Moringens lebendiges Gedächtnis: Gisela van Hülsen und die Schätze des Stadtarchivs
Die Geschichte des Moringer Stadtarchivs ist nicht nur ein Kapitel im Geschichtsbuch, sondern ein lebendiger Teil der Stadtgeschichte, den Gisela van Hülsen seit zwei Jahrzehnten mit großem Engagement betreut. Der Schlüssel zum Archiv, den sie von ihrem Vorgänger Wilhelm Rose erhielt, öffnete ihr nicht nur die Türen zu alten Dokumenten, sondern auch zu unzähligen Geschichten und Erinnerungen, die darauf warten, entdeckt zu werden. Zuvor hatte sie bereits neun Jahre im Heimatmuseum verbracht, wo sie sich mit der Inventarisierung von Sammlungen beschäftigte. Immer wieder hat sie ihre Zeit dem Stadtarchiv gewidmet, oft auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten, um Zeitungsartikel, Protokolle und Urkunden zu sichten und aufzubereiten.
Im Archiv türmen sich Kartons und Ordner voller handschriftlicher Bücher, die auf den ersten Blick chaotisch wirken, doch in jedem von ihnen steckt eine eigene Geschichte. Auf dem Dachboden des Rathauses lagern zudem weitere Schätze, die nur darauf warten, dass jemand ihnen die Aufmerksamkeit schenkt, die sie verdienen. Besonders spannend ist, dass im Archiv Materialien vom 30-jährigen Krieg bis zur Gegenwart zu finden sind. Die Zerstörung vieler alter Quellen während der beiden Weltkriege macht die noch vorhandenen Dokumente umso wertvoller.
Ein Schatz an Informationen
Gisela hat bereits begonnen, die Inhalte thematisch in Ordnern zu strukturieren. Das macht es nicht nur für sie, sondern auch für Schüler, Nachlassverwalter und Familienforscher einfacher, die gesuchten Informationen zu finden. Ein kürzlich entdeckter Umschlag mit Dokumenten in der Moringer Liebfrauenkirche bringt neue Perspektiven in die Aufarbeitung. Es gibt Informationen über KZ-Insassen, jüdische Mitbewohner und die Standorte von Baracken. Auch Anmelderegister und Entnazifizierungsakten sind Teil des Archivs. Van Hülsen beschreibt ihre Arbeit als spannend – die Neugier auf das, was noch zu entdecken ist, treibt sie an.
Das Gedenkstättenarchiv in Moringen ergänzt die wertvollen Bestände des Stadtarchivs. Hier finden sich nicht nur Berichte und Interviews, sondern auch Fotos, Presseartikel und sogar Audiovisuelles Material. Die Bestände sind nach Herkunft, Medium und Thema strukturiert, was die Recherche erheblich erleichtert. Besonders interessant ist die interne Datenbank, die es ermöglicht, Akten und Dokumente nach Namen, Orten oder vordefinierten Schlagworten zu durchsuchen. So können etwa Excel-Tabellen zu Häftlingen der drei Moringer Konzentrationslager spezifische Auswertungen liefern und gewähren einen tiefen Einblick in die Geschichte der Region.
Digitalisierung für die Zukunft
Alle Originalmaterialien und Erinnerungsberichte wurden digitalisiert, um sie langfristig zu sichern. Das bedeutet, dass Dokumente und analoge Fotos gescannt und Karten sowie Objekte abfotografiert wurden. Rund 150 Stunden Interviews und Dokumentarfilme stehen nun in digitalisierter Form zur Verfügung. Dies ist nicht nur eine große Erleichterung für die Forschung, sondern auch ein wertvoller Beitrag zur Erinnerungskultur.
Die Öffnungszeiten des Archivs sind mittwochs ab 10 Uhr, und die Türen stehen allen Interessierten offen. Die Möglichkeit, in die Vergangenheit einzutauchen und die Geschichten der Stadt zu entdecken, wird von vielen genutzt. Gisela van Hülsen ist stolz auf ihre Arbeit und die Schätze, die sie täglich in den Händen hält. In ihrem Ehrenamt hat sie nicht nur die Verantwortung für die Vergangenheit, sondern auch die Möglichkeit, die Geschichte Moringens lebendig zu halten.
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