In Northeim tut sich etwas – und das ist nicht unbedingt im positiven Sinne. Die Nachfrage nach Freiwilligendiensten, wie dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), dem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) und dem Bundesfreiwilligendienst (BFD), scheint dramatisch zu sinken. Die Kommunen und Einrichtungen im Landkreis bestätigen diesen besorgniserregenden Trend. Wiebke Richter von der Lebenshilfe Northeim macht deutlich, dass es immer schwieriger wird, geeignete Stellen für ein FSJ zu besetzen. Oft bleibt der gewünschte Rücklauf auf Stellenanzeigen aus – ein echtes Dilemma für die sozialen Einrichtungen!
Das Problem, das sich hier zeigt, betrifft nicht nur Northeim, sondern zieht sich durch ganz Deutschland. Laut einer aktuellen Erhebung sind die Bewerberzahlen für Freiwilligendienste im Jahr 2023 im gesamten Bundesgebiet deutlich rückläufig. Es ist wirklich frappierend, wie gravierend die Rückgänge sind, insbesondere im Vergleich zum Vorjahr. Die Pandemie hat anscheinend Spuren hinterlassen, die sich nur schwer wieder beseitigen lassen. Viele junge Menschen scheinen orientierungslos, verunsichert und suchen nach alternativen Wegen, um ihre Zeit zu verbringen.
Der Wandel der Werte
Ein Trend, der sich verstärkt hat, ist der Wandel in der Einstellung junger Menschen zur sozialen Arbeit. Immer mehr Jugendliche ziehen Auslandsjahre vor, um ihre persönliche Entwicklung voranzutreiben, anstatt sich für lokale Freiwilligendienste zu engagieren. Miriam Engelhardt von den Harz-Weser-Werkstätten bestätigt diesen Rückgang der Bewerberzahlen und weist darauf hin, dass viele Jugendliche eher ihre Freizeit nachholen möchten. Stattdessen nutzen sie die Zeit für bezahlte Nebenjobs in der Gastronomie oder im Einzelhandel. Das klingt einfach nach einer pragmatischen Entscheidung, oder nicht?
Der 1. September ist traditionell der Stichtag für den Beginn eines FSJ, aber die Stellen, die danach noch besetzt werden, sind oft rar gesät. Das führt dazu, dass viele Plätze erst im Oktober oder manchmal sogar nur für wenige Monate verfügbar sind. Als ob das nicht schon genug wäre, gibt es auch eine Konkurrenz durch berufliche Ausbildungsangebote und Präsenzveranstaltungen an Hochschulen. Es macht den Anschein, als würde das soziale Engagement der Jugendlichen, das oft mit einem FSJ einhergeht, zunehmend in den Hintergrund rücken.
Ein Aufruf zur Veränderung
Die Rückgänge sind alarmierend. Ein Rückgang der Nachfrage um etwa ein Drittel im Jahr 2022 spricht für sich. Die Organisationen und Träger könnten vielleicht offener auf die Jugendlichen zugehen, um das Interesse an Freiwilligendiensten zu fördern. Öffentlichkeitsarbeit könnte hier ein Schlüssel sein: Die Vorteile des FSJ und FÖJ sollten klarer kommuniziert und beworben werden. Schließlich gibt es ja auch etwas zu gewinnen – sei es praktische Erfahrung, soziale Kompetenzen oder einfach ein gutes Gefühl, etwas Gutes zu tun.
Wenn wir uns die amtlichen Statistiken anschauen, die erst Ende des Jahres vorliegen werden, können wir nur erahnen, wie sich die Situation weiter entwickeln wird. Die Hoffnung bleibt, dass die sozialen Dienste und die Gesellschaft im Ganzen Wege finden, um das ehrenamtliche Engagement wieder zu beleben – denn nur so kann der soziale Zusammenhalt gestärkt werden. Es bleibt spannend, wie sich die Landschaft der Freiwilligendienste in den kommenden Jahren entwickeln wird.