätzen, falls die Energiepreise nicht wettbewerbsfähig bleiben. Ab 2026 soll es zwar einen staatlich subventionierten Industriestrompreis für energieintensive Unternehmen geben, aber bis dahin bleibt abzuwarten, wie viele Unternehmen im Sturm der Umstrukturierungen überstehen können.
Ein Blick in die Zukunft
Sowohl Salzgitter als auch Thyssenkrupp planen massive Einsparungen. Salzgitter will bis 2028 jährlich 500 Millionen Euro einsparen, was unweigerlich zu Personalabbau führen wird. Das ist bitter, aber notwendig, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Thyssenkrupp plant ebenfalls, Kapazitäten abzubauen und Tausende Stellen bis 2030 zu streichen. Das wirft Fragen auf: Wie wird sich das auf die regionale Wirtschaft auswirken? Und welche Perspektiven gibt es für die Beschäftigten?
Der Salzgitter-Konzern hat trotz der Widrigkeiten einen positiven Start ins Geschäftsjahr 2026 hingelegt. Die Nettofinanzposition hat sich erheblich verbessert und die Gewinnprognose wurde nach oben angepasst. Das gibt Hoffnung, dass die Branche sich stabilisieren kann – wenn nicht heute, dann vielleicht morgen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Salzgitter-Konzern und die gesamte Stahlindustrie diesen Sturm überstehen können. Die Zeichen stehen auf Veränderung!