Kampf ums Wohnen: Wenn Zwangsversteigerung und Ungeziefer den Alltag belasten
In Osterholz-Scharmbeck und Schwanewede brodelt es gewaltig. Ein Zwangsversteigerungsverfahren für 696 Wohnungen zieht sich nun schon seit etwa sechs Monaten am Amtsgericht Osterholz-Scharmbeck hin. Wer hätte gedacht, dass hinter den Mauern der Magnus-Achte-Wohnungen so viel Unruhe herrscht? Mieter und Anwohner berichten über anhaltende Probleme, die trotz kleiner Fortschritte nicht gelöst werden konnten. Müllentsorgung und die Ungezieferproblematik – das sind die Themen, die den Menschen hier wirklich auf den Nägeln brennen. Während die Temperaturen steigen, bleibt der Unmut ungehindert. Man könnte fast sagen: Hier ist der Wurm drin!
Das Quartiersfest „Tischlein Deck Dich“ im Komponistenviertel, ursprünglich für den 27. Juni geplant, musste wegen der hohen Temperaturen abgesagt werden. Man kann es den Veranstaltern nicht verdenken: Sicherheit geht vor. Und während die Feierlichkeiten ins Wasser fallen, stehen die Gutachter nicht still. Sie ermitteln derzeit die Werte der 696 Immobilien, wobei die unterschiedlichen Schäden eine aufwendige Bewertung nötig machen. Ratten und Mäuse scheinen sich hingegen nicht an die Abläufe zu halten. Zwangsverwalter Sebastian Ludolfs hat die Problematik an der Ostlandstraße in Schwanewede bestätigt. Ein Schädlingsbekämpfer wurde bereits beauftragt, um dem Ungeziefer den Garaus zu machen.
Schwierigkeiten in den Wohnungen
Doch nicht nur die Schädlinge sind eine Plage. An der Käthe-Kollwitz-Straße in Osterholz-Scharmbeck haben einige Mieter mit einem ganz anderen Problem zu kämpfen: Abwasser, das in Badewanne und Dusche zurückschwappt, ist alles andere als ein angenehmes Erlebnis. Eine Reparatur des verstopften Abflussrohrs wurde zwar veranlasst, doch die Sorgen halten an. Anwohner an der Mozartstraße berichten von einem Müllproblem, das nicht nur sie, sondern auch die Ratten und Mäuse betrifft, die munter Zugang zu den Mülltonnen haben. In der Nachbarschaft gibt es sogar Berichte über „Mülltourismus“: Ortsfremde laden ihren Abfall einfach an der Ostlandstraße und am Tannenberger Weg ab. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern wirft auch Fragen zur Verantwortung auf.
Die Hausverwaltung Inverta scheint nicht die gewünschte Aufmerksamkeit auf die Anliegen der Mieter zu legen. Anwohner berichten, dass sie sich nicht ernst genommen fühlen, auch wenn die Entsorgung des Mülls bereits beauftragt wurde. Die Teilnahme an Mietertreffen und Quartiersforen hat abgenommen, was darauf hindeutet, dass die betroffenen Bürger das Vertrauen in die Institutionen verlieren. Trotz dieser Schwierigkeiten liegt die Auslastung bei etwa 95 Prozent. Das klingt paradox, ist aber die Realität in diesem Viertel. Die Zwangsversteigerung ist in 29 Einzelverfahren aufgeteilt, was die Komplexität der Situation noch verstärkt.
Der rechtliche Rahmen
Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind gleichfalls spannend. Der Immobilienmarkt in Deutschland ist groß und Kaufgeschäfte verlaufen in der Regel reibungslos. Wenn ein Käufer jedoch ein vermietetes Objekt erwirbt und einziehen möchte, kommt es zu Problemen. Nach § 566 Abs. 1 BGB bricht ein Kauf die Miete nicht; der Käufer tritt in die Rechte und Pflichten des vorherigen Vermieters ein. Das bedeutet, dass der neue Eigentümer die bestehenden Mietverträge und Kündigungsfristen beachten muss. Doch bei Erwerb durch Zwangsversteigerung hat der Käufer ein Sonderkündigungsrecht gemäß § 57a ZVG. Hier wird es kompliziert: Die Kündigung muss innerhalb der gesetzlichen Frist erfolgen, und versäumt der Käufer den ersten Kündigungstermin, ist eine Kündigung nicht mehr möglich. Mieter sollten also gut aufpassen!
Die Sorgen um die Kündigungsfristen sind nicht unbegründet. Wenn eine Kündigung nicht fristgerecht erfolgt, ist sie unwirksam. Ein Anwalt für Mietrecht kann hier Gold wert sein, um die Fristberechnung und mögliche Ausnahmen zu klären. Es gibt zahlreiche Hürden, die eine Kündigung nach einer Zwangsversteigerung mit sich bringt, was die Situation für die Mieter noch ungewisser macht. Die bestehenden Mietverträge und Kündigungsfristen müssen beachtet werden, und das kann in der Praxis zu einer echten Nervenprobe werden.
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