Heute ist der 13.07.2026, und in Osterholz gibt es etwas ganz Besonderes zu entdecken. In den Berufsbildenden Schulen Osterholz-Scharmbeck hat die Dauerausstellung „Grenzen überwinden“ ihre Türen geöffnet. Hier wird ein unsichtbares, aber doch so wichtiges Thema sichtbar gemacht: Flucht, Migration und das Überwinden von Vorurteilen. Die Geschichten, die hier erzählt werden, sind nicht nur Zahlen und Statistiken, sondern echte Lebensgeschichten. Schülerinnen und Schüler sowie Lehrer berichten von ihren Erfahrungen, die geprägt sind von Krieg, Angst, Freundschaft und den Herausforderungen, die ein Neuanfang mit sich bringt.

Die Ausstellung zeigt 14 verschiedene Fluchterfahrungen, gesammelt von 13 Schülerinnen und Schülern und einem Lehrer. A. L. (25 Jahre) erzählt von seiner Flucht aus dem Irak, von den traumatischen Erlebnissen, die ihn bis heute belasten. A. F. (22 Jahre) hingegen hat Afghanistan hinter sich gelassen und berichtet über die Schwierigkeiten, die er in Deutschland durchlebt hat. Solche Geschichten sind es, die das Publikum zum Nachdenken anregen. Plakate mit QR-Codes in den Schulgebäuden verlinken zu den Lebensgeschichten und machen das Thema greifbar.

Ein starkes Zeichen der Weltoffenheit

Die Initiatoren der Ausstellung, Andrea Wintjen und Daniel Kunstmann, haben sich das Ziel gesetzt, die Schulgemeinschaft zu stärken und das Motto „Wir sind weltoffen“ erlebbar zu machen. Wintjen betont, dass die Geschichte der Menschheit eine Geschichte der Migration ist. Das wird hier eindrucksvoll unterstrichen, denn Rassismus und Vorurteile sind auch Themen, die die Schüler in Deutschland erfahren haben. Lehrer Fatih El-Khatib, selbst aus Jordanien geflohen, spricht offen über die Herausforderungen und Vorurteile, mit denen Migranten in Deutschland konfrontiert sind. In solchen Momenten wird deutlich, wie wichtig es ist, diesen Dialog zu führen.

Die Schüler berichten von ihren Schwierigkeiten, sich in die Gesellschaft zu integrieren, und von Alltagsrassismus. A. und L. haben zusammen das erste Lehrjahr ihrer Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker absolviert. A. hat in Deutschland seinen Hauptschulabschluss gemacht und möchte in seinem Beruf weiterarbeiten. L. hingegen wünscht sich eine Veränderung der Wahrnehmung von Geflüchteten in Deutschland. Es sind solche Träume, die Hoffnung geben und eine gemeinsame Zukunft im Beruf ermöglichen könnten.

Ein Blick auf die Realität

Doch wie sieht die Realität für viele Zuwanderinnen aus? Laut einer Polizeilichen Kriminalstatistik sind Zuwanderinnen überproportional von Armut und mangelnder Bildung betroffen – Faktoren, die kriminalitätsfördernd wirken können. Das hat viel mit sozialen Bedingungen und Perspektivlosigkeit zu tun, nicht mit der Herkunft selbst. Oft sind es Verzerrungen in der Wahrnehmung und der Kriminalstatistik, die Vorurteile verstärken. Im Jahr 2025 wurden 2.054.855 Tatverdächtige erfasst, darunter 297.401 Zuwander*innen. Das zeigt, dass Integration und Chancengleichheit dringend notwendig sind, um das Zusammenleben zu verbessern.

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Die Ausstellung in Osterholz ist nicht nur ein Spiegel der Vergangenheit, sondern auch ein Aufruf zur Veränderung. Sie erinnert uns daran, dass jede Fluchtgeschichte einzigartig ist und dass wir alle – unabhängig von Herkunft – das Recht auf Verständnis und ein Leben in Würde haben. Es sind diese Geschichten, die uns verbinden und die uns lehren, einander zu respektieren und zu unterstützen. Kunstmann erklärt, dass die Ausstellung nicht nach außen wirken soll, sondern für die Schulgemeinschaft selbst gedacht ist. Ein Ort, an dem Empathie und Menschlichkeit im Vordergrund stehen.

In einer Welt, die oft von Vorurteilen geprägt ist, ist es umso wichtiger, den Dialog zu suchen und Brücken zu bauen. „Grenzen überwinden“ zeigt, wie das gelingen kann. Die Geschichten, die hier erzählt werden, sind nicht nur für die Schulgemeinschaft von Bedeutung, sondern für uns alle. Denn letztlich sind wir alle Teil dieser einen Menschheitsgeschichte – ganz gleich, woher wir kommen.

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