Es gibt Menschen, die wirken wie Lichtblicke in unserer Gemeinschaft. Jochen Lehmann ist so einer. Im Landkreis Northeim hat er sich mit seinem Engagement für den Verein „Deutsch für alle“ einen Namen gemacht. Hier bildet er Mentoren aus, die mit Migrantenkindern im Grundschulalter die deutsche Sprache üben. Über 200 Lesepaten, liebevoll Leseomas und -opas genannt, sind an Grundschulen aktiv und helfen den Kleinen, ihre Sprachfähigkeiten zu entwickeln.
Lehmann ist kein Unbekannter in der Bildungslandschaft. Nach einem Lehramtsstudium in Deutsch, Geschichte und Politik unterrichtete er viele Jahre am Gymnasium Corvinianum in Northeim. Seine Reise führte ihn sogar für fünf Jahre nach Teheran und dann für acht Jahre nach Buenos Aires, wo er Deutschlehrer ausbildete. 2003 beendete er seine Laufbahn als Direktor des niedersächsischen Landesinstituts für Schulentwicklung. Ein Jahr später kam er durch eine Spende des Lions-Clubs zu dem Verein und wurde schnell zum Motor der Veränderungen.
Das Mentorenprogramm
Das Mentorenprogramm, das 2011 mit nur sieben älteren Damen begann, hat sich mittlerweile zu einer beeindruckenden Initiative entwickelt. In diesem Jahr wurden 30 neue Mentoren ausgebildet, die meisten von ihnen sind Rentner. Die Schulen entscheiden, welches Kind einen Lesepaten erhält, wobei die Bedürftigkeit eine Rolle spielt. Oft sind es Kinder aus Migrantenfamilien, die keinen Zugang zur deutschen Sprache haben. Die Lesepatenschaften dauern mindestens ein Jahr und maximal drei Jahre, mit dem Ziel, eine Realschulempfehlung zu erreichen. Es sind diese Verbindungen, die zwischen Lesepaten und Kindern entstehen und oft über die Patenschaft hinaus bestehen bleiben – eine wahre Bereicherung für beide Seiten.
Doch das Engagement des Vereins geht über das Lesen hinaus. 2010 wurde das Projekt „Deutsch lernen mit Nadel und Faden“ ins Leben gerufen, um ausländischen Frauen die Sprache beim Nähen näherzubringen. Während der Coronazeit wurden 1600 Masken genäht und gespendet, was nicht nur dem Verein finanzielle Mittel sicherte, sondern auch ein starkes Gemeinschaftsgefühl vermittelte. Zudem hat der Verein Schulen mit Materialien im Wert von 1000 Euro ausgestattet – darunter Bücher und Sprachspiele.
Sprachförderung für Flüchtlinge
Die Notwendigkeit solcher Initiativen wird auch durch bundesweite Projekte offensichtlich. In Bayern wurde 2013 ein Modellprojekt ins Leben gerufen, das Asylbewerbern eine Erstorientierung und die Möglichkeit, Deutsch zu lernen, bietet. Zudem hat der Deutschkurs-Helferkreis Thannhausen/Schwaben ein Konzept entwickelt, das speziell für Asylbewerber gedacht ist, die noch keinen Zugang zu offiziellen Deutschkursen haben. Solche Maßnahmen sind wichtig, denn Sprachförderung ist der Schlüssel zur Integration. Das Portal „Lesen in Deutschland“ stellt zahlreiche Initiativen zur Sprach- und Leseförderung vor, die gezielt Flüchtlingen zugutekommen.
Für Kinder mit Fluchterfahrung gibt es spezielle Programme wie „Lesestart für Flüchtlingskinder“, das bis Ende 2025 Unterstützung für 0- bis 10-jährige Kinder bietet. Auch digitale Lösungen sind auf dem Vormarsch: Die App #digiclass fungiert als kostenloser Vokabeltrainer für geflüchtete Kinder. So können selbst in schwierigen Zeiten neue Wege gefunden werden, um Sprachbarrieren abzubauen.
Der Wert ehrenamtlichen Engagements
Am 23. Mai, dem Ehrentag für ehrenamtliches Engagement in Deutschland, wird auch der 77. Geburtstag des Grundgesetzes gefeiert. Ein passender Zeitpunkt, um die Arbeit von Menschen wie Jochen Lehmann und den vielen Ehrenamtlichen im Landkreis Northeim zu würdigen. Die Bundesregierung hat erkannt, wie wichtig die Integration von Geflüchteten und Zugewanderten ist, und fördert zahlreiche Maßnahmen, die von Sprachvermittlungsangeboten bis hin zur Unterstützung beim Einstieg in den Arbeitsmarkt reichen.
Die Schwerpunkte des Bundesfamilienministeriums liegen besonders auf der Integration von Frauen und Kindern sowie unbegleiteten Geflüchteten. Durch Programme wie „Menschen stärken Menschen“ wird bürgerschaftliches Engagement gefördert, um einen Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe und zum Zusammenhalt zu leisten. Es ist bemerkenswert, wie viele Menschen sich in dieser Richtung engagieren – oft ohne viel Aufhebens darum zu machen.
Die Vielfalt an Projekten und Initiativen, die zur Sprachförderung und Integration von Geflüchteten und Migranten ins Leben gerufen wurden, zeigt, dass es in Deutschland einen klaren Willen gibt, Sprachbarrieren abzubauen und Brücken zu bauen. Und das ist nicht nur eine gute Sache für die Betroffenen, sondern bereichert auch unsere gesamte Gesellschaft. Gemeinsam können wir viel bewegen, und der gemeinsame Weg beginnt oft mit einem einfachen „Hallo“.