Heute ist der 20.04.2026. Die Diskussion um den Neubau der Bahnstrecke zwischen Hamburg und Hannover hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Um 13 Uhr fand eine Sitzung des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages statt, die live auf der Internetseite des Bundestages übertragen wurde. Dabei wurden die Pläne für die dringend benötigte Neubaustrecke erörtert, die sowohl dem Fernverkehr als auch der Kapazitätserweiterung im Nahverkehr dienen soll.
Die Lüneburger Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch (Grüne) setzte sich vehement für die Neubaustrecke ein und wies auf die langen Bauzeiten hin, die bei einem Ausbau der bestehenden Strecke bis zu 32 Jahre betragen könnten. Matthias Hudaff von der Deutschen Bahn (DB) bestätigte, dass nur der Neubau die Kriterien für Pünktlichkeit und Kapazität erfüllen könne. Während der Sitzung wurden insgesamt 29 Varianten untersucht, wobei vier davon öffentlich vorgestellt wurden.
Vielfältige Perspektiven und Forderungen
Die Diskussion brachte auch unterschiedliche Sichtweisen auf den Tisch. Lukas Iffländer vom Fahrgastverband Pro Bahn bezeichnete die Neubaustrecke als die einzige Lösung, forderte jedoch einen regionalen Nutzen. Kay Rabe vom Verkehrsclub Deutschland plädierte für eine Erweiterung der Pläne, insbesondere im Hinblick auf besseren Lärmschutz. Verkehrsexperte Thomas Siefer von der TU Braunschweig äußerte kritische Bedenken und bezeichnete die Neubaupläne als „extrem teuer“, vor dem Hintergrund, dass der Fahrzeitgewinn lediglich 14 Minuten betrage.
Peter Dörsam (Grüne) äußerte ebenfalls Bedenken hinsichtlich des Nutzen-Kosten-Verhältnisses und der potentiellen Bauzeit, die sich bis 2063 erstrecken könnte. Jens Grote, parteiloser Landrat des Heidekreises, mahnt an, dass die Region nicht gegen das Projekt sei, sondern vielmehr Lösungen für die Schiene benötige. Die Diskussionsteilnehmer setzten sich aus Vertretern verschiedener Organisationen zusammen, darunter die DB, Fahrgastverbände und lokale Politiker. Schriftliche Stellungnahmen von einigen Sachverständigen hatten bereits im Vorfeld für Diskussionsstoff gesorgt, während Vertreter der Länder, ausgenommen Niedersachsen, sich an den Verkehrsausschuss wandten.
Die Zukunft der Bahnstrecke
Die Deutsche Bahn hat parallel zur Sitzung eine Vorzugsvariante für den Ausbau der stark überlasteten Strecke vorgestellt. Eine Qualitätsoffensive soll im kommenden Jahr beginnen, gefolgt von einer umfassenden Generalsanierung der Strecke im Jahr 2029. Die bestehenden Trassen zwischen Hannover und Hamburg haben eine Auslastung von 147 Prozent und zählen zu den unpünktlichsten Strecken Deutschlands. Der Bund prognostiziert steigende Zugzahlen im Personen- und Güterverkehr auf dieser Strecke, was die Notwendigkeit eines Neubaus unterstreicht.
Der Neubau von Hannover nach Hamburg über Bergen erfüllt die Kriterien für den Deutschland-Takt und könnte neue Nahverkehrshalte, beispielsweise im Heidekreis, schaffen. Im Herbst wird das Projektteam eine Tour durch die Region starten, um detaillierte Karten und Inhalte, einschließlich Maßnahmen zum Lärmschutz, vorzustellen und die Meinungen der Bevölkerung einzuholen. Die parlamentarische Befassung des Deutschen Bundestages soll noch in diesem Jahr erfolgen, wobei auch Forderungen aus der Projektregion Berücksichtigung finden.
Die Diskussion über die Trasse zwischen Hamburg und Hannover ist keine neue, sie dauert bereits seit 1962 an. Die Herausforderungen und Chancen, die mit einem Neubau verbunden sind, werden auch in den kommenden Monaten und Jahren weiterhin für Gesprächsstoff sorgen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die geplanten Maßnahmen auf die Qualität des gesamten Schienennetzes in Deutschland auswirken werden.