In der malerischen Hansestadt Lüneburg, bekannt für ihre historischen Gebäude und charmanten Gassen, tut sich etwas, das einem Märchen entsprungen scheint. Die Stadt hat mit einem ungewöhnlichen Phänomen zu kämpfen: In bestimmten Stadtteilen sinkt der Boden. Ja, richtig gehört! Man könnte fast meinen, die Häuser würden dem Erdboden gleich ein „Schau-ma-mal-an“ entgegensetzen – doch die Realität ist weniger märchenhaft und mehr besorgniserregend.
Die Ursache für diese Bodenabsenkungen liegt tief in der Geschichte verankert. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde hier ein wahrhaft gigantischer Salzabbau betrieben. Tausende von Tonnen Sole wurden jährlich aus dem Untergrund gefördert, was Lüneburg zu Wohlstand verhalf. Allerdings hinterließ dieser Reichtum auch seine Spuren. Unter der Stadt, nur wenige Meter unter der Oberfläche, erstreckt sich ein großer Salzstock, der inzwischen zum Problem geworden ist. Diese Saline ist seit 1980 geschlossen, doch die Hohlräume, die durch das Abpumpen der Salzsole entstanden sind, sorgen dafür, dass der Boden im Senkungsgebiet immer weiter nachgibt – bis zu 13 Zentimeter pro Jahr!
Die sichtbaren Folgen
Besonders auffällig wird das an der Kreuzung Waagestraße/Neue Sülze, wo die Absenkung mehr als deutlich sichtbar ist. Hier stehen die Häuser schief, als hätten sie einen langen Abend in der Kneipe verbracht und wüssten nicht mehr so recht, wo oben und unten ist. Historische Gebäude zeigen Risse, und einige mussten bereits aufgegeben werden, während andere mit Betonankern oder Stahlträgern gesichert wurden. Ein weiteres Beispiel sind die Anwohner in der Straße „Auf dem Meere“, die beim Betreten ihres Hauses Stufen hinuntergehen müssen – ein kleines Abenteuer, könnte man sagen.
Die Michaeliskirche, ein Wahrzeichen der Stadt, ist ebenfalls betroffen. Ihre schiefen Säulen und der Westflügel sind sichtbare Zeugen dieser geologischen Unannehmlichkeit. Auch wenn Erdfälle in der Stadt immer seltener werden – der letzte Vorfall fand 2016 statt – ist die Gefahr nie ganz gebannt. Rund 300 Messpunkte überwachen die Erdbewegungen in Lüneburg, um rechtzeitig auf Veränderungen reagieren zu können. Ein schlauer Schachzug, um die Standsicherheit der Gebäude im Auge zu behalten.
Geologische Hintergründe
Im weiteren Kontext ist es spannend zu wissen, dass die Bodenbewegungen in Lüneburg nicht nur durch die Geschichte des Salzabbaus begründet sind. Niedersachsen ist generell von geologischen Prozessen geprägt, die zu solchen Phänomenen führen können. Subrosion, ein Prozess, bei dem wasserlösliche Gesteine wie Steinsalz und Gipsstein vom Grundwasser gelöst werden, spielt hier eine Rolle. Diese Prozesse können zu Erdfällen führen, die in der Vergangenheit durchaus dramatische Ausmaße angenommen haben. In Niedersachsen haben etwa 70 % der Erdfälle einen Durchmesser von bis zu 5 Metern – das ist nicht zu unterschätzen!
Die Hansestadt Lüneburg und ihre Anwohner sind sich der Herausforderung, die diese geologischen Gegebenheiten mit sich bringen, durchaus bewusst. Regelmäßige Diskussionen über Maßnahmen zur Sicherung und Verkehrsberuhigung sind an der Tagesordnung. Das Ordnungsamt und die Bauordnungsbehörde sind stets auf der Hut, um bei baulichen Schäden schnell zu reagieren. Schließlich gilt es, die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten und die Schönheit dieser einzigartigen Stadt zu bewahren.